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BVK-Chef: “Finger weg von unserem Berufsstand”

22.05.2015 – heinz-150“Nebelkerzenpolitik”, wirft BVK-Chef Michael H. Heinz Versicherern vor, die im Nachgang des LVRG Produkte kreieren und “Ferkeleien für Vermittler in dem Bereich der Produktbeschreibung verstecken, den keiner mehr liest.” Zum Auftakt der Jahreshauptversammlung zieht er im Interview mit VWheute eine eher durchwachsene Bilanz zum LVRG und kündigt an, mit dem Verband selbständig das ramponierte Image der Vermittler aufpolieren zu wollen.

VWheute: Ein Jahr LVRG – Sind Versicherer noch verlässliche Partner?

Michael H. Heinz: Es wäre fahrlässig, die Frage mit ‘Nein’ zu beantworten und würde der Sache auch nicht gerecht. Der Markt erscheint uns derzeit dreigeteilt. Ein Drittel der Versicherer versucht partnerschaftlich mit uns die Herausforderungen anzugehen, ein weiteres Drittel hat aktuell noch keine konkreten Vertriebsmaßnahmen angekündigt und ein Drittel schließlich pusht gnadenlos neue Vertragsbedingungen. Manche Versicherer besitzen hier gar die Frechheit und drücken Courtagen und Provisionen mit der Begründung, ‘wir würden ja gerne weiter mehr bezahlen, aber die Politik schreibt uns das vor’.

Hier werden mitunter neue Vergütungsbestimmungen in Produktbeschreibungen versteckt. Doch mit derartiger Nebelkerzenpolitik ist es noch nicht getan: mitunter wurde uns gemeldet, dass neue Courtagebestimmungen schon beim Anklicken der entsprechenden Website als angenommen galten.

Die Guten aus der Ausschließlichkeit kündigen und machen sich als Makler selbständig, eine Entwicklung, die dem BVK aktuell einen Mitgliederzuwachs beschert. Rette sich, wer kann, lautet hier die Devise, auch vor dem Hintergrund, dass immer mehr Produkte den Vorsorgemarkt nicht gerade übersichtlicher machen.

Wenn alle partnerschaftlich zusammengearbeitet hätten – GDV, Versicherer und Verbände wie der BVK, wäre das LVRG ein wunderbares Thema gewesen.

VWheute: Wie wollen Sie Ihren Kampf hier weiterführen?

Michael H. Heinz: Wir werden nicht müde, uns in Berlin für unsere 40.000 Mitglieder einzusetzen. Denn die schwarzen Schafe sitzen nicht bei uns. Wir müssen nur immer ausbaden, was uns von anderen eingebrockt wird. Ich möchte nur an das schnell beschlossene Gesetz in der PKV erinnern, zu Lasten Dritter, nämlich uns ehrbaren Vermittlern. Dass es hier keine Provisionsvorschüsse mehr gibt haben wir der MEG in Kassel zu verdanken. Wir werden außerdem in unserem Hauptstadtklub Gespräche mit Versicherern führen, die sich schriftlich zu unseren Werten bekennen – dann aber außerhalb des Protokolls und jeglicher Öffentlichkeit. Nur so können wir dann Tacheles reden. Es geht hier um eigenständige Gespräche ohne die Hierarchien des GDV in Anspruch zu nehmen. Wir werden auch eine bundesweite Medienoffensive für den redlichen Vermittler starten.

VWheute: Der komplette Markt befindet sich im Umbruch. Manch einer sieht schon die Robotervermittler kommen. Geht es Ihnen nur noch um kurzzeitig lebenserhaltende Maßnahmen für einen im Sterben liegenden Berufsstand?

Michael H. Heinz: Keineswegs. All die Prozesse in Richtung Digitalisierung sind gut. Aber am Ende des Tages wollen Menschen mit Menschen kommunizieren. Ein gesunder Mix wird entscheidend sein. Wir reden hier nicht über eine Haftpflichtpolice, die sie mal eben so aus dem Automaten ziehen. Allerdings müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Es muss Waffengleichheit herrschen. Machen Sie sich hier auf etwas Überraschendes gefasst. Der BVK wird sich hier bald konkret und überraschend positionieren.

Man muss auch die Frage stellen, ob das Modell des gebundenen Vermittlers noch zukunftsfähig ist. Versicherer wollen aber hier nicht exklusive Partnerschaften eingehen und dann Offenheit für weitere Produkte zulassen. An dieser Stelle plädiere ich für eine Diskussion jenseits von jeglichem ideologischen Blödsinn. Wir vom BVK sind offen, keine Verweigerer. Von mir aus kann es auch in Richtung Nettotarife mit Beratungshonoraren gehen.

Wir plädieren für das, was wir vor 50, 60 Jahren hatten: Gut ausgebildete ehrbare Kaufleute mit viel Eigeninitiative. Und dafür, dass die Politik ein Stück weit die Finger von einem Berufsstand lässt. Die Leute werden hier zu Unrecht kirre gemacht.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: BVK-Chef Michael H. Heinz erörtert heute bei der BVK-Jahreshauptversammlung mit Experten, inwiefern Versicherer nach einem Jahr LVRG noch verlässliche Partner sind. (Quelle: BVK)

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