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Munich Re: Nach Übernahme Zugang nach Down Under

28.08.2014 – cptVon VWheute-Korrespondent Philipp Thomas aus London.

Munich Re übernimmt den Ex-Rückversicherer Calliden Group. Dieser bringt Zugang zum australischen Erstversicherungsmarkt. Für 105,6 Mio. Australische Dollar wird Munich Re indirekt 100 Prozent des auf diverse Nicht-Leben-Nischen fokussierten Versicherer übernehmen. Rückversicherer suchen mitunter ihr Heil in der vertikalen Integration.

Kleine Erstversicherer, insbesondere solche, die de facto schon lange als ihre halbwegs unabhängigen Vertriebsarme fungierten, werden so übernommen. Eine ähnliche Munich Re betreffende Konstellation findet sich auch beim britischen Autoversicherer Admiral. Der Preis liegt um 34,8 Prozent über dem letzten Börsenkurs von Calliden. Der hatte in den letzten Jahren stark geschwankt. Grund hierfür waren magere Dividenden sowie Zweifel am strategischen Konzept der Gesellschaft.

Die Bruttoprämie hatte 2011 im Maximum 245 Mio. Australische Dollar erreicht. Wegen weitgehender Umstellung des Geschäftsmodells auf das einer bloßen Zeichnungsagentur, belief sich die 2013er Bruttoprämie aber nur noch auf 96 Mio. Dollar. Der 2013er Jahresgewinn nach Steuern hatte 6,2 Mio. Dollar betragen, nach 1,1 Mio. für 2012. Ende 2013 hatte Calliden ein Eigenkapital von 99 Mio. Dollar ausgewiesen.

Laut Website gibt es die Gesellschaft erst seit 2005. Allerdings ist sie hervorgegangenen aus der 1992 gegründeten Reinsurance Australia Corporation (Reac). Seit Anfang 2000 befand sich Reac im selbst administrierten Run-off, war jedoch gleichzeitig an der Australian Securities Exchange (ASX) weiter gelistet geblieben.

Der Run-off war trotz einiger haariger Episoden – es drohten beispielsweise 100 Mio. Australische Dollar Totalverluste unter Film Indemnity Deckungen für Hollywood-Filme – 2004 mehr oder weniger abgeschlossen worden. Damals hatte sich der Verwaltungsrat mit der Frage auseinandergesetzt, ob Reac liquidiert werden sollte, ob man die verbliebenen Aktionärsmittel in Lloyd’s Syndikate stecken sollte oder ob sich Reac in einem Nischenversicherer für australisches Geschäft verwandeln sollte.

Der Verwaltungsrat hatte sich für die letzte strategische Variante entschieden und zu diesem Zweck Nick Kirk als neuen CEO eingestellt. Ab Februar 2005 firmierte Reac zur Markierung der neuen Ausrichtung als Calliden Group. Es wurden zahlreiche kleine Zeichnungsagenturen eingekauft, meist unter Zahlung eines erheblichen Aufpreises. Die Combined Ratio verharrte auf allzu hohem Niveau und die über eine ganze Reihe von Plattformen verstreute gezeichnete Bruttoprämie gestattete keine wirkliche Rationalisierung des Geschäftsbetriebs.

Foto: VWheute-Korrespondent Philipp Thomas war zwischen 2000 und 2007 Mitglied des fünfköpfigen Reac-Boards und hat so eine ganze Reihe von Ablösungsverhandlungen geführt. Er war 2004 dafür eingetreten, unter Nutzung der australischen Steuer-Verlustvorträge die verbliebenen Aktionärsmittel in Lloyd’s Syndikate zu stecken.

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