Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 
- Anzeige -

EZB-Politik spiegelt sich in Marktumfeld wider

15.04.2016 – thomas_timmermann_commerzbank“Die Politik der Europäischen Zentralbank spiegelt sich in einem Marktumfeld mit dauerhaft niedrigen Zinsen wider”, erklärt Thomas Timmermann, Leiter Asset Management in Commerzbank Corporates & Markets EMC, im Interview mit VWheute. Die erforderlichen Zielrenditen von Versicherungen lassen sich daher aus seiner Sicht nur schwer erwirtschaften.

VWheute: Was sind die Investmenttrends 2016? Welche langfristigen und kurzfristigen Hits sehen Sie?

Thomas Timmermann: Alternative UCITS Fonds sind zunehmend gefragt, zum Beispiel auf Währungen, Rohstoffe oder auch marktneutrale Strategien. Bei Aktienstrategien stehen Dividenden-Titel zurzeit im Fokus der Anleger. Darüber hinaus erfreuen sich Multi-Asset-Fonds, eine Weiterentwicklung der früher sehr beliebten Mischfonds, weiterhin großer Beliebtheit, auch aufgrund ihrer dynamischen Steuerung der Aktienquote. Multi-Asset-Fonds werden zunehmend auch mit ETFs bestückt. Denn nach wie vor ist die Asset Allocation, also die Aufteilung eines angelegten Vermögens, die Königsdisziplin beim investieren. Und dabei können börsengehandelte Investmentfonds sehr komfortabel und passgenau helfen.

VWheute: Welche Anlagen sollten Vermittler jetzt vor allen Dingen für ihre Kunden auf dem Tableau haben?

Thomas Timmermann: Grundsätzlich sollten gute aktiv gemanagte Fonds ihr Leistungsversprechen erfüllen und dabei zugleich die Kostenbelastung für Endkunden im Auge behalten. Dabei kommt dem sogenannten Active Share eine wesentliche Bedeutung zu. Mit anderen Worten: Ein aktiver Fonds sollte deutlich von einer Benchmark abweichen. Andernfalls sind ETFs aufgrund ihrer Kostenvorteile die bessere Empfehlung. Denn letztendlich darf nicht vergessen werden, dass jeder Euro an Kosten stets durch zusätzliche Performance des jeweiligen Anlageproduktes wieder reingeholt werden muss. Im Speziellen sollten Vermittler globale Aktienstrategien oder Total Return orientierte Multi-Asset-Strategien im Auge behalten. Also Anlageprodukte, die entweder global diversifiziert sind oder auf eine stetige Rendite bei einem vergleichsweise geringen Risiko fokussieren.

VWheute: Wo sehen Sie speziell für institutionelle Investoren wie Versicherer Chancen?

Thomas Timmermann: Chancen liegen beispielsweise in risikoadjustierten Aktienstrategien: Durch Zinsniveaus nahe Null lassen sich erforderliche Zielrenditen von Versicherungen meist nur schwer erwirtschaften. In Konsequenz müssen Rentenallokationen zwangsläufig reduziert und durch höhere Aktienquoten ergänzt werden. Um die Risikokennzahlen des Rücklagevermögens dabei jedoch möglichst unverändert zu lassen, sollte eine sehr aktive Steuerung der Aktiengewichtungen und Risiken erfolgen. Durch die Anwendung von dynamischen Risiko Overlay Strategien lassen sich Aktienpositionen in vergleichsweise kurzer Zeit und zu überschaubaren Kosten sichern.

Darüber hinaus können Optionsstrategien einen positiven Einfluss auf Portfolioerträge haben, zum Beispiel marktneutrale Varianten, die weitgehend losgelöst von steigenden oder fallenden Märkten stabile Renditen generieren können. Aufgrund dieser Eigenschaft sind solche Strategien bei institutionellen Investoren zunehmend gefragt. Denn mit ihnen lassen sich negative Fälligkeitsrenditen bei Rentenpositionen umgehen oder Verluste vermeiden, die aus stärkeren Bewegungen am Zinsmarkt resultieren. Zugleich können sie für mehr Stabilität bei besonders rentenlastigen Portfolios Sorge tragen und höhere Erträge generieren.

VWheute: Welches weitere Ungemach fürchten Sie von der EZB und was ergibt sich daraus für Anlagestrategien?

Thomas Timmermann: Die Politik der Europäischen Zentralbank spiegelt sich in einem Marktumfeld mit dauerhaft niedrigen Zinsen wider. So zeigen viele klassische und konservative Anlagen, die vor Jahren noch ordentliche Renditen versprachen, heute reale Verluste. Mit Blick auf Anlagestrategien bedeutet dieses, dass einfache Renteninvestments vielfach durch renditestärkere Anlagen ergänzt oder diversifiziert werden müssen. Mit der reinen Beimischung von Anlageklassen ist es allerdings nicht getan, da Investoren oft begrenzte Risikobudgets haben. Vielmehr ist für eine erfolgreiche Integration weiterer Anlageklassen in die Gesamtstrategie eines Portfolios ein professionelles Risikomanagement unabdingbar, damit auch weiterhin ein attraktives Chance-Risikoverhältnis erhalten bleibt.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Thomas Timmermann ist Leiter Asset Management in Commerzbank Corporates & Markets EMC (Quelle: Commerzbank)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

Abo | Shop | Magazin | Verlag | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten