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“Elektroautos keineswegs riskanter”

09.11.2016 – frank_edelmeier_axa“Elektroautos sind im Schadenverlauf keineswegs riskanter als andere Fahrzeuge”, konstatiert Frank Edelmeier, Leiter des Geschäftsfeldes Kraftfahrt bei Axa, gegenüber VWheute. Dennoch sollten die Fahrer “auch wegen der geringeren Fahrgeräusche” besonders aufmerksam im Straßenverkehr sein. Zudem sei es für die Autobauer “problemlos möglich, ihre Neufahrzeuge bis 2030 flächendeckend mit Elektromotoren auszustatten”.

VWheute: Die Grünen haben unlängst einen Umstieg auf Elektromobilität bis 2030 gefordert. Wie realistisch halten Sie diesen Vorschlag?

Frank Edelmeier: Elektrofahrzeuge werden sich als nachhaltiges Verkehrsmittel langfristig durchsetzen, insbesondere auch weil die Menschen heute mehr und mehr den Anspruch haben, sich effizient und sauber fortzubewegen. Dass die Autobauer es schaffen werden, ihre Neufahrzeuge bis 2030 flächendeckend mit Elektromotoren auszustatten, halte ich für problemlos möglich. Wichtig ist es aber auch, die technischen Verbesserungen der Batteriegröße, -laufzeit und -ladezeit weiter voranzutreiben sowie die Ladeinfrastruktur auszubauen, was auch bereits angelaufen ist.

Ein politischer Vorstoß würde den Umstieg auf Elektromobilität sicherlich beschleunigen, ob er dann bereits 2030 realisiert wird, bleibt abzuwarten. Wir selbst fördern bereits heute mit Ladeplätzen vor der Axa-Hauptverwaltung, die Mitarbeiter, Besucher und Nachbarn jederzeit kostenlos nutzen können, mehr Nachhaltigkeit im Bereich Mobilität. Unabhängig davon werden Benziner jedoch noch über Jahrzehnte hinweg auf deutschen Straßen zu sehen sein und auch von uns versichert werden.

VWheute: In der Versicherungsbranche werden derzeit vor allem digitale Tarife rund um Telematik heiß diskutiert. Welche Herausforderungen bringt der Markt für E-Fahrzeuge aus Ihrer Sicht für die Kfz-Versicherer mit sich?

Frank Edelmeier: In erster Linie bringt der Markt für E-Fahrzeuge viele Vorteile mit sich: Stromer haben geringere Betriebs- und Wartungskosten und werden wesentlich nachhaltiger betrieben als Fahrzeuge mit einem Verbrennungsmotor. Eine leicht veränderte Situation ergibt sich für Kfz-Versicherer dadurch, dass Stromer über einen Akku verfügen, der ebenfalls zu versichern ist. Zudem kann es beim Abschleppen von Elektroautos zu Beschädigungen kommen, denn im schlimmsten Fall kann hierbei ein Motorschaden verursacht werden. Nicht alle Abschleppdienste dürfen daher einen Stromer abschleppen.

VWheute: Elektrofahrzeuge gelten insofern als nicht gerade ungefährlich, da sie nahezu lautlos im Straßenverkehr unterwegs sind und somit zur Gefahr für Fußgänger und Radfahrer werden könnten. Wie gehen Sie als Versicherer mit diesem Risiko um und wo sehen Sie seitens der Autobauer noch Nachholbedarf.

Frank Edelmeier: Bislang sind unseren eigenen Erfahrungen zufolge Elektroautos im Schadenverlauf keineswegs riskanter als andere Fahrzeuge. Auch unsere Unfallforscher haben bestätigt, dass derzeit kein erhöhtes Schadenaufkommen – etwa verursacht durch die Tatsache, dass die Fahrzeuge im Straßenverkehr anders als kraftstoffbetriebene Fahrzeuge kaum Geräusche erzeugen – festzustellen ist. Allerdings gibt es derzeit erst rund 25.000 E-Fahrzeuge in Deutschland – die bisherigen Erfahrungen sind demnach noch nicht so aussagekräftig.

Und auch beim GDV und beim Kraftfahrtbundesamt gibt es derzeit noch keine Zahlen zum Schadenverlauf mit E-Autos. Grundsätzlich gilt jedoch: Fahrer von Elektrofahrzeugen sollten – auch wegen der geringeren Fahrgeräusche – besonders aufmerksam im Straßenverkehr sein, um Unfälle mit anderen Verkehrsteilnehmern, insbesondere mit Fußgängern oder Radfahrern, zu vermeiden. Sollte irgendwann nachgewiesen werden, dass von Elektrofahrzeugen ein erhöhtes Sicherheitsrisiko ausgeht, wären die Autobauer aus meiner Sicht auch kurzfristig in der Lage, darauf mit verschiedenen Maßnahmen, etwa simulierten Motorengeräuschen, zu reagieren.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Frank Edelmeier, Leiter des Geschäftsfeldes Kraftfahrt bei Axa. (Quelle: Axa)

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