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VGH klagt wegen Hypo Alpe Adria gegen Österreich

21.04.2015 – herrmann-kasten-150Die VGH Versicherungen in Hannover haben beim Verfassungsgericht Klage gegen die österreichische Regierung wegen des Schuldenschnitts der einstigen österreichischen Staatsbank Hypo Alpe Adria und des Wegfalls der Landeshaftung eingereicht. Die öffentlich-rechtliche VGH besitzt Nachrang-Anleihen mit der Haftung des Landes Kärnten in Höhe von 200 Mio. Euro.

Vorstandschef Hermann Kasten bezeichnete das Vorgehen der Österreicher bei der Vorlage der Bilanz als Enteignung und einen in der Nachkriegszeit bislang einmaligen Schritt. Es sei beispiellos, dass sich ein solventes Land wie Österreich aus der Verantwortung stehle. Die VGH hatte die Papiere in den Jahren 2003 bis 2005 erworfen, um Risiken – insbesondere Währungsrisiken – gering zu halten.Wegen der Gewährträgerhaftung sah man ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet. Insgesamt wurden auf das Investment 2014 Wertberichtigungen in Höhe von 40,3 Mio. Euro vorgenommen.

Im vergangenen Jahr hat der Kompositversicherer Landschaftliche Brandkasse, Mutterschiff der Gruppe, seine Marktführerschaft in Niedersachsen ausbauen können. Probleme bereiten laut Kasten jedoch der Niedrigzins, die Regulatorik und die Digitalisierung des Versicherungsgeschäfts. Die Beitragseinnahmen erhöhten sich um 4,9 Prozent auf 1,14 Mrd. Euro; dazu haben alle Sparten beigetragen. Positv bewertete Kasten die niedrige Stornoquote von unverändert 3,8 Prozent. Nicht so zufrieden zeigte er sich mit der Schadenbilanz.

Zwar verringerten sich die Zahlungen gegenüber dem schadenreichen Rekordvorjahr um rund neun Prozent auf 776 Mio. Euro. Dies ist dennoch die zweithöchste Schadensumme in der Unternehmensgeschichte. Schuld sind die zunehmenden Leitungswasserschäden, viele Großfeuer und immer mehr schwere Personenschäden in der Kfz-Versicherung. Die Schaden-Kosten-Quote verringerte sich dennoch deutlich von 104,7 auf 94,4 Prozent, d.h. nach dem Verlustjahr 2013 verdiente die Brandkasse wieder Geld.

Trotz wachsender Kapitalanlagen schmolz deren Ertrag auf 81,2 Mio. Euro (Vorjahr: 91,0 Mio.) Mio. Euro. Die Nettoverzinsung von 2,9 (Vorjahr: 3,4) Prozent bezeichnete Kasten aber als “solide”. Der Bruttoüberschuss vor Ertragsteuern und Zuführungen zur RfB belief sich auf 31,3 (Vorjahr: 24,2) Mio. Euro. “Das ist in schadenarmen Jahren zu wenig”, kommentierte Kasten.

Erfreulich entwickelt hat sich die Provinzial Leben. Die Beitragseinnahmen stiegen um 2,7 Prozent auf 728 Mio. Euro. Das Einmalbeitragsgeschäft zur “echten” Altersvorsorge wie betont wird erreichte 232 Mio. Euro (Vorjahr: 203 Mio.), die laufenden Beiträge verminderten sich auf 495 (504) Mio. Euro. Auf Rückkäufe entfielen “weniger” als 20 Prozent der Leistungen in Höhe von 795 Mio. Euro (Vorjahr: 737 Mio.). Die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen liegt mit unverändert 4,5 Prozent deutlich über der durchschnittlichen Garantieverpflichtung von derzeit 2,66 Prozent.

Finanzchef Thomas Krüger ist nicht nur überzeugt, dass die Provinzial weiterhin ihre Garantien erfüllen kann, sondern auch, dass Neukunden mit einer Beitragsrendite von 4,5 Prozent rechnen können. Die Provinzial Kranken wuchs 2014 maßgeblich durch Pflegeversicherungsprodukte um 7,5 Prozent auf 62,8 Mio. Euro und weist mit einem Bruttoüberschuss von 12,5 (11,7) Mio. Euro ein Rekordergebnis aus.

Für das laufende Jahr sieht der Vorstandschef die VGH gut gerüstet. Er rechnet aber mit moderateren Wachstumsraten. Sorgen bereiten Kasten die Elementarschäden, die wegen der Januar-Stürme sowieder Orkane “Niklas” und “Mike” Ende März/Anfang April mit 33 Mio. Euro bereits höher ausfallen als im gesamten Vorjahr. Kasten hofft jedoch, dass sich das übers Jahr einpendelt. (cs)

Bild: Hermann Kasten (Quelle: VGH)

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