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Bodo Sartorius: “Dem Kunstmarkt fehlt es an Transparenz”

02.12.2014 – bodo_sartorius_cptDiverse Betrugsfälle auf dem Kunstmarkt haben in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen gesorgt und auch die Kunstversicherungen beschäftigt. Bodo Sartorius, COO beim New Yorker Spezialversicherer Aris Art Title Insurance, erläutert in einem Interview mit VWheute die Ursachen und Auswirkungen auf die Versicherer. Darin beklagt er vor allem die mangelnde Transparenz, mit denen die Versicherer konfrontiert werden.

VWheute: Woran krankt der derzeitige Markt für Kunst und Collectibles?

Bodo Sartorius: Die erstaunliche Wertentwicklung der letzten Jahrzehnte und die bestehende weitgehende Intransparenz des Marktes haben dazu geführt, dass wir vermehrt mit dubiosen und zum Teil kriminellen Machenschaften konfrontiert werden. Viele Käufer erwerben z.B. Kunst ohne vorher in der Tiefe die Eigentumsrechte geprüft zu haben. Und Verkäufer haben nicht selten Lücken bezüglich der Herleitung ihrer Rechtstitel.

Insgesamt führt dies dazu, dass der Erwerb letztendlich mit erheblichen Unsicherheiten behaftet sein kann. Gleichzeitig sind aber auch verstärkte Anstrengungen zu beobachten, dass die früheren Eigentümer die Kunstwerke zurückfordern. D.h. die Wahrscheinlichkeit steigt, dass der Erwerber mit einem Restitutionsanspruch konfrontiert wird.

Wie ließe sich das aufkommende Vertrauensdefizit zwischen Käufern und Verkäufern reduzieren?

Dem Kunst- und Collectibles Markt mangelt es nicht nur an Transparenz bezüglich der gehandelten Objekte sondern auch an konsistenten Transaktionsprozessen. In den meisten Fällen sind Verkäufer und Käufer nicht miteinander bekannt und stehen auch nicht im direkten Kontakt. Überdies herrscht eine beträchtliche Informationsasymmetrie. Dies resultiert dann auch aus meiner Sicht in sehr hohen Transaktionskosten bzw. Margen (bis zu 50 Prozent). Käufer und Verkäufer benötigen daher vertrauenswürdige und den Markt überblickende Berater sowie auch eine Abdeckung des trotz aller Due Diligence verbleibenden Rechtstitelrisikos.

Welche Rolle spielt ein Provenienzversicherer?

Ein Provenienzversicherer übernimmt gegen Prämie einen Teil der ansonsten vom Käufer eines Objekts zu tragenden Risiken. Mögliche Schäden sind nicht auf Werke mit einer Dekade oder gar Jahrhunderte langen Provenienz beschränkt, sie sind auch gerade bezüglich von “Junger Kunst” durchaus möglich. Allerdings nur nach sorgfältiger Analyse der Identität und der Provenienz des Objekts wird eine entsprechende Deckung geboten, die für den Erwerber zunächst zeitlich unbegrenzt gilt. Wird später der Erwerber mit Forderungen Dritter konfrontiert, so steuert und bezahlt der Versicherer die Rechtsverteidigung. Sollte das von Dritten behauptete Recht tatsächlich bestehen, so versucht der Versicherer eine außergerichtliche Einigung herbeizuführen.

Im schlimmsten Fall zahlt er dem Käufer die volle Versicherungssumme. Diese Art Deckung ermöglicht es dem Käufer auch seinen Kauf durch einen Kredit zu finanzieren, d.h. der zu besichernde Gegenstand wird in den Augen der Bank aufgewertet. Im Fall von Kunstfonds sollte es mittlerweile gar ein Gebot der Corporate Governance sein, Provenienzrisiken von den Fondsbeteiligten abzuwälzen.

Wäre es denkbar, dass Aris neben Provenienzrisiken auch noch die Echtheit von Werken bzw. die Korrektheit der Beschreibung oder gar auch noch den Wert garantiert?

Nicht zu leugnen ist das erhebliche Bedürfnis von potenziellen Käufern auch in Sachen Echtheit (einschließlich der korrekten Datierung und Zuschreibung) gedeckt zu sein. Allerdings sind Echtheitsrisiken gänzlich anderer Natur als Provenienzrisiken: es geht nicht um eine rein rechtlich-historische Beurteilung, sondern um eine kunstgeschichtliche Kategorisierung. Zurzeit halte ich dieses Risiko für nicht versichbar, insbesondere da eine fälschungssichere “Markierung” von Objekten noch nicht verfügbar ist. In vielleicht fünf Jahren werden wir dies möglicherweise anders beurteilen. (vwh)

Die Fragen stellte VWheute-London-Korrespondent Philipp Thomas.

Bild: Bodo Sartorius (Quelle: Philipp Thomas)

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