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“Steigende Nachfrage nach modularen Lösungen”

07.11.2016 – christoph_doebrich_allianzSmart Home ist “ein äußerst spannendes Feld mit vielen Möglichkeiten”, glaubt Christoph Döbrich von Allianz Worldwide Partners gegenüber VWheute. So sieht in der neuen Technologie “eine zunehmende Anzahl an Services in Ergänzung zur klassischen Hausratversicherung”. Bereits heute sehe man “eine steigende Nachfrage nach modularen Versicherungslösungen im Bereich der Hausratversicherung”.

VWheute: Smart Home gehört in den USA bereits zum Alltag, steckt in Deutschland hingegen noch in den Kinderschuhen. Worin sehen Sie derzeit die Ursachen dafür und ist dieses Thema bei den deutschen Versicherern überhaupt schon angekommen?

Christoph Döbrich: Bei Allianz Worldwide Partners ist das Thema Internet-of-Things/Smart Home schon seit mehreren Jahren auf der Agenda und wir bieten seit letztem Jahr ein gemeinsames Produkt aus Hardware und Services mit unserem Partner Panasonic über die Website www.meinsicherheitsplus.de an. Wie Sie richtig feststellen, warten wir in Deutschland derzeit noch auf eine stärkere Nachfrage nach Smart Home Produkten aus dem Massenmarkt, die Early Adopter und technisch Interessierten haben ihre Häuser und Wohnungen aber inzwischen schon größtenteils ausgestattet.

Für den aktuellen Unterschied in der Verbreitung der Technologie zwischen Amerika und Europa sehe ich drei Hauptgründe:

  1. Startup-Kultur und Unternehmertum – viele IoT-Unternehmen wie z.B. das von Google aufgekaufte Startup Nest kommen aus dem Silicon Valley und schaffen in ihrem Heimatmarkt eine schnellere Verbreitung.
  2. Eine speziell in Deutschland weit verbreitete Skepsis gegenüber neuen Technologien insbesondere in Bezug auf Datensicherheit und Datenschutz im Haus.
  3. Das Fehlen einheitlicher Standards, d.h. eines einheitlichen Betriebssystems (wie z.B. iOS/ Android für Smartphones) für das vernetzte Zuhause.

Speziell der letztgenannte Punkt ist für mich einer der Hauptgründe für die anhaltende Kaufzurückhaltung in Deutschland. Mit dem bevorstehenden Markteintritt weiterer größerer Player, wie Apple, Amazon oder Google stehen die Vorzeichen nun aber gut, dass wir bald eine deutlich höhere Market Adoption sehen werden. Als Versicherer wollen wir hier aber nicht abwarten, sondern den wachsenden Markt aktiv mitgestalten. Das tun wir mit unseren innovativen Lösungen, wie “Smart Home” und “Allianz Assist”.

VWheute: Das Internet der Dinge gewinnt immer mehr an Bedeutung. Worin sehen Sie die Vorteile eines vernetzten Hauses für Versicherer und Versicherte?

Christoph Döbrich: Die Vorteile liegen für mich klar auf der Hand: Der Versicherte hat sein Zuhause damit immer im Blick und muss sich keine unnötigen Sorgen machen; und falls doch einmal etwas passiert, kann er oder – wie im Fall unseres Produkts “Allianz Assist” – die Allianz Notfallzentrale sofort eingreifen und entsprechende Gegenmaßnahmen anstoßen. Im Fall eines Lecks in einer Wasserleitung kann ein vom Allianz Handwerker Service beauftragter Klempner die zentrale Wasserzufuhr abtrennen oder gleich den Schaden reparieren.

Größere Schäden, die Zerstörung von immateriellen Werten wie Fotoalben/Bildern und anderen Erinnerungsstücken und eine langwierige und aufwendige Schadenbearbeitung bleiben dem Versichertem damit komplett erspart. Wir als Versicherung profitieren von einer engeren Kundenbindung, häufigerer Kundeninteraktion und geringeren Schadenausmaßen.

VWheute: Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Wie wird die klassische Hausratversicherung Ihrer Ansicht nach dank Connected Home in zehn Jahren aussehen? Und welche Geschäftsmodelle sind angesichts dieser Entwicklung für die Versicherer denkbar?

Christoph Döbrich: Wir sehen hier ein äußerst spannendes Feld mit vielen Möglichkeiten. Meiner Meinung nach werden wir eine zunehmende Anzahl an Services in Ergänzung zur klassischen Hausratversicherung sehen. Dies fängt mit den entsprechenden smarten Sensoren (z.B. Wasserdrucksensor für die Hauptleitung, Bewegungsmelder, Tür- und Fensterkontakte, Rauchmelder) an, die schon in wenigen Jahren integraler Bestandteil der Hausratversicherung werden können.

Weiter geht es mit Zusatz-Services, die wir heute schon anbieten: Zum einen Allianz Assist, einen Notfall- und Pannendienst für Zuhause, der selbständig tätig wird, wenn die Bewohner nicht zuhause sind, und einer der Sensoren eine entsprechende Warnmeldung absetzt. Zum anderen ein digitaler Zugang zum Allianz Handwerker Service, der im Falle eines Schadens die Organisation der verschiedenen Gewerke, die für die Schadensbeseitigung benötigt werden, beauftragt und koordiniert. Auch die Qualitätskontrolle, Abnahme der Arbeiten und die Abrechnung mit den Handwerkern wird direkt durch den Versicherer abgewickelt.

Darüber hinaus sehen wir heute schon eine steigende Nachfrage nach modularen Versicherungslösungen im Bereich der Hausratversicherung. Die Generation Y, geprägt durch die Sharing Economy, besitzt viel weniger selbst als die Generationen vorher; dafür aber oftmals einige wertvolle “Lieblingsstücke”, die sie gerne abgesichert wissen möchte.

Dem müssen wir als Versicherer Rechnung tragen und Versicherungslösungen anbieten, die nicht mehr nur nach dem Pauschalprinzip eine Versicherungssumme von 650 Euro pro Quadratmeter in der Hausratversicherung ansetzen, sondern digitale, App-basierte Möglichkeiten schaffen, um nur einzelne Teile des Hausrats für einen bestimmten, abgegrenzten Zeitraum (z.B. während des Urlaubs) zu versichern (“Sliced Insurance”).

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Christoph Döbrich, Manager Innovations bei Allianz Worldwide Partners, referiert auf der 1. Fachkonferenz Smart Home über die Frage, “wie Kunden und Versicherungen/Assistance vom vernetzten Zuhause profitieren können”. (Quelle: Allianz)

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