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“Wichtiger als der Zinsschritt ist der weitere Ausblick”

16.12.2015 – Ostholt_GeneraliLeicht steigende Zinsen in den USA würden auch den deutschen Versicherern helfen, dem Zins-Verfall im Euro-Raum zu begegnen, sagt Ulrich Ostholt, Chief Investment Officer Germany bei der Generali Deutschland. Im Exklusivinterview mit VWheute gibt er seine Einschätzung zur für heute erwarteten Zinsentscheidung der US-Notenbank.

VWheute: Wie wahrscheinlich ist für Sie die Zinswende der Fed?

Ulrich Ostholt: Es wäre eine sehr große Überraschung, wenn die Fed die Zinswende in dieser Woche nicht einleiten würde, denn die konjunkturelle Erholung in den USA ist robust. Dies zeigt sich insbesondere am starken Stellenaufbau auf dem Arbeitsmarkt. Zudem hat die Fed in den vergangenen Wochen die Märkte verbal sehr zielgerichtet auf einen Zinsschritt im Dezember vorbereitet.

Viel wichtiger als der Zinsschritt selbst wird der Ausblick für die weitere Zinspolitik sein: Hier erwarten wir, dass die Fed in ihrem Statement nochmals besonders stark betonen wird, dass weitere Zinserhöhungen sehr graduell und in starker Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Datenlage ausfallen werden.

VWheute: Welche Auswirkungen sehen Sie bei einer Zinswende der Fed für Versicherer?

Ulrich Ostholt: Die deutschen Versicherer sind vor allem vom Zinsumfeld im Euro-Raum abhängig. Da die EZB ihre Geldpolitik nicht gestrafft, sondern zuletzt erneut deutlich gelockert hat, erwarten wir nur begrenzte Auswirkungen auf das europäische Zinsumfeld. Allerdings dürften leicht steigende US-Zinsen dabei helfen, einen weiteren stärkeren Zinsverfall im Euro-Raum weniger wahrscheinlich zu machen.

VWheute: Wie passt die aktuelle Geldpolitik der EZB da noch ins Bild?

Ulrich Ostholt: Die sehr unterschiedliche Ausrichtung der Geldpolitik in den USA ist der deutlich schnelleren wirtschaftlichen Erholung nach der globalen Finanz- und Schuldenkrise geschuldet. Die US-Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren merklich gewachsen – wenngleich weniger dynamisch als in früheren Aufschwüngen. Demgegenüber hat der Euro-Raum bei der Wirtschaftsleistung noch nicht einmal sein Vorkrisenniveau erreicht. Und während in den USA eine allmähliche Normalisierung bei der Inflation im kommenden Jahr erkennbar ist, wird der Preisauftrieb im Euro-Raum vermutlich noch lange deutlich unter der von der EZB angestrebten Marke von leicht unter 2% bleiben. Wir erwarten daher für die kommenden Jahre eine kontinuierliche Öffnung der Zinsschere zwischen den USA und dem Euro-Raum.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Ulrich Ostholt, Chief Investment Officer Germany, Generali Deutschland. (Quelle: Generali)

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