VALUE. Das Beratermagazin
Montag
25.07.2016
          Mobilversion

 

Großbaustelle Versicherungsvermittlung

26.05.2014 – archangeli-heinz-150Vermittler können künftig nur mit einem neuen Selbstverständnis, das von Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein eines Unternehmers und Ehrbaren Kaufmanns getragen ist, erfolgreich tätig werden, ist der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) überzeugt. Daher warb er während seiner Jahreshauptversammlung am 22. Mai mit einem Leitantrag für ein grundsätzlich neues Berufsbild.

„Schneller, weiter, höher – mit diesem Herangehen können wir als Vermittler künftig keinen Blumentopf mehr gewinnen“, begründete Präsident Michael H. Heinz den Antrag des BVK-Präsidiums. Der gesamte Berufsstand befinde sich inmitten einer Großbaustelle, die Probleme ließen sich nicht auf herkömmliche Weise lösen. Die „Sinnfrage“ erfordere neue Antworten, wobei auch der BVK heute nicht sagen könne, wohin dies führen werde. „So weitermachen wie bisher und sagen, wir wollen das alles nicht, ist kein Ausweg“, mahnte er an und versprach, als Leitverband der Vermittlerschaft die Veränderungen kritisch und konsequent zu begleiten.

Wichtigste Säule des neuen Verständnisses sollen die Prinzipien des Ehrbaren Kaufmanns sein, wie sie der BVK schon seit geraumer Zeit vertritt. Daneben sollen die Verpflichtung zur regelmäßigen Weiterbildung sowie die eigenständige und selbstbewusste Führung des Vermittlerbetriebes Kernpunkte des neuen Berufsbildes sein – unabhängig vom Status und der Art der Vergütung der Vermittler. Der BVK werde gemeinsam mit den Vertretervereinigungen seine Mitglieder dabei unterstützen, mit ihren Geschäftspartnern aus der Versicherungswirtschaft auf Augenhöhe zu verhandeln sowie in der Überzeugung stärken, dass es keine gesetzgeberischen Eingriffe wie Provisionsdeckel und verlängerte Stornohaftzeiten geben dürfe. „Wir rechnen mit Widerstand aus der Branche, weil Veränderungen dieser Art oft nicht gewollt sind. Aber wir sehen keine Alternative“, begründete Heinz. Daher werde man versuchen sich Verbündete unter den Versicherern zu suchen, da man neben unterschiedlichen auch gemeinsame Interessen bzw. Problemlagen sehe, wie das Wegbrechen des Lebensgeschäfts durch den niedrigen Zins, die Demografie und insgesamt die gegenwärtige Unattraktivität des Berufs. Vor allem die mittelständischen Versicherer würden unter dem gegenwärtigen harten Wettbewerb leiden, der teilweise „unterhalb der Gürtellinie“ geführt werde.

Obwohl sich der BVK auf seiner Jahreshauptversammlung eindeutig zu Provision und Courtage als Leitvergütung bekannte, wie Heinz unterstrich, leide vor allem die Ausschließlichkeit darunter, dass die Versicherer „unbotmäßig einseitig“ die Kostenlast auf ihre Vermittler abwälze und sie mit einer Vertriebssteuerung gängele, die weder gesetzlich noch vertraglich legitimiert sei. Insgesamt sei die Exklusivität in der Vermittlung immer mehr durch parallele Produktwelten für Banken, Strukturvertriebe und zunehmend das Internet gefährdet. Was die Honorarberatung betrifft, so habe man nicht grundsätzlich etwas dagegen, wenn der Zugang dazu für alle Vermittler gleichermaßen gegeben sei – was derzeit vor allem mit Blick auf die Ausschließlichkeit nicht der Fall ist. Zudem gab er erneut zu bedenken, dass vor allem die Altersvorsorge der Bevölkerung ohne aktive Beratung und Vermittlung weiter rückläufig sein werde. „Es braucht oft zwei bis drei Gespräche, ehe Kunden überhaupt bereit sind darüber nachzudenken“, ergänzte Gerald Archangeli, BVK-Vizepräsident und Ergo-Vermittler. Dafür müsse es eine neue Art der Vergütung geben. Was Bestrebungen zur Provisionsbegrenzung in der Lebensversicherung betrifft, verbat er sich eine Einmischung der Politik. Viele BVK-Mitglieder wären davon allerdings gar nicht betroffen. „Viel schlimmer wäre eine Verlängerung der Stornohaftzeit. Das würde ein absolut unkalkulierbares Risiko für die Betriebe darstellen, da Kunden aus unterschiedlichen Gründen ihre Lebensversicherung kündigen, auf die Vermittler keinen Einfluss und die sie auch nicht zu verantworten haben“,  wetterte er. (epo)

Bild: Gerald Archangeli, BVK-Vizepräsident (li.) und BVK-Präsident Michael H. Heinz fürchten die Stornohaftung mehr als den Provisionsdeckel. (Quelle: epo)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

Abo | Shop | Magazin | Verlag | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten