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Brexit: Ruhe vor dem Insolvenzsturm

21.10.2016 – Insolvenz Inkasso by_I-vista_pixelio.deDie britische Wirtschaft zeigt sich nach dem EU-Referendum derzeit noch recht stabil und täuscht so über die langfristigen Konsequenzen des EU-Austritts hinweg, die das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) hemmen. Zu diesem Ergebnis kommt der Kreditversicherer Euler Hermes in einer aktuellen Marktstudie. So gerate die Profitabilität der Unternehmen zunehmend unter Druck.

Gleichzeitig verschlechtere sich die Zahlungsmoral zunehmend und bei den Insolvenzen zeichne sich eine Trendwende ab, heißt es in der Studie weiter. Nach vier Jahren erwartet der Kreditversicherer erstmals wieder einen Anstieg der Pleiten erwartet. Zudem dürfte sich dieser Trend in den kommenden drei Jahren anhalten und sogar noch intensivieren.

“Der Wendepunkt lässt sich sogar genau bestimmen: Seit dem zweiten Quartal haben Insolvenzen in Großbritannien angezogen”, sagte Ron van het Hof, Vorstandsvorsitzender von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. “Zuvor waren die Fallzahlen vier Jahre in Folge rückläufig. Zwar hat sich das Risiko einer Rezession durch die schnelle Benennung der neuen Premierministerin sowie durch die effiziente Nutzung der Geldpolitik verzögert, vom Eis ist die Kuh aber noch lange nicht”, ergänzt der Manager.

“Die Zukunftsaussichten und die Attraktivität für künftige Investitionen aus dem Ausland haben bereits durch die Brexit-Unsicherheit und die möglichen Austrittsszenarien gelitten. Derzeit ist das wohl die Ruhe vor dem Insolvenz-Sturm”, betont van het Hof.

Zudem bräuchten Unternehmen “Planungssicherheit. Sie müssen dabei künftige Risiken berücksichtigen und genau verstehen, inwiefern der Brexit genau ihr Geschäftsmodell negativ beeinflussen könnte. Wenn investitionsintensive Branchen bei wichtigen Entscheidungen jetzt auf der Stelle treten, könnte das in der Zukunft weniger Produktionsmengen und Jobs bedeuten”, prognostiziert der DACH-Chef von Euler Hermes.

Daneben könnte der Brexit zu einem Investitionsstau führen: Übernahmen und Fusionen liegen vermehrt auf Eis. “Zudem führt die Unsicherheit zu einem Investitionsstau bei Fusionen und Übernahmen”, ergänzt Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe. “Um ganze 30 Prozent sind in den vergangenen zwölf Monaten die Transaktionen gestiegen, die derzeit auf Eis liegen. Viele Unternehmen warten auf den formellen Beginn der Austrittsverhandlungen, bevor sie anfangen, ihre Planungen für Arbeitsplätze und Investitionen anzupassen.”

Demnach sind laut Euler Hermes die Zahlungsverzögerungen im 2. Quartal 2016 beispielsweise in der Papierindustrie um 42 Prozent gestiegen, im Dienstleistungssektor um 38 Prozent, im Baugewerbe um 37 Prozent und in der Textilbranche um 34 Prozent. Branchenübergreifend verzeichnete Großbritannien einen Anstieg der Zahlungsverzögerungen um vier Prozent.

So rechnen die Experten von Euler Hermes in diesem Jahr mir rund 20.000 Insolvenzen. Dies sei ein Anstieg von voraussichtlich einem Prozent gegenüber 2015. 2017 allerdings dürfte es einen sprunghaften Anstieg um acht Prozent auf rund 21.800 Fälle geben und weitere sechs Prozent in 2018 auf 23.100 Pleiten. Hauptgrund sei die Brexit-Unsicherheit.

“2019 kommt es dann auf das Ausstiegsszenario an”, prognostiziert Subran. “Bei einem weichen Ausstieg mit Freihandelsabkommen rechnen wir mit einem weiteren Plus von neun Prozent auf dann 25.170 Fälle. Beim harten Ausstieg wären es sogar voraussichtlich 15 Prozent mehr Pleiten und dann 26.570 Fälle. Dieser Anstieg wird zu einem schlechteren Geschäftsklima und einem Rückgang der Inlandsnachfrage führen”, erläutert der Ökonom. (vwh/td)

Bildquelle: I-vista / pixelio.de

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