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Neuordnung des Arzneimittelmarktes verfehlt ihr Ziel

10.09.2015 – Medizin_Thorben Wengert_pixelioDas sogenannte Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) verfehlt auch im vierten Jahr in Folge deutlich sein Ziel. So wurden allein im Jahr 2014 Einsparungen über 320 Mio. Euro erzielt. Geplant waren laut Gesetz jährlich etwa zwei Mrd. Euro. Die geht aus dem neuen Innovationsreport 2015 der Techniker Krankenkasse hervor. Ein weiterer Kritikpunkt: Forschung findet in den falschen Bereichen statt.

“Die wirtschaftliche Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherungen ist also auf einem homöopathischen Niveau”, kommt Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK), zu dem Schluss. “Wenn das AMNOG als viel zitiertes ‘lernendes System’ konsequent weiterentwickelt wird, sind jedoch viel größere Einsparungen möglich.”

Ein weiterer Kritikpunkt ist laut Innovationsreport die Forschung in den falschen Bereichen: “Die Innovationen fokussieren auf die falschen Bereiche. Forschung findet erkennbar nicht dort statt, wo sie benötigt wird”, erläutert Baas. “Statt neuer Antibiotika stehen hauptsächlich Indikationsgebiete im Fokus, bei denen die Pharmaindustrie die größte Rendite erwartet.” Von den 20 neuen Präparaten des Jahres 2012 sind fünf zur Behandlung von seltenen Erkrankungen zugelassen und neun gegen Krebs.

Dem gegenüber stünden hingegen extrem hohe Preise für diese Medikamente. Zudem bedeutet die gestiegene Zulassung von Medikamenten gegen seltene Erkrankungen nicht automatisch, dass es nun deutlich mehr Therapiemöglichkeiten für Menschen mit einem seltenen Leiden gebe.

Kritik gab es hingegen vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) “Das AMNOG-Verfahren führt vielmehr regelmäßig dazu, dass innovative Arzneimittel gerade in wichtigen Indikationen vom Markt genommen werden müssen. Leider können viele Innovationen gar nicht erst im Versorgungsalltag unter Beweis stellen, dass sie eine echte Verbesserung sind, denn sie fallen durch das starre Raster der frühen Nutzenbewertung”, erklärt Henning Fahrenkamp, Hauptgeschäftsführer des BPI.

“Die Folgen sind dramatisch, denn diese Präparate erhalten regelmäßig keinen Zusatznutzen zuerkannt und gehen aufgrund wirtschaftlich untragbarer Erstattungsbeträge vom Markt, zum Beispiel im Bereich Diabetes oder Epilepsie”, so Fahrenkamp. (vwh/td)

Bildquelle: Thorben Wengert / pixelio.de

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