Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Naturkatastrophen: “Risiko ist kontrollierbar”

30.11.2015 – Steffenson_Hannover_RueckMit der Modellierung und dem Risikomanagement von Naturkatastrophenrisiken ist die Hannover Rück „extrem“ beschäftigt, stellt Jörg Steffensen, General Manager Group Risk Management Modelling, aktuell fest. Allein 30 Mitarbeiter seien für die Bewertung von Naturkatastrophenrisiken im Einsatz, ganz zu schweigen von den professionellen Modell-Entwicklern und Forschungsinstituten.

Der hohe personelle, aber auch finanzielle Einsatz war jedoch nötig, denn die Hannover Rück wollte sich mit Blick auf Solvency II nicht nach einem vordefinierten Standardmodell richten, sagte er auf einer Tagung in Hannover. Sie hatte vielmehr den Ehrgeiz, ein eigenes internes Modell zu entwickeln. Es sollte das unternehmensindividuelle Risikoprofil abbilden. Dies setzte voraus, dass der Rückversicherer ein Risikomanagement aufbaut, das in der Lage ist, die Methodik seiner Risikomessung selbst zu entwickeln und das für die Realisierung notwendige Know-how bzw. die Ressourcen bereitzustellen.

Als Ursache für die hohen Schäden nennt Steffensen das Bevölkerungswachstum, das Bauen in gefährdeten Gebieten und die höhere Versicherungsdichte (siehe DOSSIER). Eine Zunahme von Naturkatastrophen durch Erdbeben oder Hurrikans infolge der Klimaveränderungen gebe die Statistik nicht her, wohl aber die Häufung von Schäden durch Hagel und Starkregen. Die genaue Einschätzung von Ereignisfrequenz und -intensität ist eine wichtige Voraussetzung für die Versicherbarkeit von Naturkatastrophen und zur Prämienberechnung. Bei der modellierten Wiederkehrperiode von Katastrophen gibt es laut Steffensen extreme Unterschiede. Beim Hurrikan Katrina beträgt sie 30 Jahre, während sie bei anderen Hurrikans bei 5 bis 10 Jahren liegt. Die Wiederkehrperiode ist bedeutsam für Eigenkapitalvorhersagen nach Solvency II. Auch darf die Risikotragfähigkeit und damit das Solvenzkapital nicht gefährdet werden.

Ungeachtet der Stärken von Naturgefahren-Simulationsmodellen gibt es aber auch Schwächen. „Own your risk“ verlangt daher Solvency II, d.h. die Modelle müssen laut Steffensen validiert, gestresst und adjustiert werden, um das Risikoprofil einer Gesellschaft zu reflektieren. Die Hälfte der Zeit bei der Hannover Rück erfordert die Validierung und Nachjustierung der Modelle. Dies setzt auch immense Rechnerleistungen voraus. Das finale Ergebnis bietet die Grundlage für die Bemessung der Prämien und der Eigenkapitalanforderungen. Das interne Modell bildet auch die Basis für die Entscheidungen der Unternehmenssteuerung. Dazu gehören die Berücksichtigung der Veränderung des Zeichnungsverhaltens am Markt (er wird derzeit durch Überkapazitäten und sinkenden Prämien geprägt), die Prüfung der Tragfähigkeit und die Festlegung des Risikobudgets durch den Vorstand. Dieses wird dann auf die Sparten (Sach, Personen) und Underwriter, die das NatCat-Geschäft zeichnen, verteilt. Letzteren werden nach den Worten von Steffensen Limits vorgegeben, die nicht überschritten werden dürfen. Nach zwei Verstößen gebe es personelle Konsequenzen.

Die Prüfung anhand des internen Modells ergab den Angaben zufolge, dass die Hannover Rück über eine komfortable Kapitalausstattung verfügt und in jeder Risikokategorie gut diversifiziert ist. Ein mehrstufiger Schutz erhöhe zudem die Naturkatastrophen-Kapazität. Dazu gehörten Retrozessionen, Transferierung von Cat-Bonds in den Kapitalmarkt, Verbriefungen – ihr Volumen soll von 345 auf 500 Millionen Euro ausgebaut werden – sowie Kat-Swaps (z.b. der Tausch von Sturm- gegen Erdbebenrisiken) und Stresstests. Letztere werden durchgeführt, um die Auswirkungen von Naturkatastrophen auf den prognostizierten Gewinn zu ermitteln. Steffensens Fazit: „Das Risiko ist kontrollierbar.“ Das Eintreten von Naturkatastrophen sei zwar zufällig, bei risikogerechten Prämien (Rendite) aber ver- und besicherbar, auch wenn die Unsicherheiten in der Einschätzung großer Naturkatastrophen insgesamt und für einzelne Gefahren und Regionen nach wie vor hoch seien. (cs)

Bild: Jörg Steffensen, General Manager Group Risk Management Modelling, bei einer von Kompetenzzentrum Versicherungswissenschaften und Norddeutscher Landesbank gemeinsam veranstalteten Tagung. (Quelle: cs)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten