Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

Talanx: Kursschock am Morgen

24.03.2015 – herbert_k_kaas_talanxRund eine halbe Million Aktien des Talanx-Konzerns haben Investoren am Montag früh auf den Markt geworfen und damit den Kurs der Aktie um gut zehn Prozent in den Keller geschickt. Für eine gewisse Erleichterung sorgte die spätere leichte Erholung der Talanx-Aktie. Die Aktionäre erhalten eine nur geringfügig um fünf Cent auf 1,25 Euro erhöhte Dividende.

Dieser Warnschuss dürfte Vorstandschef Herbert K. Haas jedoch nicht unbeeindruckt lassen, denn der Abschluss zeigt einige Schwachstellen des drittgrößten deutschen Versicherers auf. Zwar lag das Wachstum mit 3,0 Prozent Prämienwachstum auf 29,0 Mrd. Euro am oberen Ende der Ziellinie und der Konzerngewinn überstieg mit 769 Mio. Euro (Vorjahr: 732 Mio.) sogar die Zielgröße von mindestens 700 Mio. Euro, was Haas als ordentlich bezeichnete, die Enttäuschungen steckten jedoch wie so oft im Detail. Dazu zählt in erster Linie das Privat- und Firmenkundengeschäft in Deutschland, das rote Zahlen ablieferte. Auch im Industriegeschäft läuft nicht alles nach Plan. Hier drücken Großschäden durch Feuer auf das Ergebnis.

Lichtblicke bieten das profitable und wachstumsstarke Privat- und Firmenkundengeschäft im Ausland und die Tochter Hannover Rück mit ihrem Rekordergebnis sowie die Kapitalanlageerträge. Letztere verbesserten sich um neun Prozent auf 4,14 Mrd. Euro, wodurch die Kapitalanlagerendite mit 4,1 (2013: 4,0) Prozent die Zielmarke von mindestens 3,4 Prozent deutlich übertraf.

Neun Jahre nach der Fusion mit Gerling ist es der Talanx noch nicht gelungen das deutsche Privat- und Firmenkundengeschäft auf Vordermann zu bringen. Knackpunkt ist und bleibt auch noch für Jahre die IT. “Wir bleiben mit der Qualität unserer Prozesse hinter der Konkurrenz zurück”, gestand Haas, für den IT jetzt Chefsache ist. Man habe zunächst dem Industriegeschäft oberste Priorität eingeräumt. Da es bei der Lebenssparte brannte, seien dann dort zuerst die Bestandsführungssysteme zusammengeführt worden. Außen vor blieb der Kompositbereich. Das Ausmaß der Schwierigkeiten war Haas “nicht so präsent”. Dies wirkt sich auch negativ auf den Service aus. Im Jahreswechselgeschäft verlor die Talanx 88.000 Kfz-Verträge. Als Fehler bezeichnete der Vorstandschef auch den Abbau von 600 Stellen.

Jetzt soll kräftig in das Privat- und Firmenkundengeschäft investiert werden. Außerdem nutzte der Konzern den Veräußerungsgewinn aus dem Verkauf der restlichen Swiss-Life-Anteile von 214 Mio. Euro zur Bilanzstärkung des Segments. In der Lebensversicherung wird zwar an einer Überarbeitung der Produkte gefeilt, doch ist auch ein Run off nicht vom Tisch. In der Industrieversicherung will die Talanx notfalls auf Geschäft verzichten, wenn die Preise nicht stimmen.

Enttäuscht wurden die Anleger auch durch den sehr vorsichtigen Ausblick auf 2015. Der Wettbewerb ist härter geworden, die Prämien sind unter Druck und die Zinsen bleiben niedrig. In diesem Umfeld setzt Talanx auf das Auslandsgeschäft. Es soll ein Konzernwachstum von ein bis drei Prozent sichern. Die Kapitalanlagerendite dürfte auf drei Prozent abschmelzen und das Konzernergebnis auf mindestens 700 Mio. Euro zurückgehen, wozu das Privat- und Firmengeschäft Deutschland wiederum nichts beisteuern dürfte. (cs)

Bild: Talanx-Vorstandschef Herbert K. Haas (Quelle: Talanx)

Tags:
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten