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30.07.2016
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Gegen Fast Food-Beliebigkeitsware bei Maklerpools

30.07.2014 – PradettoOliver Pradetto, Geschäftsführer des Lübecker Maklerpools blau direkt, nimmt kein Blatt vor den Mund. Offensiv spricht er die Vorzüge seiner Branche, aber auch die vielfältigen Probleme an. Eine wesentliche Forderung an seine Konkurrenten betrifft die Sicherstellung der bedingungslosen Rückübertragung ihrer Bestände an die Makler. Diese Maßnahme werde als Brandschneise zum Schutz des Gesamtmarktes gebraucht, erklärt er im Gespräch mit VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

“Offiziell posaunen natürlich alle, dass sie blendend aufgestellt sind. Diejenigen, die ihr Unternehmen scheibchenweise verkaufen, Mitarbeiter abstoßen und schrumpfende Gewinne hinnehmen, grölen noch am lautesten. Sie können das daran ablesen, wie persönlich beleidigt viele reagieren, wenn ich das öffentlich ausspreche”, erläutert Oliver Pradetto den scharfen Wettbewerb in der Maklerpool-Branche. “Tatsächlich haben die meisten ein Geschäftsmodell, das dem von Marktführer Fondsfinanz ähnelt – nur eben kleiner und schlechter. Das konnte nur so lange gut gehen, bis das Marketing der Münchener sich bei jedem Makler ausreichend bekannt gemacht hat. Jetzt haben die Münchener eine finanzielle und personelle Übermacht, mit der sie ihren Wettbewerb zunehmend an die Wand drücken. Dabei wäre es so einfach, den Münchenern ein schlagfähiges Konzept entgegen zu stellen. Es gibt genug Makler die mehr erwarten als eine 0/8/15-Einreichmöglichkeit. So lange wir als blau direkt uns auf diese Partner konzentrieren, können wir der Fast Food-Beliebigkeitsware exklusive Qualität entgegensetzen.”

VWheute: Warum wird es schwerer, Makler an Pools zu binden?

Pradetto: Das wird immer leichter. Der Vernichtungswettbewerb unter den Pools kennt zwar rein zahlenmäßig mehr Verlierer als Gewinner. Der Marktanteil der Pools im Ganzen steigt aber unaufhörlich. Effizientes Arbeiten ist nur noch arbeitsteilig möglich. Als Makler kannst du daher in einen Vertrieb zurückkehren, oder du bewahrst deine Unabhängigkeit und machst dir einen Pool-Dienstleister zu nutze.

VWheute: Stichwort Bestandssicherheit – Warum wird das Thema immer wichtiger?

Pradetto: Für den einzelnen war das schon immer enorm wichtig, nur dass Makler sich beim Kampf um ihr tägliches Brot früher zu wenig auf die langfristige Wertschöpfung ihres Unternehmens konzentriert haben. Hier sehen wir mit dem Ausscheiden schwächerer Makler einen Qualitätszuwachs im Markt, der sich zunehmend kaufmännisch professionell aufstellt. Anders als früher gewinnt das Thema jedoch für den Gesamtmarkt an Bedeutung. Sollten LVRG und andere Regularien zunehmend Vermittler eliminieren, hat das Rückwirkung auf die multiplizierenden Pools. Wenn ein paar große Pools kollabieren, verlieren zahlreiche Makler zusätzlich Bestände. Wer bis dahin in der Lage war die Veränderungen zu überstehen, könnte dadurch den finalen Schlag erhalten. Weitere Vermittler scheiden dann aus, weitere Pools kollabieren, und schließlich erreicht es Versicherer. Da sind Domino-Effekte denkbar, die katastrophal wirken könnten. Deshalb ist es so wichtig, dass Pools jetzt endlich die bedingungslose Rückübertragung ihrer Bestände an Makler sicherstellen. Wir brauchen diese Maßnahme als Brandschneise zum Schutz des Gesamtmarktes. Ich hoffe daher, dass sich zahlreiche Pools und Versicherer dieses Themas bewusst werden und sich der Initiative von blau direkt ebenso anschließen wie Fondsfinanz mit seinem neuen Konzept.

Lesen Sie im dritten Teil des Interviews die Ansätze Oliver Pradettos zur Honorarberatung.

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