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Die Bahn steht, die Risiken laufen

06.11.2014 – bahnsteig_gesperrtSeit gestern Nachmittag läuft der längste Streik in der deutschen Bahngeschichte. Die Auswirkungen auf Betriebe und Lieferketten sind noch ungewiss. Reagiert haben allerdings schon die Versicherungsunternehmen und die Leistungen für Betriebsunterbrechungspolicen erweitert. Das bringt die Räder zwar nicht ins Rollen, hält die Schäden aber in Grenzen.

Eine klassische Sach- und Betriebsunterbrechungsversicherung würde entstehende finanzielle Schäden durch Streik nicht abdecken.

Es gibt jedoch neue Produkte wie die „Non-Damage Business Interruption“-Police von AGCS, die für Rückwirkungsschäden aus Betriebsunterbrechungen auch ohne vorangegangenen Sachschaden aufkommen. Als Auslöser gelten z.B. Streik, Stromausfall oder politische Risiken. Durch die sich in letzter Zeit häufenden Streiks, aber auch die Zunahme politischer Risiken registriert die AGCS, dass Industrieunternehmen sich verstärkt mit solchen neuartigen Betriebsunterbrechungsdeckungen auseinandersetzen. Durch die Globalisierung lässt sich die Betroffenheit immer weniger eingrenzen.

“In vielen Branchen nimmt der Anteil der eigenen Wertschöpfung ab. Die Zahl der externen Lieferanten steigt – und diese kommen heute aus der ganzen Welt. Zudem praktizieren viele Unternehmen Just-in-time-Lieferung und halten selbst nur noch geringe Lagerbestände vor. Fällt ein externer oder auch interner Lieferant aus, kann dies schnell zu Engpässen und schlimmstenfalls zum Stillstand der Produktion führen”, erläutert Volker Münch, Head of Corporate Underwriting im Chief Underwriting Office Property, die Implementierung der weltweiten AGCS-Strategie zu Sachschadenpolicen und zudem verantwortlich für die Entwicklung neuer Versicherungsprodukte in diesem Bereich, allerdings: “Es darf beim betroffenen Versicherungsnehmer kein Ausschluss vorliegen, z.B. im Falle von Japan für Erdbebenschäden. Und als Auslöser legen gängige Deckungskonzepte heute stets einen unmittelbaren Sachschaden fest. Ein solcher liegt jedoch bei vielen Betriebsunterbrechungen gar nicht vor. Denken Sie nur an die Vulkanaschewolke, die den Flugverkehr lahmlegte, oder Stromausfälle oder Streiks. Gegen solche Ausfälle möchten sich aber immer mehr unserer Kunden absichern. Wir haben für diese Nachfrage eine neue Deckung für Betriebsunterbrechungen (BU) ohne Sachschaden entwickelt. Damit geben wir uns als Versicherer auf unbekanntes Terrain.”

Zurich bietet hier eine sogenannte Supply Chain Insurance (SCI) an, welche mit einem ausgedehnten Deckungsspektrum auf Basis einer All-Risk-Police arbeitet.

Der Lösungsansatz der SCI geht über die in Zusammenhang mit der Betriebsunterbrechungsversicherung üblicherweise versicherten Rückwirkungsschäden hinaus. Im Gegensatz dazu ist kein vorausgehender Sach-Substanzschaden erforderlich – auch  erstreckt sich die Deckung üblicherweise auf die gesamte Lieferkette und ist nicht auf den direkten Zulieferer begrenzt.

Das Produkt spricht in Deutschland in erster Linie (produzierende) Unternehmen mit Umsatzgrößen zwischen 300 Mio. Euro und 1,5 Mrd. Euro an –  insbesondere solche, die Güter  mit hohen Margen herstellen. Der Zeichnung einer Police geht zwingend eine intensive und umfangreiche Analyse der Lieferkette voraus, die von Spezialisten ggf. zusammen mit externen Beratern durchgeführt und als separate Dienstleistung in Rechnung gestellt wird. Vergleichbar ist dieser Prozess im weiteren Sinne beispielsweise mit einer Betriebsunterbrechungsanalyse – jedoch ist die SCI-Analyse hier viel tiefer gehend.

Alleinstellungsmerkmal ist ein neu gestalteter Prozess der Schadenabwicklung, bei dem mit Implementierung der Police, also bereits im Vorfeld, die Szenarien und der Umfang der potenziellen Entschädigung in Zusammenarbeit mit dem Kunden definiert und auf ihn abgestimmt und fixiert werden. Ebenso individuell wie die Risiken in den Lieferketten der unterschiedlichen Unternehmen ist auch das Spektrum der Supply Chain Insurance. Insoweit lässt sich auch nur schwer eine allgemeine Aussage zur Prämienhöhe machen, die sich an den zu zeichnenden Limits für die einzelnen Lieferanten orientiert, so die Zurich auf Nachfrage von VWheute.

Und die Axa antwortet auf die Frage, sind Ereignisse wie Streiks, die zu einer Betriebsunterbrechung führen, für Industriekunden versicherbar:

„Wenn der Schuldner seine vertraglich zugesagten Leistungen nicht erbringt, also seinen Vertrag nicht erfüllt und einem Dritten als Folge daraus ein Schaden entsteht, spricht man versicherungstechnisch von einem Erfüllungsschaden. Derartige Erfüllungsschäden sind in der Haftpflichtversicherung generell nicht versichert. Dies gilt auch, wenn z.B. die Bahn aufgrund eines Streiks ihre Beförderungsverpflichtung gar nicht erfüllt. Anders als bei Nichterfüllung verhält es sich, wenn wegen einer mangelnden Ausführung jemand zu Schaden kommt. Derartige Schäden sind durchaus versicherbar.“ (vwh)

Bild: Streikanzeige am Bahngleis. (Quelle: WDR)

Link: Broschüre Managing Disruptions (PDF)

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