Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

Makler begegnen der GDV-Cloud mit Skepsis

22.04.2016 – podium_vematagung_baIn der dritten Welle der Digitalisierung wollen die Versicherer hin zu einer automatisierten Versicherungs-Welt. “Wir müssen radikaler denken. Da genügt ein Blick auf den Buchmarkt“, sagt Stephan Schinnenburg auf den Vema-Tagen in Fulda. Der Vertriebsvorstand von Ergo bekräftigt, dass es jetzt mit der Digitalisierung auch bei den Versicherern voran gehen wird. “Wir reden nicht von Sprüngen alle zwölf Jahre, sondern alle drei Jahre werden wir einen Schub bekommen.” Makler sind da skeptisch.

Die Erfahrung mit dem GDV-Standard, der über Jahre nicht vom Fleck kam, steckt den freien Vermittlern noch in den Knochen. Durch die Brancheninitiative Bipro sind nach zwölf Jahren Arbeit jetzt weitgehende Standards für die elektronische Kommunikation zwischen Versicherern und Vermittlern geschaffen. Es hapert allerdings noch bei der Umsetzung. “Das dauert noch, die Systeme der Versicherer geben das noch nicht her“, sagt Vema-Vorstandsvorsitzender Hermann Hübner.

Die Maklergenossenschaft zählt zu den Vorreitern im Prozess der Digitalisierung. Im vergangenen Jahr wickelten die gut 2.300 Makler der Vema knapp 138.000 Deckungsnoten über die Rechner der Genossenschaft dunkel ab. Dunkel bedeutet, ohne händisches Zutun. In diesem Jahr rechnet man mit 160.000 dunklen Deckungsnoten. Für die Makler ist die Digitalisierung von elementarer Bedeutung, denn sie bekommen den Margendruck so direkt zu spüren wie kein anderer Marktteilnehmer.

Viele Versicherer sind nicht mehr in der Lage, so viel wie in der Vergangenheit für den Vertrieb auszugeben. Gleichzeitig werden die Produkte immer komplexer, die behördlichen Anforderungen immer strenger, der Aufwand bei Beratung und vor allem im Back-Office immer größer. “Die EDV ist unser Nervensystem”, sagt der Mannheimer Versicherungsmakler Karl-Ulrich Bürkle. Die Involvierung des GDV in die Umsetzung der Bipro-Normen über die Trusted German Insurance Cloud stößt bei den Maklern auf Misstrauen. Vema-Vorstand Andreas Brunner warnt davor, dass man jetzt wieder “mit der Postkutsche” unterwegs sein wird. “Die Versichererwelt ist sehr verstaubt in der EDV“, kritisiert der Karlsruher Makler. “Der GDV ist von den technischen Themen zu weit entfernt”, bestätigt Vorstandskollege Hübner.

Dass das lange Festhalten der Versicherer am GDV-Standard ein Fehler war, räumt Ergo-Vorstand Stephan Schinnenburg ein. “Wir haben zu sehr in GDV-Schemen investiert oder in die Ausschließlichkeit.” Anders als beim GDV-Standard sitzen sich Makler, Versicherer und IT-Dienstleister bei Bipro gleichberechtigt gegenüber, ein deutliches Zeichen für die schleichende Machtverschiebung im Versicherungsgeschäft weg von den Versicherern und ihren einst marktbeherrschenden Ausschließlichkeitsorganisationen. “Bipro ist richtig, aber das ist schmerzhaft für die Versicherer”, sagt Schinnenburg.

Bipro-Mitarbeiter Alexander Kern hält die Bedenken der Makler gegenüber der TGIC für unbegründet. “Da liegen Bipro-Normen dahinter. Dadurch gibt es keine Verlangsamung.” Bipro hat mit dem GDV einen Kooperationsvertrag geschlossen. Das soll die Umsetzung der Bipro-Normen in die Praxis beschleunigen. Es hakt derzeit vor allem bei den Versicherern mit ihren großen Belegschaftsapparaten und überalterten IT-Systemen. Nun haben fast alle großen Versicherer zum Teil umwälzende IT-Projekte in Gang gesetzt, von Ergo über Axa bis hin zu Zurich und HDI. Wer sich nicht digitalisiert, wird über kurz oder lang seine Marktstellung verlieren, sind die Manager der Versicherer inzwischen überzeugt.

Die dritte Welle der Digitalisierung hat die Scheu vor solchen Großprojekten jetzt endgültig aus den Köpfen der Manager weggeblasen. “Weil das die Kunden wollen”, sagt Schinnenburg. Selbst hoch individualisierte Sparten werden inzwischen von der Digitalisierungswelle erfasst. “Wir kommen ohne die Normen in der Digitalisierung nicht vom Fleck, selbst in der Industrieversicherung”, ist Schinnenburg überzeugt. Doch bis das in der Praxis auch wirklich funktioniert, wird noch so mancher Projektleiter schlaflose Nächte hinter sich bringen müssen. (ba)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

Abo | Shop | Magazin | Verlag | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten