Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Charta-Marktplatz 2014: Streit um Vermittlerqualifikation

07.05.2014 – chartaDie freiwillige Brancheninitiative „Gut beraten“ findet bei Verbraucherschützern wenig Anklang. „Eine bessere Qualifikation der Versicherungsvermittler hilft den Verbrauchern nicht automatisch zu besserem Versicherungsschutz“, sagte Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg während einer Podiumsdiskussion auf dem diesjährigen Marktplatz der Maklervereinigung Charta in Neuss.

Das neue Qualifikationssystem, mit dem die Branche im Vorgriff auf künftiges EU-Recht ihre Vermittler bereits heute weiterbildet, nannte Castelló ein „Ablenkungsmanöver“. Das sei schon die fünfte oder sechste Weiterbildungsinitiative der Branche. Vielfach ginge es bei „Gut beraten“ nicht um Qualifikation, sondern um Verkaufsschulung. Nach Meinung der streitbaren Verbraucherschützerin müsste der Verkauf von der Beratung getrennt werden. „Das ist nur durch eine Honorarberatung möglich“, so Castelló. Selbst schlecht ausgebildete Honorarberater seien für Verbraucher weniger schädlich, als hochqualifizierte Provisionsvermittler. Bei ihnen bestehe die Gefahr, dass vor allem Produkte verkauft würden, für die Versicherer hohe Provisionen zahlen würden. Nach Meinung von Castelló würden Vermittler immer noch keine ausreichende Analyse der wirklichen Risiken in den Haushalten durchführen. „Wir sehen, dass immer noch überwiegend Berufsunfähigkeitsversicherungen mit Kapital- und Rentenversicherungen gekoppelt werden“, so die Verbraucherschützerin.

Mit solchen Behauptungen löste Castelló auf der Charta-Tagung erheblichen Widerspruch aus. „Versicherungsmakler arbeiten so nicht“, sagte ein Charta-Makler. Makler seien dem Kunden verpflichtet und würden ihn auf alle Risiken hinweisen. „Es wird immer Vermittler oder Berater geben, die nur ihre Gewinnmaximierung im Sinn haben“, sagte Ralf Berndt, Mitglied des Vorstandes der Stuttgarter Versicherung. „Qualifizierte Vermittler beraten besser“, so Berndt. Solche Unterschiede in der Person der Vermittler kommen laut Castelló aber bei den Kunden nicht an. „Der Kunde kann nicht zwischen Einfirmenvermittlern, Maklern oder Honorarberater unterscheiden“, so Castelló.

Von Kritik blieb aber auch die Verbraucherschützerin nicht verschont. So ist die Beratungsqualität selbst bei Verbraucherzentralen scheinbar sehr unterschiedlich. Das geht zumindest aus einer Studie hervor, die Matthias Beenken von der Fachhochschule Dortmund erstellt hat. „Nach der Untersuchung hat sich eine Verbraucherzentrale sogar von einem ihrer Berater getrennt“, sagte Beenken. Allgemein wurde kritisiert, dass die Berater von Verbraucherzentralen im Gegensatz zu Versicherungsvermittlern nicht für ihre Empfehlungen haften müssten. Kritik gab es auf der Podiumsdiskussion aber auch von Branchenvertretern an der Initiative „Gut beraten“. So sei der Start im Januar 2014 übereilt gewesen. Erst im April hätte die Weiterbildungsdatenbank ihren Betrieb aufgenommen. Bis dahin wäre es nicht möglich gewesen, Weiterbildungskonten anzulegen. Laut Experte Berndt ist aber die Zielgruppe der Qualifikationsinitiative genau definiert. Derzeit können sich auf freiwilliger Basis Makler, Mehrfachagenten, und mit Manteltarif festangestellter Außendienstmitarbeiter der Versicherer weiterbilden. Der Versicherungsinnendienst sowie Mitarbeiter von Banken und Sparkassen sollen erst mit dem Inkrafttreten der zweiten Vermittlerrichtlinie (IMD2) betroffen sein. Mit dem Gesetz rechnet Berndt bereits in zwei Jahren.  (usk)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

Abo | Shop | Magazin | Verlag | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten