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“Pay-as-you-live nicht aufzuhalten”

26.10.2015 – Kaspar_Ergo_PrivatPay-as-you-live-Modelle werden für die Versicherungswirtschaft in Zukunft nicht aufzuhalten sein, sagt Malte-Michael Kaspar, Datenschutzbeauftragter der Ergo Direkt im Interview mit VWheute. Die jüngere Generation pflege hier einen ganz anderen Umfang mit persönlichen Daten. Versicherern sei durch den Code of Conduct (CoC) der Datenzugang erleichtert worden.

“Allerdings hat die Umsetzung des CoC zu einem zum Teil nicht unerheblichen Aufwand in der Versicherungsbranche geführt, obwohl die im CoC dargestellten Anforderungen eigentlich schon Bestandteil des Gesetzestextes des BDSG gewesen sind”, erklärt Malte-Michael Kaspar auf die Frage nach dem Status Quo des Verhaltenskodex.

“Bestandskunden hatten nur in den wenigsten Fällen Rückfragen zu den Inhalten des CoC. Auffällig hingegen war, dass Antragsteller oder Interessenten oftmals Streichungen hinsichtlich der dreijährigen Speicherfrist der Gesundheitsdaten bei einem nicht Zustandekommen des Versicherungsvertrages, vorgenommen haben. Vereinzelt wurden die gesamten Einwilligungserklärungen durch den Kunden gestrichen. Hier scheint die Notwendigkeit der Speicherung oder die abzugebenden Erklärungen für den Betroffenen nicht nachvollziehbar zu sein. Eine diesbezügliche Aufklärung mit Erläuterung der grundlegenden Sachverhalte wurde notwendig.”

VWheute: Werden sich verhaltensbasierte Tarife durchsetzen?

Malte-Michael Kaspar: Die Entwicklung von weiteren Pay-as-you-live-Modellen in der Versicherungsbranche wird für die Zukunft nicht aufzuhalten sein. Die bisher kommunizierten Konzepte werden sich auf Dauer gesehen durchsetzen. Dies gilt zumindest für die jüngere Generation, die einen gänzlich anderen Umgang mit ihren persönlichen Daten pflegt, als ältere Generationen.

Meines Erachtens wird hier zu wenig zukunftsbezogen gedacht. Es wird nicht hinterfragt, welche Auswirkungen die Bekanntgabe derartiger Daten nach sich ziehen kann. Hier sehe ich den Versicherer in der Pflicht, seine Kunden umfänglich darüber zu informieren, wofür die Daten bei den jeweiligen Produkten genutzt werden oder genutzt werden können, aber auch wofür die Daten nicht verwendet werden sollen.

Derzeit gibt es noch keine fest verankerten Voraussetzungen zum Umgang mit Produkten, die auf „Big Data“ zurückgreifen. Hier sollte aus meiner Sicht eine verbindliche Aussage gegenüber dem Kunden (Betroffenen) getätigt werden.

Bild: Malte-Michael Kaspar, Datenschutzbeauftragter der Ergo Direkt, spricht als Referenten bei der Fachkonferenz “Datenschutz in der Assekuranz” der Versicherungsforen Leipzig zum Widerspruch von Big Data und Datenschutz. (Quelle: Privat)

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