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Deutsche Unternehmen profitieren vom Iran

26.01.2016 – ludovic_subran_eulerhermesDie Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran bedeutet auch für deutsche Unternehmen große Chancen, aber auch manche Risiken. “Die wirtschaftlichen Potenziale im Iran sind groß, gerade auch für deutsche Exporteure”, sagt Ludovic Subran, Chefvolkwirt bei der Euler Hermes Gruppe. Dennoch sei es “kein ‘El Dorado’, bei dem nach Aufhebung der Sanktionen sofort das Gold auf der Straße liegt”, betont der Experte.

Eine Hürde sieht der Kreditversicherer derzeit darin, dass der Finanzdienstleistungssektor im Iran praktisch nicht existent sei. “Mittel- und langfristig wird das Land mit seinen 80 Millionen potenziellen Kunden jedoch sehr interessant werden. Nicht ohne Grund stehen die ersten Firmen bereits in den Startlöchern”, ergänzt Subran.

So definiert der Chefvolkswirt des Kreditversicherers für allem vier Gründe, weshalb gerade deutsche Unternehmen von den neuen Marktchancen in der Islamischen Republik profitieren. Demnach werden “die Branchen, in denen deutsche Exporteure besonders stark sind, in den kommenden Jahren eine große Nachfrage erleben”, prophezeit Subran. Zudem genieße die deutsche Industrie “einen hervorragenden Ruf”.

Ferner habe der Iran “eine weit entwickelte Wirtschaft mit einer zum Großteil hochgebildeten Bevölkerung”. Der Bedarf an hochwertigen Markenprodukten sei zudem groß, zumal ein Teil der Bevölkerung den wesentlich höheren Lebensstandard von vor den Sanktionen kennt, erläutert Euler Hermes. Außerdem “lebt in Deutschland eine sehr große iranische Gemeinde, die mit ihrer Zweisprachigkeit deutschen Unternehmen den Weg in den Iran ebnen könnte”, ergänzt Subran. Den vierten Grund sieht der Kreditversicherer in der Türkei. Die könne “durch ihre langjährigen Handelsbeziehungen ein Türöffner für den Iran” werden, betont Subran: “Davon profitieren deutsche Firmen mit Niederlassungen in der Türkei.”

Insgesamt ist der Nachholbedarf im Iran sehr groß, konstatiert Euler Hermes weiter, besonders in den Bereichen Nahrung, Medizin, es fehlt an Waschmaschinen, Autos, Produktionsanlagen und Infrastruktur. Demnach fehlen dem Land seit 2011 aufgrund der Sanktionen Importe in Höhe von 30 Mrd. Euro. Durch die Ölvorkommen verfügt der Iran nach Ansicht des Kreditversicherers zudem über die entsprechenden finanziellen Mittel, diesen Nachholbedarf zu finanzieren.

So geht der Kreditversicherer davon aus, dass sich die deutschen Exporte in den kommenden fünf Jahren verdoppeln können, auch wenn es eine ernstzunehmende Konkurrenz aus China gebe. “Ölexporte aus dem Iran nach China werden beispielsweise in Renminbi beglichen”, sagt Subran. “Dadurch haben viele iranische Unternehmen und Finanziers hohe Reserven in dieser Währung und sind quasi dadurch gezwungen, chinesische Produkte zu kaufen. Das ist quasi der Teufelskreis aus Exporten in Renminbi”, resümiert Subran.

Unsicherheiten sieht Euler Hermes hingegen noch im allgemeinen Geschäftsumfeld, insbesondere durch die Hürden der Bürokratie. Daneben sehen die Experten auch ein hohes Kreditrisiko: “Unternehmensdaten wie Bilanzen sind nur in geringem Umfang öffentlich zugänglich – Lieferanten kaufen also quasi die Katze im Sack und haben keine Möglichkeit, die Bonität ihrer Abnehmer zu bewerten. Ohne entsprechende Informationen oder Absicherungsmöglichkeiten ist das Risiko hier deshalb enorm. Auch die juristischen Grundlagen sind derzeit relativ unsicher, Unternehmen müssen sich also vorsichtig herantasten an Gerichte oder auch die Handhabung von Insolvenzverfahren”, betont Subran.

Hinzu kommt laut Euler Hermes noch ein politisches Restrisiko. Demnach sei noch nicht klar, inwieweit der iranische Staat selbst nach Aufhebung der Sanktionen auf den Handel Einfluss nehmen wird. Hinzu kommen die aktuellen Spannungen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien. (vwh/td)

Bild: Ludovic Subran, Chefvolkwirt bei der Euler Hermes Gruppe (Quelle: Euler Hermes)

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