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Munich Re macht auf Landwirt und erntet Kritik

17.11.2016 – Agrar_Rainer Sturm_pixelioDrei Wochen hat die Munich Re vergangenes Jahr gewartet, bevor sie die ATU Landbau kaufte. KTG Agrar hatte ihrer Tochtergesellschaft Land übertragen, dadurch habe der Rückversicherer in Brandenburg am Gesetz vorbei Land erwerben können, ohne Steuern zu bezahlen, berichtet die Taz. Grundsätzlich prüfe man bei jeder Transaktion, ob sie der unternehmerischen Verantwortung entspricht, sagt das Asset Management von Munich Re.

“Die Vergehen reichen von Landgrabbing – also der illegitimen Aneignung von Land – bis zum Austricksen des Finanzamts.” Zu diesem Schluss kommt die taz nach einer Recherche zum Einkauf der Munich Re in den brandenburgischen Agrarmarkt.

2.300 Hektar Land hat die Munich Re letztes Jahr vom damals größten deutschen Landwirtschaftskonzern gekauft. Nun hat die Taz recherchiert: Munich Re habe sowohl das Grundstückverkehrsgesetz als auch die Zahlung von Grunderwerbsteuern umgangen. Das Gesetz schreibt vor, zu verkaufendes Land zunächst Bauern vor Ort anzubieten.

Statt das Land direkt an die Munich Re zu verkaufen, habe die KTG Agrar das Land an ihre Tochter ATU Landbau überschrieben, schreibt die Taz. Dieser Eigentümerwechsel wurde vom zuständigen Landkreis Prignitz genehmigt, schließlich galt die ATU Landbau als brandenburgischer Landwirt. Ebendiese ATU Landbau hat die Munich Re drei Wochen später zu 94,9 Prozent erworben. Ab einer Übernahme von 95 Prozent wäre ebenfalls eine Steuer fällig geworden. Der Kaufpreis wird auf 28 Mio. Euro geschätzt, mit 1,8 Mio. Euro Grunderwerbsteuer. Für Munich Re sind das Peanuts: Das gesamte Land- und Gebäude-Investment der Munich Re liegt bei 2,7 Mrd. Euro.

Seit der Finanzkrise treten auf den Agrarmärkten vermehrt branchenfremde Investoren auf. Von KTG Agrar hatte Munich Re bereits 2014 4.400 Hektar gekauft – damals in Litauen. In Brandenburg haben sich die Preise für Agrarböden seit 2007 verdoppelt, berichtet die Taz. Aus Spekulationszwecken hat sich Munich Re allerdings nicht eingekauft, sie will die Pacht einstreichen. Diese kommt ebenfalls von KTG-Töchtern.

Auf Anfrage erklärt die Meag, die Kriterien für unternehmerische Verantwortung des Munich Re-Konzerns präge auch die Geschäftspraxis des Asset Managements. Die Taz hatte dies angezweifelt. Vollständig auschließen ließe sich nicht, dass politische und rechtliche Unsicherheiten die geschäftlichen Aktivitäten beeinträchtigen. “Für Munich Re ist wichtig, dass Flächen auch künftig langfristig und nachhaltig bewirtschaftet werden, was durch entsprechende Pachtverträge abgesichert ist,” schreibt die Meag in einer kurzen Stellungnahme gegenüber VWheute. Das Vertrauen in die Meag sei groß, insbesondere werde dies am Beispiel eines anderen Assets mit steigenden Preisen deutlich: Mieter stünden Schlange, um Mietswohnungen von Munich Re in der bayerischen Hauptstadt zu beziehen. Eines ist sicher: Hier gilt der Konzern als ortsansässig. (vwh/de)

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de

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