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“Deutsche Exporteure auf dem Gaspedal”

18.04.2016 – Container_by_URSfoto_pixelio.deDie deutschen Exporte befinden sich derzeit auf der Überholspur. Gleichzeitig steigen hingegen auch die Risiken und Insolvenzen, konstatiert Euler Hermes. Trotz stagnierendem Welthandel winken den deutschen Unternehmen in den kommenden Jahren zusätzliche Exporte in Höhe von 104 Mrd. US-Dollar, prognostiziert der Kreditversicherer.

“Der deutsche Export ist derzeit ein bisschen wie die Formel 1 – hohes Tempo und steigende Risiken, überraschende Überholmanöver und die Gefahr von unerwarteten Remplern aus dem toten Winkel”, sagt Ron van het Hof, Vorstandsvorsitzender von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

“Die Exporteure drücken mächtig aufs Gaspedal. Sie verzeichnen in den kommenden beiden Jahren sogar einen stärkeren Zuwachs bei den Exporten als China (+96 Mrd. US-Dollar) und sichern sich mit diesem Überholmanöver beim Wachstum die ‘Pole Position’.

Allerdings lauern laut Euler Hermes auch größere Risiken auf der Strecke. So rechnet der Kreditversicherer für 2016 erstmals seit sieben Jahren wieder mit einen Anstieg der weltweiten Unternehmenspleiten um zwei Prozent. “Exportieren bleibt riskant – aber ohne geht es nicht”, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt von Euler Hermes.

Allein bei drei der fünf wichtigsten Handelspartner Deutschlands rechnen die Experten des Kreditversicherers mit einem Anstieg der Insolvenzen und damit mit einem höheren Risiko. “Bei Spitzenreiter USA rechnen wir mit drei Prozent mehr Insolvenzen, in Großbritannien mit einem Anstieg um ein Prozent und in China sogar um 20 Prozent. In den Niederlanden und beim zweitwichtigsten Handelspartner Frankreich sind die Pleiten rückläufig – wenngleich bei den Franzosen weiterhin in der Nähe des Rekordniveaus”, ergänzt Subran.

Dazu rechnet Euler Hermes auch bei den von China abhängigen asiatischen Zulieferländer Taiwan (+17 Prozent), Singapur und Hongkong (je +15 Prozent) sowie die ebenfalls von der “China-Grippe” betroffenen lateinamerikanischen Staaten Kolumbien (+13 Prozent) und Chile (+11 Prozent). Australien (+12 Prozent), Südafrika (+10 Prozent), die Türkei (+8 Prozent), Russland (+7 Prozent), Griechenland und die Schweiz (je +3 Prozent) verzeichnen ebenfalls einen Anstieg bei den Insolvenzen.

“Die deutschen Exporteure setzen beim Wachstum der Ausfuhren zum Überholmanöver an”, ergänzt Subran. “Und das, obwohl sich der begünstigende Währungsturbo, der deutsche Waren im Ausland billiger macht, abschwächt. Die potenziellen Exportzuwächse außerhalb der Eurozone fallen entsprechend weniger hoch aus als noch 2015. Insofern legen Ausfuhren nach Frankreich 2016 stärker zu als in die USA, die 2015 erstmals den Thron als wichtigster Handelspartner der Deutschen bestiegen haben. Großbritannien bleibt in der Boxengasse stecken und Exporte ins Königreich können nur noch minimal zulegen. Zu den Verlierern bei den deutschen Exportmärkten zählen Griechenland, Russland und Brasilien”, so der Chefvolkswirt von Euler Hermes.

Insgesamt rechnet Euler Hermes mit stabilen Gewinne der deutschen Exporteure. Allerdings hätten sich die Gewinnerwartungen wegen der Turbulenzen – insbesondere in den Schwellenländern – verschlechtert. Auch die Margen liegen laut Kreditversicherer unter dem langfristigen Durchschnitt. Dennoch seien viele der Unternehmen robust aufgestellt.

“Interessant ist, dass zwar die Zahlungsverzögerungen im vergangenen Jahr rückläufig waren, dass aber die Zahlungsausfälle um drei Prozent gestiegen sind”, betont Subran: “Zusammen mit dem hohen Wettbewerbsdruck und den unterdurchschnittlichen Margen ist dies ein Vorbote für die von uns prognostizierte Trendwende mit erstmals wieder stagnierenden Insolvenzen in Deutschland in 2016 und einem leichten Anstieg 2017.”

Dennoch halte 2016 laut Subran noch einige “‘böse Überraschungen’ in der Hinterhand”. “Eine Welle von Kapitalverkehrskontrollen könnte beispielsweise die Schwellenländer erreichen. Zudem halten politische Unsicherheiten durch Neuwahlen und drohende soziale Unruhen in zahlreichen Ländern wie beispielsweise Thailand, Brasilien oder auch in der Türkei 2016 die Politik und vor allem auch die Wirtschaft in Atem. Sogar direkt vor der eigenen Haustür in Europa lauern diese zum Teil, allen voran ein drohender “Brexit” oder Neuwahlen in Spanien. Aber auch die Konflikte in der Türkei und im Nahen Osten werfen ihre wirtschaftlichen Risikoschatten voraus. (vwh/td)

Bildquelle: URSfoto / pixelio.de

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