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Geplante “bAV-Reform ist unverantwortlich”

26.01.2015 – Berndt_StuttgarterDer Reformentwurf der Bundesregierung zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV) stößt Ralf Berndt, Vertriebsvorstand der Stuttgarter Lebensversicherung, auf erhebliche Kritik. So wäre diese der “nächste Sündenfall” der Regierung, sollten die Pläne so umgesetzt werden. Im Interview mit VWheute begründet Berndt seine kritische Haltung gegenüber den Reformplänen und skizziert Alternativvorschläge.

VWheute: Das Bundessozialministerium arbeitet derzeit an einem Entwurf zur Reform der Betriebsrente. Danach soll ein eigenes zweites Bein der bAV geschaffen werden, um die Attraktivität der bAV zu stärken. Diese sogenannte “Nahles-bAV” soll ausschließlich in Form von Pensionskassen und Pensionsfonds organisiert werden. Die Versicherungswirtschaft würde draußen bleiben. Ist das nachvollziehbar?

Ralf Berndt: Das ist nicht nachvollziehbar. Ein solcher Schritt wäre der nächste “Sündenfall” der Regierung, wie der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger, das Rentenpaket der großen Koalition genannt hat. Das bisherige System der bAV in Deutschland hat sich bewährt. Nach dem Fall der Lehman Bank 2009 und der daraus folgenden Finanzkrise waren die Betriebsrenten in Deutschland zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Sie waren sicher, im Gegensatz zu den Renten in den angelsächsischen Staaten.

VWheute: Was ist Ihre Empfehlung an den Gesetzgeber, um die bAV weiter zu stärken?

Ralf Berndt: Zunächst einmal ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass schon 60 Prozent aller Beschäftigten eine bAV besitzen. Das bestehende System ist eine Erfolgsgeschichte. Wir brauchen also kein neues, um die bAV attraktiver zu machen. Wir müssen nur die bestehenden Modelle vereinfachen und die bürokratischen Hürden abbauen. Um die Verbreitung der bAV gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) zu erhöhen, fordern wir an erster Stelle die Einführung freiwilliger Opting-out-Modelle.

VWheute: Was halten Sie von einem Zwang der Arbeitgeber zur bAV, also einer obligatorischen Betriebsrente?

Ralf Berndt: Eine gesetzliche Pflicht zur Einführung lehnen wir strikt ab. Der Aufwand für eine bAV muss grundsätzlich immer aus den Unternehmen heraus erwirtschaftet und getragen werden. Insofern können, wie bei allen sonstigen Vergütungen auch, nur die Arbeits- bzw. Tarifvertragsparteien darüber entscheiden, ob und in welchem Umfang dies möglich ist. Bei einer gesetzlichen Pflicht kämen außerdem zusätzliche Belastungen durch die Bürokratie hinzu. Eine obligatorische Betriebsrente würde also den Aufwand erhöhen, statt ihn zu verringern.

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft (2/15).

Bild: Ralf Berndt (Quelle: Stuttgarter Lebensversicherung)

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