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Sponsoren machen Druck auf die Fifa

01.06.2015 – blatter_platini_dpaDie Fifa gerät im Zuge des Korruptionsskandals immer mehr unter Druck. Allen voran: die Sponsoren. Derzeit überweisen allein zehn Großunternehmen jährlich mehrere hundert Mio. US-Dollar an den Weltfußballverband. Die aktuellen Skandale wecken jedoch Zweifel, ob sich das Sponsoring noch lohnt. So drohte bereits Visa gar mit dem Abbruch seiner Aktivitäten.

Demnach mahnte das Kreditkartenunternehmen “rasche und sofortige Maßnahmen” an, um die Probleme innerhalb des Weltfußballverbandes zu beheben. “Sollte die Fifa dies nicht tun, haben wir sie informiert, dass wir unser Sponsoring neu bewerten würden”, teilte das Unternehmen nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in einer Stellungnahme mit.

Auch der Fastfood-Konzern McDonald’s sowie die Getränkehersteller Coca-Cola und Anheuser Busch InBev zeigten sich besorgt über die jüngste Entwicklung bei der Fifa. Die Anklagepunkte des US-Justizministeriums seien “sehr ernst und besorgniserregend”, erklärte McDonald’s laut Süddeutscher Zeitung. Während der Bierproduzent Anheuser Busch InBev auf die Einhaltung “ethischer Standards” pocht, sieht CocaCola gar “die Mission und die Ideale der Fifa” befleckt.

Dabei ist diese auf die Sponsorengelder dringend angewiesen: So betrugen die Marketingeinnahmen allein zwischen 2011 und 2014 rund 1,58 Mrd. US-Dollar. Wie viel die Sponsoren auf den Tisch legen müssen, ist offiziel nicht bekannt. Experten gehen jedoch derzeit von einem zweistelligen Millionen-Betrag pro Jahr aus.

Bislang gab es bei den Fußball-Weltmeisterschaften sechs Hauptsponsoren. Allerdings plant der Weltfußballverband, die Zahl auf Acht zu erhöhen. Dabei denkt die Fifa vor allem an Unternehmen mit regionalem Bezug – darunter aus der Logistik, der Telekommunikation, dem Bahnwesen oder der Versicherungsbranche. Ein offizielles, transparentes Bieterverfahren für den Zuschlag als Sponsor bei einer Fußball-WM gibt es allerdings nach Expertenangaben bislang nicht.

Einziger deutscher Sponsor ist derzeit der Sportartikelhersteller Adidas: so bildet das Fußballgeschäft seit Jahren dessen wirtschaftliches Rückgrat. Seit 1970 stellt Adidas den offiziellen Ball zur Fußball-WM. Auch die Frauen-WM oder die Beach-Soccer-WM werden von dem Sportartikelhersteller unterstützt. Hinzu kommen einige lukrative Sponsoringverträge mit verschiedenen Nationalmannschaften und Fußballklubs wie Manchester United oder Bayern München. Sollte der Korruptionsskandal beim Weltfußballverband weitere Kreise ziehen, stünde für das Unternehmen viel auf dem Spiel.

Offen ist jedenfalls, welche Folgen der Skandal für die Versicherer haben wird. Denn die Fifa hat sich allein die letzten beiden Fußball-Weltmeisterschaften 2010 in Südafrika und 2014 in Brasilien großzügig gegen Verlegung oder Vertagung abgesichert. Allerdings zahlen diese nur bei Einnahmeausfälle in bestimmten Fällen wie bei einem Terroranschlag, einer Epidemie oder einer Naturkatastrophe. Die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls schätzten die Versicherer zuletzt auf weniger als ein Prozent.

Den größten Teil der Versicherungssumme trug bislang der Münchner Rückversicherer Munich Re, der seit den Olympischen Sommerspielen 1972 alle Großveranstaltungen dieser Art versichert. Ebenfalls beteiligt waren bislang auch die Allianz, die Schweizer Rück, die Hannover Rück und viele kleinere internationale Anbieter.

Inwieweit der aktuelle Korruptionsskandal das Fußball-Sponsoring der deutschen Versicherer – darunter die WWK beim FC Augsburg, die R+V bei Schalke 04, die Allianz beim FC Bayern München oder Coface bei Mainz 05 – nachhaltig beeinflussen könnte, bleibt abzuwarten. Denn letztlich gleicht dies einem Lotteriespiel: Fährt eine Mannschaft Siege ein, geben sich interessierte Unternehmen die Klinke in die Hand. Bleibt der Erfolg jedoch aus, ist es auch mit der Sponsorentreue meist nicht weit her. (vwh/td)

Bild: Fifa-Präsident Sepp Blatter (links) und sein Rivale Michel Platini. (Quelle: dpa / picture-alliance)

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