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Opting-Out: Verbreitung von 90 Prozent möglich

15.10.2015 – Jasper_TWEs geht um eine “verlässliche Grundlage für die deutsche bAV”, sagt Thomas Jasper, Leiter der bAV-Beratung bei Towers Watson. Heute berät der Bundestag in einer Sitzung über die Umsetzung der EU-Mobilitätsrichtlinie. Vieles spricht dafür, ein verpflichtendes Opting Out einzuführen, sagt Jasper im Interview mit VWheute.

VWheute: Entwickelt sich die Diskussion um die bAV in Richtung Tragödie oder Komödie?

Thomas Jasper: Die gegenwärtige Diskussion um die bAV trägt sowohl tragische als auch komödiantische Züge. Eines ist jedoch gewiss: das Happy End!

VWheute: Wie kann die von den Arbeitgebern geforderte Neuregelung des Rechnungszinses für die Rückstellung helfen?

Thomas Jasper: Die geplante Neuregelung des Rechnungszinses nach HGB ist extrem wichtig. Sie verhindert, dass die beispiellose Niedrigzinsphase in der bilanziellen Abbildung der Pensionsverpflichtungen zu bilanziellen Verwerfungen bis hin zu existenziellen Fragen der einzelnen Unternehmen führt.

VWheute: Wie kann die Verbreitung der bAV forciert werden? Mit oder ohne Neuregelung?

Thomas Jasper: Der Vorschlag des BMAS enthält viele positive Elemente und verfolgt gute Absichten. Will man jedoch eine rasche und umfassende Verbreitung der bAV erreichen, lohnt sich möglicherweise ein Blick ins Ausland. Das “Auto-Enrolment” in UK sieht ein verpflichtendes „Opting-Out“ jedes Arbeitnehmers auf Unternehmensebene vor – also eine Verpflichtung für die Unternehmen, auf betrieblicher Ebene ein “Opting-Out” einzurichten. Aus Beispielen in Deutschland wissen wir, dass mit Opting-Out-Lösungen eine Verbreitungsquote von über 90 Prozent erreichbar ist.

VWheute: Stichwort: EU-Mobilitätsrichtlinie. Wie beurteilen Sie die Lage vor dem Hintergrund der für Donnerstag geplanten Lesung im Bundestag?

Thomas Jasper: In das Umsetzungsgesetz zur EU-Mobilitätsrichtlinie sind wichtige Grundsätze aufgenommen worden, die den Unternehmen helfen sollten, diese Thematik sachgerecht in der Praxis lösen zu können. Insbesondere die Dynamisierungsregeln für unverfallbare Anwartschaften bieten viele gute Ansatzpunkte, um praxisgerechte Vorgehensweisen zu finden – an den richtlinienbedingten Mehrkosten konnte der deutsche Gesetzgeber nichts Grundlegendes ändern, hat jedoch insoweit einige kosteneffiziente Maßnahmen ins Gesetz aufgenommen. Es bleibt zu hoffen, dass das Umsetzungsgesetz vollumfänglich richtlinienkonform ist und damit eine verlässliche Grundlage für die deutsche bAV bildet.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz

Bild: Thomas Jasper, Leiter der bAV-Beratung bei Towers Watson, eröffnet heute die bAV-Konferenz von Towers-Watson (PDF). (Quelle: Towers Watson)

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