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“Keine Grund, vor Fintechs Angst zu haben”

20.10.2015 – mark_ortmann_itaSogenannte Fintechs-Unternehmen mischen gerade erfolgreich den Versicherungsmarkt auf. Mit modernster Technik wollen sie der jungen Generation wieder Versicherungen zugänglich machen. Keinen Grund also, vor ihnen Angst zu haben, sagt Mark Ortmann, Geschäftsführer und Miteigentümer des Instituts für Transparenz, im Exklusiv-Interview mit VWheute.

VWheute: Sie sagen, dass ein intransparenter Markt nicht funktionieren kann. Wie sehen Sie das für die Versicherungswirtschaft?

Mark Ortmann: Die Branche ist, was die Transparenz der Produkte angeht, schon ein kleines Stück vorangekommen, aber bei weitem noch nicht am Ziel. Einige Unternehmen haben das Thema erkannt und nehmen es sehr ernst. Andere wiederum glauben, dass sie bei zu großer Transparenz ihr Geschäft verlieren könnten. Das halte ich allerdings für eine völlige Fehleinschätzung. Wesentlicher Grund für diese Einstellung ist das bestehende Vertriebssystem. Die Vertriebe werden sehr gut bezahlt, und der Kunde soll nicht das Gefühl haben, dass von seinen Beiträgen zu viel abgezweigt wird für Provisionen und Incentives.

VWheute: Alle reden von Digitalisierung. Ist die Branche schon auf einem guten Weg?

Mark Ortmann: Bewerte ich die gesamte Versicherungswirtschaft, stehen wir erst am Anfang der Digitalisierung. Einige Unternehmen haben das inzwischen erkannt und investieren erhebliche Summen in die neue Welt. Andere wachen erst langsam auf. Sie bemerken inzwischen, dass völlig neue Unternehmen, sogenannte Fintechs auf den Markt gekommen sind. Deren Geschäftsmodelle basieren auf modernster Technologie, die vor allem die junge Generation anspricht (siehe DOSSIER).

VWheute: Sie haben 18 deutsche Fintechs-Unternehmen mit Versicherungsangeboten untersucht. Droht den etablierten Gesellschaften durch diese Start-Ups ernsthafte Konkurrenz?

Mark Ortmann: Es gibt keinen Grund, vor den Fintechs Angst zu haben. Ich sehe diese Unternehmen eher als Bereicherung für die Branche. Junge Leute werden zum Beispiel durch klassische Versicherer überhaupt nicht mehr erreicht und wollen mit Versicherungen gar nichts zu tun haben. Fintechs dagegen konzentrieren sich auf die junge Generation und öffnen auf diese Art und Weise den Weg für Versicherungen. Am Ende der Kette kommen wiederum die Versicherungsgesellschaften als Risikoträger ins Spiel. Wichtig ist und bleibt es, die “Generation Smartphone” zielgerecht und modern anzusprechen.

VWheute: Wird es auch Verlierer geben?

Mark Ortmann: Verlierer werden die Vertriebler sein, die sich weigern, sich mit den modernen Medien auseinander zu setzen. Die verschiedenen Vertriebswege dagegen wird es auch weiterhin geben. Ich gehe davon aus, dass der Direktvertrieb sogar zunimmt. Wer aber keine Lösungen anbietet für Zielgruppen, die das wollen, wird Kunden verlieren.

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Bild: Mark Ortmann, Geschäftsführer und Miteigentümer des Instituts für Transparenz. (Quelle: ITA)

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