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“Run-Off-Markt wird durch Solvency II deutlich wachsen”

14.04.2015 – arndt_grossmann_redROBINDer Run-Off-Markt wird, “getrieben von Solvency II”, in den kommenden Jahren deutlich wachsen, prognostiziert Arndt Gossmann, Vorstandschef der Darag. Allein für 2015 erwartet er, “dass die Summe der Run-Off-Transaktionen in Europa insgesamt auf vier Mrd. Euro steigen werden”. Dies entspreche einem Wachstum um 135 Prozent gegenüber dem Vorjahr, so Gossmann im Interview mit VWheute.

VWheute: Mit Blick auf Solvency II: Wie entwickelt sich der Markt aktuell unmittelbar vor dem Start 2016? Welche signifikanten Transaktionen verzeichnen Sie?

Arndt Gossmann: Der Run-off-Markt entwickelt sich sehr positiv, woran Solvency II einen erheblichen Anteil hat. Versicherungen erkennen im Zuge der Adaption von Solvency II das Potenzial von Run-off-Transaktionen. Die Übertragung von Altgeschäft ist ein Baustein im Eigenkapitalmanagement und gewinnt unter den neuen Vorgaben stark an Bedeutung. Für 2015 erwarten wir eine steigende Anzahl von abgeschlossenen Transaktionen. Des Weiteren wächst das durchschnittliche Transaktionsvolumen und trägt signifikant zum steigenden Marktpotenzial bei. Wir prognostizieren, dass 2015 die Summe der Run-off-Transaktionen in Europa auf insgesamt vier Mrd. Euro steigt. Das entspräche einem Wachstum um 135 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Marktdynamik wirkt sich auch auf die DARAG positiv aus. 2014 haben wir insgesamt sechs Transaktionen durchgeführt und erstmals auch größere Transaktionen mit einem Wert von über 100 Millionen Euro gezeichnet.

VWheute: Zentrales Argument für Run-off als Baustein im Kapitalmanagement ist die Reduktion von Komplexität. Gilt dies auch für Transaktionen in Leben oder beobachten Sie hier andere Ansätze als in der Sachversicherung?

Arndt Gossmann: Die Freisetzung von Eigenkapital ist der wichtigste Grund für Versicherer, Run-off-Bestände abzugeben. Auch wenn in den seltensten Fällen Kapitalnot besteht, ist es wirtschaftlich nicht sinnvoll, Eigenkapital in längst eingestelltem Geschäft zu binden. Run-off-Transaktionen bieten hierfür eine Lösung, indem Eigenkapitalanforderungen in Form von Rückstellungen für Altgeschäft entfallen. Bezahlt wird für das neu erschlossene Kapital mit inaktivem Geschäft. Für Leben- wie für Sachversicherungen ist Run-off also in erster Linie ein Instrument, Eigenkapital freizusetzen. Daneben bietet die Übertragung von Altgeschäft eine Reihe weiterer Vorteile, zu denen auch Komplexitätsreduktion zählt.

VWheute: Blicken wir einmal ins Jahr 2020: Wie sieht – von Ihrer Warte – der Run-off-Markt aus (gerne mit internationalem Blick)?

Arndt Gossmann: In den nächsten Jahren wird der Run-off-Markt, getrieben von Solvency II, deutlich wachsen. 2020 könnte sich das Marktpotenzial perspektivisch erstmals leicht reduzieren. Bis dahin wird der größte Teil des eingestellten Geschäfts, das jetzt noch in den Bilanzen von Versicherern schlummert, bereinigt sein. Andererseits werden 2020 Run-off-Transaktionen für eingestellte Geschäftsfelder Best Practice sein. Wir beobachten bereits jetzt, dass dem Thema immer größere Priorität eingeräumt wird und in Versicherungsunternehmen Abteilungen für Kapitalmanagement entstehen, um den bestmöglichen Einsatz von Eigenkapital zu gewährleisten. Zukünftig wird nicht optimal allokiertes Eigenkapital viel schneller wieder zugänglich gemacht. Run-off-Transaktionen werden so alltäglich sein wie heute die prospektive Rückversicherung.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Arndt Gossmann, Vorstandschef der Darag (Quelle: redROBIN)

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