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Das “Beutetier” Versicherungsmakler

15.06.2015 – Manager_S. Hofschlaeger_pixelioEin Beitrag von Joachim Jakobs.

Es gilt: Je mehr Daten der Versicherer vom Versicherten hat, desto besser läßt sich die Wahrscheinlichkeit für den Schadensfall kalkulieren. So behaupete stern.de vor Jahren, die “Axa Global Direct Group” nutze das Fahrverhalten und die Preissensibilität ihrer Versicherten sowie 48 weitere Variablen, um Tarife zu berechnen.

Genauso gilt aber auch: Je mehr Daten der Versicherer vom Versicherten hat, desto mehr Daten kann er verlieren – oder sich von Kriminellen stehlen lassen. Dabei muss nur das Geburtsdatum des Versicherten in falsche Hände geraten, um diesen in massive Schwierigkeiten zu bringen. Eine Erfahrung, die die Journalistin Tina Groll vor Jahren machen musste: Sie hatte für ihre Bewerbung ihr Geburtsdatum auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Name und Geburtsdatum wurden darauf hin benutzt, um auf Grolls Kosten einkaufen zu gehen: Die Ware geht dabei an beliebige Adressen, die die Betrüger mit dem Namen des Opfers beschriften. Die (unbezahlte) Rechnung letztlich per Schufa und Inkassounternehmen an das Opfer. Dadurch leidet dessen Bonität und Dienstleister aller Art sind fix bereit, auch langjährige Vertragsverhältnisse zu kündigen.

Hinzu kommt: Der Gesetzgeber verpflichtet die Versicherungsmakler, ihre Klientel zu identifizieren. Nicht alle Verpflichteten sind jedoch offenbar in der Lage, die Ausweise diebstahlsicher zu verwahren. Davon berichtete eine Frau aus Berlin dem MDR: Bei ihrer Wohnungssuche interessierte sie sich für die Angebote von drei Maklern. Einem dieser Makler wurde nach Vermutung der Staatsanwaltschaft der Ausweis gestohlen. Die Betroffene sagt: “Es ist ein Ebay-Account auf mich angemeldet worden. Es sind Paypal-Konten auf meinen Namen angemeldet worden, Kreditkarten bestellt worden. Es sind Konten eröffnet worden. Es wurde eingekauft in meinem Namen, und die Liste könnte ich unendlich fortsetzen.” Es soll sich um 71 Betrugsversuche handeln. 300 bis 400 Stunden will die Betroffene aufgewandt haben, um ihren Leumund wiederherzustellen.

Ausweiskopien verlangen nach Schutz – egal, ob sie in elektronischer oder analoger Form vorliegen. Wie leicht die Sicherheit eines elektronischen Speichers kompromittiert werden kann, zeigt das Beispiel der (kostenlosen!) Telefonsoftware “Skype”. Die Anwendung liest das Adressbuch aus und überträgt es in die USA. Die Sicherheit der gespeicherten Dateien ist gefährdet. Genauso ist die Sicherheit jeder Hardware in Frage gestellt, die logisch oder physikalisch mit diesem Gerät verknüpft ist. (vwh)

Bildquelle: S. Hofschlaeger / pixelio.de

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