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“Gefängnisstrafen werden wahrscheinlicher”

16.10.2015 – Manager_S. Hofschlaeger_pixelioDie neue EU-Richtlinie zur Änderung der Abschlussprüfung kann besonders bei kleinen und mittleren Wirtschaftsprüfern Schaden anrichten, die nur ein oder zwei treue Großkunden haben, für diese aber seit Jahrzehnten arbeiten. Versicherer können Wirtschaftsprüfern dabei behilflich sein, negative Auswirkungen abzumildern, erklären Jens Heienbrok und Simona Fumagalli von XL Catlin in einem aktuellen Beitrag.

Die neue Richtlinie sieht vor, die Unabhängigkeit von Abschlussprüfern zu stärken und so Interessenskonflikte zu vermeiden; Abschlussprüfungen sollen “informativer”, sprich transparenter werden. Die Revisionsaufsicht wird verschärft. Die EU spricht deshalb von “einem wichtigen Schritt zur Wiederherstellung des Vertrauens in Finanzinstitute.”

Die Pflichtrotation wird – zumindest anfänglich – dazu führen, dass die Portfolios der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften schrumpfen. Die Wirtschaftsprüfer werden sich nach Ersatzmandaten umschauen müssen. Ein weiteres Problem: Um diese Verluste wettzumachen, könnten sich kleinere Firmen dazu gezwungen sehen, ihr Dienstleistungsangebot auszuweiten – auch auf Gebiete, auf denen sie nicht über die nötige Expertise verfügen, so dass das Risiko unsachgemäßer Prüfungen zunimmt. Die Pflichtrotation und die Auflagen für detailliertere Prüfungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die nachfolgenden Wirtschaftsprüfer “Fehler” aufspüren, insbesondere in der Arbeit ihrer Vorgänger. Letztendlich setzt das alle Wirtschaftsprüfer einem höheren Risiko aus, denn Rechtsstreitigkeiten, Strafzahlungen, Insolvenzen und sogar Gefängnisstrafen werden wahrscheinlicher.

Versicherer können Wirtschaftsprüfern dabei behilflich sein, negative Auswirkungen aufs Portfolio abzumildern und sie dabei unterstützen, das Risikomanagement auf die neue Lage einzustellen. In der jetzigen Übergangsphase zur neuen Regelung sollte das Hauptaugenmerk auf dem Risikomanagement liegen. Es sollte beinhalten: sorgfältige Auswahl der Kunden, Ausgleichsplanung für wegfallende Umsätze – besonders wichtig für kleinere und mittlere Unternehmen – und die Ausrichtung auf Spezialgebiete.

Link: EU-Reform bringt neue Risiken für Wirtschaftsprüfer. Von Jens Heienbrok, Senior Underwriter Professional Indemnity Simona Fumagalli, Chief Underwriting Officer, International Professional Indemnity. (XL Catlin Fast Fast Forward)

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