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Dai-Ichi Life will 100 Prozent von Protective Life übernehmen

03.06.2014 – Der zweitgrößte japanische Lebensversicherer Dai-Ichi Life verhandelt derzeit über den Erwerb von 100 Prozent des in Birmingham/Alabama ansässigen 107 Jahre alten US-Lebensversicherers Protective Life.

Protective Life verwaltete per Ende 2013 ein Vermögen nach GAAP von 68,8 Mrd. US-Dollar, davon 5,5 Mrd. Dollar in Form von Hypotheken auf gewerblich genutzte Grundstücke. Sie genießt ein AA-Rating von S&P, ein A+ von AM Best, ein A von Fitch und ein A2 von Moody’s. Das Portefeuille besteht aus Lebens- und Rentenpolicen, die 2013er Bruttoprämie betrug 2,981 Mrd. Dollar. Auf der Passivseite der Bilanz finden sich 1,585 Mrd. Dollar an Verbindlichkeiten sowie 541 Mio. Dollar an nachrangigen Obligationen.

Die 1907 gegründete Protective ihrerseits hatte in den letzten Jahren eine Reihe von Akquisitionen verdaut: 2006 Chase Insurance Group (Ende der Bankassurance Strategie der Chase Manhattan Bank), 2006 United Investors Life und Liberty Life sowie 2013 Mony Life Insurance Company. Dies legt den Verdacht nahe, dass Protective Life aus noch nicht recht zusammengewachsenen Einzelportefeuillen bestehen könnte, womöglich auch noch mit disparater EDV.

Protective Life ist an der NYSE. gelistet. Die Marktkapitalisierung liegt derzeit beim 11,5-fachen Jahresgewinn bzw. 96,7 Prozent des Buchwerts der Gesellschaft (wiederum eine Funktion subjektiver aktuarieller Annahmen) und beträgt 4,123 Mrd. Dollar (immer noch weit unter dem im Raum stehenden Übernahmepreis), wobei jedoch der Kurs in den letzten Monaten bereits um 37 Prozent (wissende Insider?) gestiegen war. Dies legt den Verdacht nahe, dass ein Übernahmepreis von fünf Mrd. Dollar eine erhebliche Überzahlung bedeuten würde. Die Erwerberin würde dann 877 Mio. Dollar für Goodwill hinlegen, dessen Nachhaltigkeit periodisch für Zwecke der Konzernbilanz zu überprüfen wäre. Andererseits wäre ein Verkauf weit über dem Marktwert für den seit 1997 amtierenden 61-jährigen CEO John D. Johns, einen Harvard MBA, ein krönender Karriere-Abschluss und die Möglichkeit die seit Jahren angesammelten Aktien-Optionen zu versilbern.

Entscheidend für Dai-Ichi Life ist wohl die Begrenztheit des eigenen Markts (schrumpfende und überalternde Bevölkerung bei über Dekaden gegen Null tendierender Investmentrendite). Die nun wohl geplante strategische Flucht nach vorne im Wege von übers Knie zu brechenden überteuerten Akquisitionen könnte sich einige Jahre später als verhängnisvoll herausstellen. Aber möglicherweise stimmt man dann in Tokyo auch ein begeistertes „sweet home, Alabama“ an. Dai-Ichi’s Aktionäre quittierten den möglichen Deal erst einmal mit einem fünf-prozentigen Kursrückgang. (cpt)

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