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Gerüchte um die Hamburger Feuerkasse: Blutet die –Versicherungsbranche in der Hansestadt weiter aus?

06.06.2014 – hamburger-feuerkasse-150-logoSturm im Wasserglas oder ist doch mehr daran? Schon wieder gibt es Unruhe in der Hamburger Versicherungsbranche, aber auch darüber hinaus. Nachdem erst vor einigen Wochen der Generali-Konzern die Auflösung der Volksfürsorge Vertriebsgesellschaft und deren Eingliederung in eine neue Generali Vertriebs AG bekannt gab, sind nun die rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hamburger Feuerkasse in heller Aufregung.

Nach Presse-Berichten plane die Provinzial NordWest mit Hauptstandorten in Münster und Kiel, zu der die Feuerkasse als älteste Versicherung der Welt zu 100 Prozent gehört, einschneidende Vorstandsentscheidungen. Diese sollen dann auch gravierende Auswirkungen auf die Existenz des alteingesessenen Hamburger Versicherers haben. Hintergrund sei, dass der Vertrag des Provinzial-Chefs Ulrich Rüther, gleichzeitig AR-Vorsitzender der Hamburger Feuerkasse, Ende 2014 auslaufe und nicht verlängert werden soll. Auch die Verträge zweier weiterer Vorstände würden auf der Kippe stehen.

Die Spekulationen um den Verkauf werden von Feuerkassen-Sprecher Christoph Prang dementiert. Die Eigentümer hätten erst Ende Mai in einer Erklärung den Verkauf auch der Hamburger Feuerkasse ausgeschlossen. Der Konzern habe im Rahmen der Neuausrichtung 2012 ein klares Bekenntnis zum Unternehmen abgegeben und ihm wichtige Konzernaufgaben übertragen. Dazu gehörten die Verarbeitung der Rechtsschutzverträge aller Konzern-Versicherer, das Industriegeschäft im Norden sowie die Konzern-Telefonzentrale. Konzern-Pressesprecher Jörg Brokkötter in Münster will sich zu all den Gerüchten nicht äußern. Er verneint, dass es Entscheidungen zu Vorstandsveränderungen gebe. Zu den Verkaufsgerüchten um den Gesamtkonzern verweist auch er auf die Presseveröffentlichung der vier Anteilseigner, dass eine Veräußerung nicht zur Debatte stehe.

Aufgeschreckt sind die Betriebsräte. Der Vorsitzende des Gremiums der Hamburger Feuerkasse, Ralf Neidhardt, sieht hinter den angeblich geplanten Vorstands-Entscheidungen knallharte Interessen der jeweils 40-prozentigen Eigentümer Sparkassenverband Westfalen-Lippe und Landschaftsverband Westfalen-Lippe. 18 Prozent der Anteile hält der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein, die restlichen zwei Prozent der ostdeutsche Sparkassenverband. „Wenn ein erfolgreich arbeitender Vorstand ausgetauscht werden soll, ist zu vermuten, dass auch das bisherige Geschäftsmodell in Frage gestellt wird“, lautet Neidhardts Schlussfolgerung. Die Beschäftigten seien beunruhigt über ein neuerliches Forcieren von Verkaufsplänen. Er fordert Unterstützung durch die Politik in Hamburg ein. Der öffentlich-rechtliche Status der Feuerkasse müsste bestätigt werden, das sei der frühere Eigentümer, die Freie und Hansestadt Hamburg, dem Unternehmen schuldig. „Wir brauchen jetzt politisches Handeln mit konkreten Ergebnissen, um aus der losgetretenen Debatte schnellstmöglich wieder rauszukommen.“

Aber auch die Beschäftigten des Gesamtkonzerns Provinzial NordWest sind beunruhigt. Derer Konzern-Betriebsratsvorsitzender und Aufsichtsratsmitglied Albert Roer, sieht hinter Verkaufs- und Personalgerüchten vor allem Aktivitäten von Rolf Gerlach, Präsident des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), der bereits den vor zwei Jahren misslungenen Versuch vorbereitet hatte, die Provinzial-Gruppe an die Allianz zu verkaufen. Hintergrund ist, dass die Provinzial-Eigentümer unter massiven Geldproblemen leiden, die durch die Abwicklung der WestLB und die Altlasten der HSH-Nordbank entstanden sind. Nach Protesten der rund 6.000 Beschäftigten an allen Standorten wurde der beabsichtigte Deal abgeblasen. Roer ist erstaunt über die neuerlichen Verkaufs- und Personalgerüchte: „Es gibt überhaupt kein Mandat des Aufsichtsrates, neue Vorstände zu suchen, unabhängig davon, ob und wann Verträge auslaufen.“ Die Provinzial-Gesellschaften lieferten hervorragende Geschäftsergebnisse ab, es gebe daher keinen Grund, Veränderungen vorzunehmen und ein erfolgreiches Vorstandsteam auszuwechseln.“ Er findet es daher paradox, ein Unternehmen, das wirtschaftlich derart gut laufe, jetzt durch erneute Verkaufspläne zu beschädigen. Roer kann sich gut vorstellen, dass Gerlach hinter den Kulissen weiter einen Verkauf vorbereitet.

Für den Erhalt des öffentlich-rechtlichen Versicherers hat sich inzwischen die SPD in Kiel stark gemacht, die die Koalitionsregierung in Schleswig-Holstein mitträgt. Ralf Stegner, Landesvorsitzender der Sozialdemokraten, erklärte, dass jegliche Form der Privatisierung am Widerstand seiner Partei scheitere. In Kiel arbeiten rund 1.000 Angestellte der Provinzial.
Der Verlust der Hamburger Feuerkasse würde eine weitere Schwächung des Versicherungsstandorts Hamburg bedeuten. Nach dem Verschwinden der Gesellschaften und ihrer Marken Albingia, Hamburg-Mannheimer, Volksfürsorge, Deutscher Ring sowie Personalabbauplänen bei der Signal-Iduna versinkt die Wirtschaftsmetropole bezüglich der Versicherungsbranche immer mehr in der Bedeutungslosigkeit. Der Freien und Hansestadt würde der Ruf verbleiben, weiterhin eine Hochburg der Versicherungsmakler zu sein. (wo)

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