Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

Telematik: Heilsbringer oder überflüssiges Beiwerk?

03.03.2015 – christian-dierks-150Ein Beitrag von Christian Dierks, Leiter Kompetenzteam “Antrag, Vertrag und Schadenmanagement” bei den Versicherungsforen Leipzig.

Eines der großen Themen ist derzeit das Gebiet der Telematik. Betrachtet man die Bildung des Begriffs Telematik – die Zusammensetzung aus dem griechischen “tele” für “weit” und dem Suffix “matik” aus der Informatik – zeigt sich die Reichweite des Themas. Telematik bedeutet damit sinngemäß Informationsübertragung über eine gewisse Distanz.

Die Diskussionen spielen sich dabei in drei Bereichen ab: Mobilität, Lifestyle und Gesundheit sowie Haus und Wohnen. Während die Telematik im Bereich der Mobilität schon weit vorangekommen ist, steht sie in den anderen Bereichen noch eher am Anfang.

Telematik in der Mobilität ist vor allem im Straßenverkehr ein Thema. In der Nutzfahrzeugbranche ist sie bereits heute fester Bestandteil. Lkws sind in der Regel fernüberwacht, sehr zum Leidwesen der Fahrers. Der alte Mythos der Fernfahrerromantik von Freiheit auf der Straße gehört in die Geschichtsbücher: Heute ist der Lkw-Fahrer permanent online, bekommt Aufträge über seinen Laptop übermittelt, sein Fahrzeug ist GPS-überwacht, die Ware wird geortet und so weiter und so fort. Auch der Lkw selbst sendet Daten an den Disponenten über den Zustand des Fahrzeugs. Lenk- und Ruhezeiten müssen ebenfalls eingehalten werden. Bei Pkws dagegen ist die Telematik noch nicht so weit fortgeschritten.

Die Versicherungsbranche setzt derzeit dazu an, telematikbasierte Tarife aufzusetzen. Allerdings gehen die Meinungen über Kosten und Nutzen weit auseinander. Einige Häuser vertreten die Ansicht, dass die Daten, die mit telematischen Systemen gesammelt werden können, heute noch nicht ausreichen, um einen wirklich risikoadäquaten Tarif aufzulegen. So lehnt die R+V einen Telematiktarif nach einem ausführlichen Pilotversuch beispielsweise ab. Im Ausland gibt es zwar bereits eine ganze Reihe von Tarifen, in Deutschland war dies bisher nicht nötig. Denn hier zu Lande ist das Tarifsystem für Kz-Haftpflichtversicherungen mit seiner Vielzahl von Rabatten und unzähligen Kombinationsmöglichkeiten bereits ausdifferenziert genug und Sparpotenziale sind marginal.

Das andere Lager, die Befürworter der Telematiktarife, führt ins Feld, dass sich die Assekuranz heute schon bewegen muss, um morgen dabei zu sein. Zudem spreche man eine junge und elektronikaffine Kundschaft an. Beispiele dafür sind der DriveRecorder der Axa Winterthur oder Sijox von der Signal Iduna. Viele andere Versicherer arbeiten an telematischen Lösungen im Kfz-Versicherungsgeschäft, wollen oder können damit aber noch nicht an die Öffentlichkeit treten.

Weiteren Antrieb gewinnt das Thema auch durch das autonome Fahren. Die Automobilwirtschaft geht davon aus, dass bereits in fünf Jahren fertige Systeme bestehen. Nachziehen muss dann noch die Infrastruktur. Aber auch die Versicherungswirtschaft wird sich dringend damit befassen müssen, denn auch auf Tarife, Schadenzahlen und rechtliche Haftungsfragen wird das Thema autonomes Fahren erhebliche Konsequenzen haben. Aufgrund der anhaltenden Relevanz des Themas Telematik, veranstalten die Versicherungsforen Leipzig am 3. und 4. März die nunmehr fünfte Konferenz “Telematik in der Kraftfahrtversicherung”.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie unter www.versicherungsforen.net/telematik.

Bild: Christian Dierks (Quelle: Versicherungsforen Leipzig)

Tags:
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

Abo | Shop | Magazin | Verlag | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten