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Launische Wetterlage besser bewältigen

28.11.2016 – Neugebauer_Harald_GothaerDie Gothaer wird zum Wettermacher. In Zukunft möchte der Versicherer das Wetter vorhersagen, wenn er es schon nicht ändern kann. Dazu bedient sich der Kölner Konzern aber keiner magischen Riten, sondern hat mit einem Wetterdienstleister eine spezielle Software entwickelt. Grund genug für VWheute, bei Harald Neugebauer, Leiter des Kompetenzcenters Schaden bei der Gothaer, einmal nachzufragen: Was hat es mit dieser Idee auf sich?

VWheute: In der KFZ-Versicherung steigen die Schäden, weil die Instandsetzung der Autos immer aufwendiger wird, die Zahl der Unfälle ist dagegen rückläufig. Ist das bei Häusern ähnlich? Steigen durch Unwetter gar nicht die Anzahl der beschädigten Objekte, sondern ist ‘nur’ deren Wert/Instandsetzungskosten höher?

Harald Neugebauer: Ähnlich wie bei Autos, die mit immer mehr Technik versehen werden, kostet es die Versicherungswirtschaft auch zunehmen mehr, ältere Wohngebäude nach einem Unwetterschaden zu sanieren. Dies reicht von aktuellen energetischen Anforderungen und Vorschriften für die Wärmedämmung über die Reparatur von Solaranlagen auf dem Dach bis hin zu eingebauter SmartHome-Technik. Voraussetzung dafür ist allerdings eine adäquate Versicherungssumme, die die moderne Sanierung deckt. Aber auch mehr Risiken, sprich mehr Häuser sind betroffen, unter anderem aufgrund höherer Baudichte und größerer Flächenabdeckung der Naturereignisse.

VWheute: Rechnen Sie mit einer Zunahme der Schäden durch Unwetter in den kommenden Jahren und wenn ja in welchem Umfang?

Harald Neugebauer: Aufgrund der Klimaerwärmung ist weltweit eine Zunahme von Großwetterereignissen zu erwarten. Das sind in Deutschland vor allem Orkanböen und Starkregenereignisse. Der Umfang lässt sich schwer prognostizieren, auf alle Fälle ist mit größeren Schwankungen zu rechnen.

VWheute: Wie gehen Sie konkret vor, wenn nach ihrer Prognose ein schweres Unwetter droht und Sie einen erhöhten Bedarf an Regulierung erwarten – und was bedeutet “Intraday-Call-Steuerung”?

Anmerkung der Redaktion: Diese Frage beantwortete Uta Buchholz, Leiterin Stab des Gothaer Schaden-Service-Centers:

Die Prognose bezieht sich nicht auf das Unwetter an sich, sondern auf die Schäden, die wir bei der Gothaer nach einem Unwetterereignis erwarten. Diese Schadenprognose erhalten wir direkt am nächsten Morgen nach dem Unwetter. Je nach Art und Schwere des Ereignisses greift dann ein festes Maßnahmenportfolio, mit welchem wir sofort reagieren und sämtliche zur Verfügung stehenden Kapazitäten in der Schadenorganisation hochfahren können. Die Wochenarbeitszeit wird erhöht oder es werden Mitarbeiter aus Bereichen der Schadenorganisation herangezogen, die nicht von Unwetterschäden betroffen sind. Alle Einheiten unterstützen sich gegenseitig innerhalb des Standortes und standortübergreifend. Gleichzeitig aktivieren wir spezielle Servicemaßnahmen für unsere Kunden. Zum Beispiel geben die Mitarbeiter gezielte Hinweise und Handlungsempfehlungen an unsere Kunden, wir organisieren Sammelbesichtigungen für Fahrzeuge mit Hagelschäden oder unterstützen unsere Kunden vor Ort durch Regulierungsbevollmächtigte. Zum Teil werden die Schäden dann schon direkt vor Ort an den Kunden bezahlt.

Um dann im Nachgang alle Schäden auch zügig abzuarbeiten, greifen zum späteren Zeitpunkt weitere Maßnahmen, wie zum Beispiel kurzfristige Prozessverschlankungen oder das Einrichten telefoniefreier Slots zugunsten erhöhter Schriftgutbearbeitung. Wir schauen täglich, wie unsere Maßnahmen wirken und justieren nach, wenn es erforderlich ist oder neue Unwetter dazu kommen. Bei der Intraday-Call-Steuerung handelt es sich um eine Steuerung der Kapazitäten, die sich am Tagesverlauf der Call-Volumen ausrichtet.

VWheute: Warnen Sie ihre Kunden bei einem Unwetter vor – sodass sie beispielweise ihren Hausrat in Sicherheit bringen können oder Sicherungsmaßnahmen durchführen können?

Harald Neugebauer: Eine Unwetter-Warnung für all unsere Kunden haben wir nicht, da die Wetterereignisse sehr ortsspezifisch passieren. Zudem gibt es heutzutage bereits kostenfrei zugängliche sehr gute Wetter-Apps, hier empfehlen wir Warn-Apps wie beispielsweise die WarnWetter App vom Deutschen Wetterdienst.

VWheute: Nach ihrer Präsentation sind in Deutschland insgesamt 37 Prozent der Häuser gegen Elementarschäden versichert, in Baden-Württemberg aber 94 Prozent. Wie erklären Sie sich diese Diskrepanz und wie hoch wird der Anteil der versicherten Häuser gegen Elementarschäden in fünf Jahren sein?

Harald Neugebauer: Die starke Abdeckung von Elementarschäden in Baden-Württemberg ist historischen Ursprungs und liegt in der seinerzeitigen Pflichtversicherung begründet, die eine solche Deckung umfasste. In den anderen Bundesländern bestand diese Pflicht so nicht; einzig in den neuen Bundesländern über die alte staatliche DDR-Versicherung. Es ist davon auszugehen, dass sich die Versicherungsdurchdringung sukzessive erweitern wird. Die Bereitschaft für den Abschluss einer solchen Zusatzdeckung ist aktuell jedoch noch überschaubar.

Die Schäden durch Unwetter steigen, das hat der GDV bereits festgestellt – VWheute berichtete.

Das Klima verändert sich und bedroht Menschen, Häuser und Güter – das ist auch ein Problem der Versicherer, wie Swiss Re-Experte Andreas Spiegel sagt – VWheute berichtete.

Bild: Harald Neugebauer (Quelle Gothaer)

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

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