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Sommerinterview: “bAV-Reform bedarf einer Überarbeitung”

24.08.2015 – hallesche_botermannDie angedachte Reform der betrieblichen Altersvorsorge bedarf einer Überarbeitung, fordert Walter Botermann, Vorstandsvorsitzender der Alten Leipziger-Hallesche, im Sommerinterview mit VWheute. Viele kleinere Unternehmen geben sich noch zurückhaltend, was “häufig mit der vermuteten Komplexität der betrieblichen Altersversorgung begründet wird”, sagt Botermann.

VWheute: Für wie demografiefest und nachhaltig halten Sie grundsätzlich das deutsche Altersvorsorge-System?

Walter Botermann: Das gewachsene System der Altersvorsorge in Deutschland hat zum einen Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung, die jedoch aufgrund der demographischen Entwicklung zurückgehen werden. Zum anderen bieten die deutschen Lebensversicherungsunternehmen mit ihren lebenslang versprochenen Rentengarantien zusätzliche Sicherheit und ergänzen so die Altersvorsorge. Nur durch diese kapitalgedeckten Zusatzrenten ist für große Teile der Bevölkerung Altersarmut zu vermeiden.

VWheute: Die betriebliche Altersvorsorge soll, wenn es nach den Reformplänen von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles geht, völlig neu aufgestellt werden. Wie ordnen Sie diese Pläne ein? Wie sollte aus Ihrer Sicht die bAV reformiert werden, um ihre Verbreitung zu fördern?

Walter Botermann: Es ist überaus positiv, dass die Politik Handlungsbedarf in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) erkannt hat und Maßnahmen ergreifen will. Die angedachte Reform bedarf jedoch einer Überarbeitung, die nicht nur die Versicherungswirtschaft, sondern auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Deutsche Gewerkschaftsbund vorschlagen.

Die bisherigen Regelungen bereiten Probleme durch die nachgelagerte Beitragspflicht für gesetzlich Krankenversicherte und die Anrechnung auf die Grundsicherung. Hier sollte gerade bei den Sozialversicherungsbeiträgen über eine in mehreren Schritten umzusetzende Reduzierung nachgedacht werden.

Aktuell haben zudem besonders kleine und mittelständische Unternehmen noch Nachholbedarf. Die bAV-Verbreitung in Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten liegt bei nur rund 30 Prozent. Die Zurückhaltung der Unternehmen wird häufig mit der vermuteten Komplexität der betrieblichen Altersversorgung begründet. Außerdem schrecken viele Geringverdiener wegen ihrer fehlenden finanziellen Möglichkeiten und der Anrechnung der bAV auf die Grundsicherung zurück, die demotivierend und leistungshemmend wirkt. Geringverdiener könnten über eine Grundzulage gefördert oder über eine verpflichtende Regelung einbezogen werden.

Auch Gutverdiener könnten durch eine verpflichtende Gehaltsumwandlung, beispielsweise für Sonderzahlungen, die jedoch auch abgewählt werden kann, in die bAV einbezogen werden. Aber ich rate von neuen Durchführungswegen ab, für die ich in der jetzigen Niedrigzinsphase einen schlechten Start befürchte. Gleichzeitig werden diese Durchführungswege Eigenmittel für ihre Gründung benötigen, die die Tarifparteien nicht aufbringen wollen.

VWheute: Wie bewerten Sie das erste Halbjahr 2015 für Ihr Unternehmen und welche Projekte stehen in der zweiten Jahreshälfte an?

Walter Botermann: Wir sind mit dem Verlauf des ersten Halbjahres für die Alte Leipziger Lebensversicherung sehr zufrieden und erwarten auch für das restliche Jahr 2015 ein weiter gutes Neugeschäft. Zudem wurde uns von mehreren Ratingagenturen erneut eine sehr gute finanzielle Lage bestätigt. Die zu erwartenden stabilen Ergebnisse erlauben es, das Eigenkapital weiter auszubauen und damit unsere eingeschlagene Politik der Stabilität weiter fortzusetzen.

VWheute: Wo verbringen Sie oder haben Sie in diesem Jahr Ihren Sommer-Urlaub verbracht?

Walter Botermann:Ich komme gerade von Mallorca zurück – eine schöne Insel, die für Sport und Genuss, mit Sonne und Meer, aber auch beim Wandern viele Überraschungen bietet. Meine Geheimtipps verrate ich natürlich nicht.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteurin Julia Kolhagen.

Bild: Walter Botermann, Vorstandsvorsitzender der Alte Leipziger-Hallesche (Quelle: Alte Leipziger-Hallesche)

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