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“Kunden vertrauen einem blind”

22.06.2015 – Horvat_ValueSelbst hoch ausgebildete Privatkunden entpuppen sich nicht selten als Nachhilfeschüler, wenn es um die Finanzen geht. Der Honorarberater Davor Horvat sieht seinen Job auch ein stückweit als Aufklärung. Erst wenn Kunden verstehen, warum 2.000 Euro für Beratung gut ausgegebenes Geld sind, beginnt sein Geschäft.

„Spekulieren Sie noch oder investieren Sie bereits?“ heißt es in einem Prospekt der Honorarfinanz AG. Das 2013 gegründete Unternehmen bietet Honorarberatung an. Zielgruppe: Vermögende Privatkunden, die mindestens 100.000 Euro anlegen möchten.

Davor Horvats Ansatz folgt dem Grundsatz „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Er gibt grundsätzlich keine Prognosen, weil „Kapitalmärkte nachweislich nicht vorhersehbar sind“, sagt der 42-jährige Finanzwirt. Exchange Traded Funds sind deshalb das Herzstück seiner Anlagestrategie. Sie bilden ganz stur einen Index ab, ohne den Anspruch zu erheben, es besser zu wissen als der Markt. Weil sie an der Börse gehandelt werden, sind auch die Transaktionskosten gering. „90 Prozent der Kunden kennen ETFs nicht“, berichtet Horvat. Insofern sieht er seine Arbeit als Aufklärer über Risiken und Renditen. Für eine vollständige Analyse verlangt er 1.500 bis 2.000 Euro, doch das Erstgespräch ist kostenlos.

Horvat ist als Makler, Finanzvermittler und Immobilienmakler registriert. Aber seine Kunden verfügen vielfach über Finanzprodukte, zu denen ein Finanzanlageberater nicht beraten darf. Deshalb strebte er den Status des Honoraranlageberaters an. Der darf zu allen Finanzprodukten etwas sagen. Das Berufsbild wurde im August nach 2014 nach Forderungen der SPD und Grünen geschaffen. Derzeit sind 15 Unternehmen bei der Bafin als Honoraranlageberater registriert, darunter auch Cortal Consors.

Horvat will expandieren und jährlich zehn Berater für sein Franchise-Modell gewinnen. Er glaubt, die Attraktivität der Honorarberatung wird durch den Druck auf die Lebensversicherer zunehmen. „Es herrscht bei Banken nach wie vor große Unzufriedenheit bei den Beratern“, berichtet Horvat. „Die Berater leiden untern den dem Vertriebsdruck. Ich sehe da keine Veränderung.“ Seiner Einschätzung nach stecken die Versicherer mit ihren Bemühungen um ganzheitliche Beratung noch in den Kinderschuhen. „Man kann als Versicherungsmann nicht gleichzeitig über den Kapitalmarkt beraten. Man geht mit viel Halbwissen an die Sache. Dadurch entstehen Schäden“, merkt Horvat an. Auch beim Hantieren mit ETFs sei Vorsicht geboten. „Wenn Sie ETFs nicht professionell managen, dann fliegt Ihnen das um die Ohren.“ (dg)

Bild: Honorarberater Davor Horvat aus Karlsruhe. (Quelle: Value)

bestellen_vwhInterview: „Kunden vertrauen einem blind“ Honorarberater Davor Horvat in dern neuen Ausgabe der Value – Das Beratermagazin über Anlagestrategien und seinen Berufsbild. (Einzelbeitrag 3,81 €).

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