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Das “Amazon” unter den Fintechs

09.06.2016 – johannes_cremer_provat“Wir verstehen uns nicht als Verkäufer, sondern als Plattform, also als Dienstleister, ähnlich wie Amazon. Unser Ziel ist es, möglichst viele Versicherer und Banken mit möglichst vielen Kunden zusammenzubringen”, sagt Johannes Cremer, Geschäftsführer des Fintechs Moneymeets, im Exklusivinterview mit VWheute. Das Ziel: “Möglichst viele Versicherer und Banken mit möglichst vielen Kunden zusammenzubringen”.

VWheute: Herr Cremer, sie betreiben jetzt seit dreieinhalb Jahren die Plattform moneymeets. Wie kam es damals zur Gründung?

Johannes Cremer: Dieter Fromm und ich haben wollten eine Möglichkeit schaffen, dass Kunden sich einen Überblick über ihre Finanzen zu verschaffen, also über sämtliche Konten, Depots und Versicherungen. In der Praxis sieht es doch oftmals so aus, dass viele Verbraucher einen oder sogar mehrere Versicherungs- und Bankordner haben, vielleicht eine Übersicht in Form einer Excel-Tabelle. Aber sehr viele wissen eben nicht genau, wogegen sie eigentlich versichert sind und wo wieviel Geld liegt. Genau diesen Überblick wünschen sich jedoch viele Menschen, wissen allerdings nicht, wie sie es machen und vor allem wie sie es aktuell halten sollen. Genau da setzt moneymeets an.

VWheute: Und wie genau?

Johannes Cremer: Wir bieten Kunden eine Plattform, auf der sie digital alle ihre Verträge zusammenführen können. Sie haben also mit einem Klick ihre gesamten Finanzen im Blick. Dazu kommt, dass wir auf Wunsch und mit Einverständnis des Kunden aktuelle Bankdaten einholen und die Daten somit stets auf dem aktuellen Stand sind. Mit acht Banken haben wir bereits direkte Schnittstellen, von allen anderen Banken bekommen wir die Daten auf Anfrage. Auf der Versicherungsseite arbeiten wir mit allen renommierten Gesellschaften zusammen.

VWheute: Wer sind Ihre Kunden?

Johannes Cremer: Meistens Menschen mit mittleren Vermögen ab 50.000 Euro und sehr vielen Verträgen. Wir haben Kunden, die sind mit bis zu 30 Verträgen zu uns gekommen. Und an der Stelle kommt dann eine weitere Dienstleistung von moneymeets ins Spiel: die Optimierung bestehender Portfolios. Es geht dann darum, dass sich Kunden mit dem neu erworbenen Wissen über ihre Versicherungs- und Finanzsituation dafür entscheiden, etwas zu optimieren. Dazu ist es wichtig, dass sie ihre unterschiedlichen Finanzen clustern können: Hier sind die Altersvorsorgeprodukte, hier die Absicherung der Arbeitskraft, dort Risikoversicherungen und schließlich die Vermögensbildung. Gegenwärtig arbeiten wir gemeinsam mit der WHU an einem geförderten Forschungsprojekt, das genau in diese Richtung geht: Wie funktioniert digitale Finanzberatung? Dieser Bereich wollen wir stark ausbauen.

VWheute: Wenn Sie also gemeinsam mit dem Kunden eine Übersicht geschaffen und Optimierungsmöglichkeiten aufgezeigt haben: Wie geht es dann weiter?

Johannes Cremer: Dann bieten wir ihm – zum Teil jetzt schon, in Zukunft noch mehr – konkrete Lösungen an. Im Versicherungsbereich von uns überprüfte Produkte, im Bankbereich anhand von Musterdepots, an denen sich der Kunde orientieren kann. Zum Teil erlauben uns Kunden ihr Depot zu veröffentlichen, so dass sich andere Kunden daran orientieren können. Rund einhundert solcher Referenzdepots von Kunden stehen schon online. Darüber veröffentlichen wir auch Anlagestrategien von Profis. Der Kunde kann dann filtern, ob er lieber ein sicheres oder ein riskantes Depot möchte und bekommt entsprechende Vorschläge angezeigt.

VWheute: Das hört sich alles sehr nach einer Allfinanz-Strategie ihres Hauses an. Ist der Gedanke nicht eigentlich gescheitert?

Johannes Cremer: Nicht, wenn man vom Kunden aus denkt. Denn der Kunde will einen Überblick über alle Finanzen, also Allfinanz. Dass es nicht funktioniert hat, lag meines Erachtens an der Herangehensweise der Allfinanz-Anbieter, die die Bedürfnisse des Kunde nicht in den Mittelpunkt gestellt haben, sondern ihre Produkte.

VWheute: Und das machen Sie anders.

Johannes Cremer: Ja, wir verstehen uns nicht als Verkäufer, sondern als Plattform, also als Dienstleister, ähnlich wie Amazon. Unser Ziel ist es, möglichst viele Versicherer und Banken mit möglichst vielen Kunden zusammenzubringen. Unser Service ist das verbindende Element. Je besser unser Service ist, desto mehr Kunden nutzen ihn und desto mehr Optimierungsbedarf besteht. Dass danach auch etwas verkauft wird, ist eine Folge unseres guten Service. Insofern leben wir konsequent den Plattform-Gedanken. Dazu kommt beim Thema, was wir anders machen, dass wir neben dem kostenlosen Basisservice “Übersicht über die finanzielle Situation des Kunden” in der Lage sind unsere Grenzkosten vollständig zu optimieren. Das funktioniert, weil wir nicht selbst produzieren, also zum Beispiel keine Konten bereitstellen müssen, und komplett digital vertreiben (siehe DOSSIER).

VWheute: Welchen Status hat Ihre Firma?

Johannes Cremer: Wir sind als Makler registriert für alle Dienstleistungen, die über die reine Information und Übersichtsgestaltung hinausgehen. Im Übrigen kommen sowohl Dieter Fromm als auch ich beruflich aus dem Finanzdienstleistungsbereich. Wir sind Bankkaufleute und haben beide viele Jahre lang entweder direkt in Banken und Sparkassen gearbeitet oder waren als Berater mit Allfinanzexpertise unterwegs. Insofern wissen wir, wovon wir reden.

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondentin Elke Pohl.

Bild: Johannes Cremer, Geschäftsführer des Fintechs Moneymeets (Quelle: privat)

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