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Lebensversicherer verlieren Wettbewerbsvorteil

20.06.2016 – martin_ehling_unistgallenImmer mehr Lebensversicherer stellen derzeit aufgrund der niedrigen Zinsen ihr traditionelles Geschäftsmodell der langfristigen Garantien um. Die Folge wird sein, dass die Versicherer im Bereich der Sparprodukte ihren klassischen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Finanzdienstleistern wie Banken, Anlagefonds und Pensionskassen verlieren, stellt Martin Eling von der Universität St. Gallen fest.

“Während Kunden etwa im Bereich der Anlagefonds selbst zwischen einer relativ risikolosen oder einer risikobehafteten Anlage wählen können, setzt die klassische Lebensversicherung weiterhin den Schwerpunkt auf wenig risikobehaftete Assets”, schreibt der Direktor am Institut für Versicherungswirtschaft in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Regulierungsvorschriften im Rahmen von Solvency II hätten die Versicherer daher “wenig Interesse an risikobehafteten Anlagen, welche eine höhere Kapitalunterlegung fordern. Als große Last erweisen sich hier die großen Bücher mit Altpolicen, für die Renditen von zum Teil mehr als vier Prozent erwirtschaftet werden müssen”, betont Ehling.

Insgesamt gehe es also vor allem darum, “wie man die höchste Rendite pro Risikokapitaleinheit erwirtschaftet. Für viele Marktteilnehmer scheint dies im Moment vor allem auf Staatspapiere der Schwellenländer und Unternehmensanleihen zuzutreffen, was in gewissen Bereichen zu einem gewissen Austrocknen der Märkte führt”.

Hinzu kommt der Umstand, dass die Banken angesichts der zunehmenden Digitalisierung gegenüber den Versicherern im Vorteil scheinen. “Mit ihrer Bank treten Kunden mehr als 100-mal im Jahr in Kontakt, mit ihrem Versicherer hingegen weniger als 10-mal. Neben höherer Kontaktfrequenz und etabliertem Vertriebsnetz profitiert der Bankvertrieb
von meist vorhandenen digitalen Fähigkeiten und Plattformen”, betonen Sylvain Johansson, Simon Kaesler und Andreas Waschto von der Unternehmensberatung McKinsey gegenüber der Versicherungswirtschaft (siehe DOSSIER).

“Allerdings ist das Wissen rund um Versicherungsthemen oft weniger ausgeprägt, und die Anreizsysteme sind weniger effizient. Dennoch dürften ambitionierte Bankvertriebe zu den Gewinnern im neuen Umfeld gehören, wenn sie ihre Vorteile geschickt ausspielen und eine integrierte Multi-Access-Strategien vorantreiben – insbesondere hinsichtlich Kundenansprache und Lead-Generierung für Up- und Cross-Selling”, betonen die Experten. (vwh/td)

Expert: Lebensversicherer in prekärer Lage. (Einzelbeitrag)

Bild: Martin Eling, Direktor am Institut für Versicherungswirtschaft an der Universität St. Gallen (Quelle: redRobin)

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