Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

Trägheit kann Rendite kosten

27.05.2015 – oliver_trienesVon Oliver Trienes. Die Lebensversicherer in Deutschland ächzen unter volatilen Märkten und Niedrigzinsen. Zudem sind neue regulatorische Vorgaben wie Solvency II zusätzliche Kostentreiber. Seit jeher sind festverzinsliche Wertpapiere mit hoher Bonität das bevorzugte Anlagevehikel bei Versicherern. Das liegt an den gesetzlichen Anlagevorschriften und daran, dass das Zinsniveau lange Zeit attraktiv genug war, um Garantien zu erfüllen.

Nun müssen sich die Versicherer an die neuen Marktgegebenheiten anpassen. Gefragt sind kosteneffizienter Anlagen mit einer interessanten Rendite. Eine derzeit viel beachtete Produktgattung dafür sind börsennotierten Indexfonds (ETFs, Exchange Traded Funds). Denn der Preisverfall bei ETFs kann eine mögliche Kostenreduktion in der Kapitalanlage bewirken. So liegen beispielsweise die jährlichen Pauschalgebühren des physisch replizierenden MSCI-USA-ETF der Deutschen Asset & Wealth Management bei 0,07 Prozent.

Versicherer, die ein bestimmtes Marktexposure günstig abbilden wollen, nutzen daher verstärkt ETFs im Rahmen eines Core-Satellite-Ansatzes. ETFs entwickeln sich auch als Substitut zu Indexfutures. Letztere sind im historischen Vergleich relativ teuer geworden. Analysen zeigen, dass beim DAX ein Indexfuture um 0,34 Prozent (betrachtet über drei Jahre) schwächer abschneidet als der entsprechende ETF. Hinzu kommt, dass ETFs oftmals geringer Opportunitätskosten haben. Aufgrund ihrer breiten Marktdiversifikation entfällt der Kostenblock für ein Research- und Due-Dilligence-Team, der häufig bei der Einzeltitelauswahl anfällt.

Nach Beobachtung der Ratingagentur Assekurata investieren Versicherer verstärkt in Mittelstands- oder Emerging-Marktes-Anleihen. Statt des Direktinvestments kann auch der Blick auf das Anleihe-ETF-Universum helfen, beispielsweise auf die europäischen Peripherieländer mit Investmentgrade. So bildet der iBoxx-Sovereign-Eurozone-Yield-Plus-Index die Wertentwicklung von Anleihen ab, die von den fünf Ländern der Eurozone mit der höchsten Anleiherendite und Investment-Grade-Rating begeben werden und die auf Euro lauten – und das für 15 Basispunkte.

Der ETF weist typischerweise eine relativ konstante Duration auf. Damit entfällt die kontinuierliche Portfolioanpassung zur Durationssteuerung. Für Investoren, die bereit sind, ein etwas höheres Rendite/Risiko-Profil zu akzeptieren, könnte der Markit-iBoxx-EUR-Liquid-High-Yield-Index interessant sein. Er bildet die Wertentwicklung der größten liquiden, auf Euro lautenden Unternehmensanleihen aus dem Sub-Investment Grade Segment ab, die von Unternehmen innerhalb und außerhalb Europas begeben werden.

ETF-Lösungen können dem Versicherer also im Anlagedilemma helfen. Zudem zeigen Studien auf, dass das Ziel, den Markt bzw. die Benchmark zu übertreffen, oftmals nur selten gelingt. Auch daher kann die kostengünstige Marktabbildung über ein passives Investment ein wichtiger Baustein in der Kapitalanlage des Versicherers sein.

Bild: Oliver Trienes ist Head of German Institutional Client Coverage Passive Investments der Deutsche Asset & Wealth Management. (Quelle: Deutsche Asset & Wealth Management)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten