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Wieder verschwindet ein traditionsreicher Name vom Markt

12.05.2014 – Volksfuersorge-LogoEin Kommentar von Wolfgang Otte

Wieder verschwindet ein traditionsreicher Namen vom Versicherungsmarkt. Nach Colonia, Nordstern, Albingia, Hamburg-Mannheimer und Victoria hat es diesmal die Volksfürsorge erwischt.

2009 war das Unternehmen als reiner Vertrieb übriggeblieben, nachdem die Generali Versicherungen aus München mit dem Hamburger Versicherer fusioniert wurden. Seit 1989 hatte ohnehin die Generali Holding Deutschland, vormals die Aachen Münchener Gruppe, das Sagen bei dem von Gewerkschaften und Genossenschaften gegründeten Versicherer. Die Volksfürsorge Vertriebs AG wurde in den ersten Jahren ihrer Tätigkeit mit vielen Lorbeeren überschüttet, zumal die angestellten und auch nebenberuflichen Mitarbeiter den Kulturwechsel halbwegs verkraftet hatten. Die Identität mit „ihrer“ Volksfürsorge war dafür der Garant. Auch Konzernchef Dietmar Meister betonte immer wieder, dass er am Namen Volksfürsorge als „seinem“ Kind festhalten wolle.

Noch Mitte des letzten Jahres feierten sich Führungskräfte, Innendienst-Mitarbeiter sowie die 3.000 Angestellten Außendienstler auf einer Gala-Veranstaltung zum 100-jährigen Jubiläum der Volksfürsorge. Anfang dieses Jahres machten dann Pläne die Runde, dass der Innenvertrieb in den der Münchener Muttergesellschaft eingebunden werden sollte. Dieses Projekt wurde aber nach kurzer Zeit wieder sang- und klanglos beerdigt. Warum wohl? Jetzt kommt der ganz große Schnitt, der deutlich die Handschrift des strategisch denkenden und pragmatisch handelnden Konzern-Lenkers trägt.

Durch die Zusammenführung der einzelnen Vertriebswege Volksfürsorge, 84-er Organisation sowie Makler-, Banken- und Finanzvertrieb der Generali, sollen unter dem Markendach Generali jährlich Kostensynergien von 30 Mio. Euro erzielt werden. Offensichtlich gibt es in allen Vertriebswegen aus Wettbewerbsgründen Nachholbedarf. Dieser geniale Schachzug hat zugleich weitere Vorteile, die auf den ersten Blick gar nicht auffallen. Neben dem Direktvertrieb der Cosmos ruht der Vertrieb der Generali Deutschland noch auf der mächtigen Säule der Deutschen Vermögensberatung. Hier schafft die neue Generali Vertriebs AG eine starke, zusätzliche Vertriebsmacht, lautet eine wohlwollende Formulierung.

Insider bewerten den Relaunch aber auch durchaus als Gegengewicht zu einer sehr eigenständig agierenden DVAG, der es möglich macht, Schwankungen im Geschäftsergebnis des einen oder anderen, auszugleichen. Die Bestellung der Volksfürsorge-Vorstände Bernd Felske (dort bis 9/13), der seit November des letzten Jahres Vertriebsvorstand der Generali Versicherungen ist und das auch bleibt, und seines Kollegen Rainer Andreas Brand, in den Vorstand der neuen Vertriebs AG, spricht für das Fingerspitzengefühl des Konzern-Bosses. Die zwei Vertriebs-Experten kennen ihre Mannschaft mit ihren Sensibilitäten bestens und wissen mit dem richtigen Ton, klar zu machen, dass das Kapitel Volksfürsorge Geschichte ist. Wobei die sogenannte Stammorganisation schon jetzt die Produkte der Generali verkauft.

Ein Problem allerdings bleibt: Angestellter Vertrieb und 84-er verhalten sich zu freien Vertrieben wie Feuer zu Wasser. Die gleichberechtigte Zusammenführung in einer Vertriebs-Gesellschaft hat es in dieser Größenordnung in Deutschland noch nicht gegeben. Es wird viel Überzeugungsarbeit im Unternehmen und bei den Verantwortlichen, aber auch am Markt, zu leisten sein, um das gleichberechtigte Nebeneinander der Vertriebe zu leben, zu beweisen und zwangsläufig auftretenden Spannungen entgegenzuwirken.

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