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Vieles passt in der Textilbranche nicht

16.09.2016 – Ron van het Hof CEO_ Euler HermesDie Textilbranche birgt weiterhin große Risiken, das haben die Kreditversicherer Prisma und Euler Hermes in einer Marktanalyse festgestellt – besonders betroffen sind laut der Studie die Einzelhändler. Ursächlich ist der Online-Handel, der weiterhin Marktanteile erobert, sowie der stetig steigende Investitionsbedarf für Textilunternehmen. Aufgrund der schwierigen Lage rechnet Prisma mit weiteren Pleiten, auch in Deutschland.

Marina Machan, Bereichsleiterin für Information & Rating bei Prisma: “Einige textile Einzelhändler hängen am seidenen Faden, das haben auch die jüngsten Ereignisse in Deutschland gezeigt. Durch die geringen Margen ist die Ertragsprognose und Liquiditätsdecke bei manchen Firmen relativ gering und das Ausfallrisiko in einigen Fällen hoch. Es gab heute namhafte Insolvenzen in Deutschland und zudem viele kleinere Pleiten. Insgesamt beobachten wir, dass die Bonität in der Branche im Durchschnitt abnimmt. Das werden deshalb vermutlich nicht die letzten Insolvenzen gewesen sein. Es wird nach unserer Einschätzung auch in der Zukunft das eine oder andere Textilunternehmen geben, das in Schieflage gerät.“

Zuletzt bekamen Unternehmen wie Zero, SinnLeffers, Steilmann, Promod und Wöhrl die neuen Gegebenheiten zu spüren. Ron van het Hof, CEO der DACH-Region bei Euler Hermes hat in einem Artikel bei Xing ein weiteres Problem der Einzelhändler benannt: die Fast-Fashion. Der sich schnell ändernde Modemarkt zwingt Hersteller dazu, immer mehr Kollektionen pro Jahr anzubieten. Die dafür notwendigen schnellen Lieferzeiten sind aus den osteuropäischen Fabriken einfacher und besser zu realisieren als aus Asien. Dadurch ändern sich die Lieferketten und die Unternehmen müssen sich darauf einstellen. Finanzielle Absicherung spielt dabei eine immer größere Rolle.

Insbesondere der Preisdruck durch Bekleidungs-Discounter birgt für viele Textilhändler Gefahren. Auch die Notwendigkeit, eine Multi-Channel-Strategie aufzubauen, ist mit hohen Kosten verbunden. Machan: “Pullis, Bücher, Handys oder Wasserkocher haben eines gemeinsam: Es sind Produkte, die sehr gut vergleichbar sind und wenig beratungsintensiv. Deshalb ist bei Elektronikartikeln, Büchern und eben auch Textilien der Online-Anteil am Umsatz heute schon sehr hoch, während Möbel, Heimwerkerbedarf und Lebensmittel noch überwiegend im stationären Handel gekauft werden. Das Konzept, nur Filialen zu haben und ausschließlich den stationären Handel betreiben zu wollen, ist heute weitestgehend veraltet. Ohne eine Kombination mit einem Internetauftritt haben auch stationäre Händler kaum mehr eine Chance. Das geht heutzutage höchstens noch bei kleinen regionalen Einzelhändlern mit wenigen kleinen Filialen.“

Vor der Notwendigkeit, eine Multi-Channel-Strategie aufzubauen, sind laut Prisma nur wenige Nischenplayer wie beispielsweise Luxuslabels gefeit. Allerdings ist der Internethandel auch keine Garantie für gute Geschäfte, denn zunächst müssten Investitionen und eine Anlaufphase eingeplant werden. Wichtig sind insbesondere die Margen sowie die Finanzdecke: Wer als Unternehmen einen großen finanziellen Spielraum sein Eigen nennt, der kann auch den Wandel vom normalen Textilhändler zum Multi-Channel-Unternehmen meistern. (vwh/mv)

Bild: Ron van het Hof, CEO DACH Euler Hermes. (Quelle: Euler-Hermes)

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