Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Versicherer PZU schluckt zweitgrößte Bank Polens

24.08.2016 – michal_krupinski - QUELLE PZUDie EU-kritische Regierung in Warschau stört sich lange daran, dass 60 Prozent der heimischen Bankenbranche ausländische Investoren kontrollieren. Um an frisches Kapital zu kommen, will die italienische HypoVereinsbank-Mutter UniCredit nun 40,1 Prozent ihrer Anteile an der zweitgrößten polnischen Bank Pekao abstoßen. Laut Reuters soll der größte und von staatlicher Hand gelenkte Versicherer Polens als Käufer feststehen.

Demnach soll die Grupa Powszechny Zakład Ubezpieczeń (PZU) bereits Barbestände von knapp zwei Mrd. US-Dollar bereitgestellt haben. Das 40-Prozent-Paket an Pekao dürfte aber einen Wert von rund 3,5 Mrd. Dollar haben. Deswegen könnte auch der polnische Staatsfonds PFR in einen Deal miteinbezogen werden. PZU-Chef Michał Krupiński soll laut dem Bericht diese Woche nach Mailand reisen, um eine entsprechende Transaktion zu verhandeln. Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier hat bereits Anfang August zehn Prozent des Anteils an der Pekao auf den Markt geworfen, um die Eigenkapitalquote seines Instituts zu erhöhen. Weitere 40 Prozent sollen nun folgen. Mit einer Kapitalerhöhung will er ferner einem Rauswurf aus dem Euro Stoxx 50 entgehen, der dann dem Versicherungsriesen Generali droht, berichtete VWheute. Den Reuters-Bericht wollten weder PZU noch Unicredit kommentieren.

“Kapital hat ein Vaterland”, hat Wirtschaftsminister Mateusz Morawiecki (PiS) ausgerufen. Es könne nicht angehen, dass Schlüsselentscheidungen über den polnischen Finanzmarkt im Ausland getroffen würden, zitierte Anfang August die Tageszeitung Rzeczpospolita einen Regierungsvertreter. Warschau macht keinen Hehl daraus, ausländische Geldinstitute vom polnischen Finanzmarkt zu verdrängen. Denn die Gewinne, die die Tochtergesellschaften der Auslandsinstitute erwirtschaften, fließen zum überwiegenden Teil an die Muttergesellschaften zurück. Vor diesem Hintergrund forciert die Regeirung auch die Zukäufe des staatlichen Versicherers PZU, der im März 25,25 Prozent der Aktien der Alior Bank erwarb und später die polnischen Bankgeschäfte von GE Capital aufkaufte. An der größten Bank Polens, PKO BP (Bank Polski), ist die Regierung zu einem knappen Drittel beteiligt.

Die PZU beherrscht die Hälfte des Marktes für Sachversicherungen und 25 Prozent des Marktes für Lebensversicherungen in Polen. Die Führung der an der Warschauer Börse gelisteten PZU gilt als Herkulesaufgabe. Regierungswechsel haben fast schon historisch direkte Auswirkungen auf das Management des Unternehmens, berichtete VWheute. (dg)

Bild: Der PiS-nahe Jung-Manager und ehemalige Sekretär im Schatzministerium Michał Krupiński wurde Anfang des Jahres zum CEO der PZU ernannt. (Quelle: PZU)

Tags:
Autor:
- Anzeige -

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

Verlag Versicherungswirtschaft | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten