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“Run-off” ist nicht für jeden sinnvoll

21.06.2016 – heinz-peter-ross_heidelberger“Der Weg eines sogenannten ‘Run-off’ nicht für jedes Unternehmen sinnvoll und gangbar”, konstatiert Heinz-Peter Roß, Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Leben im Exklusiv-Interview mit VWheute, denn hier spielten viele Faktoren eine Rolle. So sollten sich “alle Verantwortlichen sich ernsthaft mit Optionen für ihre Bestände beschäftigen”.

VWheute: Was macht Heidelberger Leben und bald Viridium mit Altbeständen besser als Versicherer?

Heinz-Peter Roß: Zunächst: Über ihre Portfoliogesellschaften erbringt die Heidelberger Leben Gruppe Leistungen wie jeder andere Lebensversicherer auch. Der Unterschied zum “klassischen” Lebensversicherungsunternehmen ist, dass wir – beziehungsweise unsere Portfoliogesellschaften – kein Neugeschäft betreiben, uns stattdessen ausschließlich auf das effiziente Management von Beständen konzentrieren.

Dafür haben wir IT-Infrastruktur und Bestandsführungsplattform mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag komplett neu aufgesetzt. Ein Beispiel: Statt aus rund 140 wird die IT-Infrastruktur im Zielbild nur noch aus rund 30 Systemkomponenten bestehen. Diese an Marktstandards orientierte Modernisierung von Prozessen ist die Grundlage, um den Kunden einen ausgezeichneten Service bieten zu können.

Von den Potenzialen unseres Geschäftsmodells als Konsolidierungsplattform profitieren sie außerdem, indem wir ihnen garantieren, dass die anteiligen Verwaltungskosten trotz abnehmendem Bestand konstant bleiben – sprich, wir immunisieren sie gegen die normalerweise unumgänglichen Folgen des Bestandsabriebs. Außerdem sollen den Versicherten höhere Zuführungen zur RfB zugutekommen.

VWheute: Wo sind die größten Chancen und Herausforderungen in der Optimierung der Bestände?

Heinz-Peter Roß: Dies betrifft zunächst einmal die Qualität der Bestandsdaten, die wir im Zuge der Migration auf die neue, gruppenweite Bestandsführungsplattform analysieren und bei Bedarf optimieren. Außerdem sehen wir noch erhebliche Potenziale rund um die Durchführung von Geschäftsvorfällen. Wir prüfen derzeit, inwieweit man diese Prozesse intern, aber auch an der Schnittstelle zum Kunden, digitalisieren, sprich automatisieren kann.

VWheute: Sie haben jüngst gesagt, dass in fünf Jahren mehr Bestände auf den Markt kommen, als Sie nehmen können. Wie wird sich der Markt entwickeln? Wird die Konkurrenz bei derartigem Angebot dann nicht zwangsläufig größer?

Heinz-Peter Roß: Wenn sich die Nachfrage nach Konsolidierungsmodellen für inaktive Bestände erhöht, und davon gehen wir aus, dann dürfte auch der Wettbewerb zunehmen. Das freut uns, weil es ein Zeichen für die Attraktivität des Marktes ist. Wir sind als Vorreiter gestartet und heute führend. Diese Position möchten wir ausbauen. Dafür sehen wir uns in einer guten Lage, denn mit den beiden großen Beständen von Heidelberger Leben und Skandia Leben Deutschland haben wir nachgewiesen, dass wir das Geschäft im Sinne von Versicherten und Aufsicht erfolgreich betreiben. Nach den beiden Aufbaujahren sind wir mit unserer Plattform in der Lage, weitere Bestände aufzunehmen.

VWheute: Wenn Versicherer Ihre Technik und Verwaltung im Zuge der Digitalisierung optimieren können, verkürzt sich die Halbwertszeit Ihres Geschäftsmodells. Dazu kommt der eher bescheidene Ausblick in der Lebensversicherung: Wie lange funktioniert das Geschäftsmodell Run-off also noch?

Heinz-Peter Roß: Die Umfeldfaktoren – Zinsniveau, Modernisierungsstau, Innovationsbedarf bei Produkten und Vertrieb plus obendrauf die Digitalisierung – bedeuten in Summe eine Herkulesaufgabe. Jeder weiß, dass diese nicht im Handumdrehen zu lösen ist. Mit unserer Konsolidierungsplattform bieten wir den Lebensversicherern die Option, sich von Beständen zu trennen und sich dadurch vergleichsweise kurzfristig neue Spielräume zu verschaffen, in puncto Kapazitäten, Finanzmitteln und Eigenkapital.

Zugleich profitieren auch die Versicherten selbst – insbesondere, weil wir sie, wie oben beschrieben, nicht zuletzt vor den negativen Folgen eines schrumpfenden Bestands dauerhaft immunisieren. Natürlich ist dieser Weg eines sogenannten “Run-off” nicht für jedes Unternehmen sinnvoll und gangbar, viele Faktoren spielen eine Rolle. Genauso wie auch wir selbst jeden Bestand intensiv prüfen – und bisweilen auch Abstand nehmen. Aber dass alle Verantwortlichen sich ernsthaft mit Optionen für ihre Bestände beschäftigen, das zeigen die vielen Anfragen, die wir erhalten.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Heinz-Peter Roß spricht heute auf dem Zukunftsforum Assekuranz 2016 in Köln. (Quelle: Heidelberger Leben)

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