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BGV: “Wachstum und Gewinn sind mehr als Luftschlösser”

17.05.2016 – Heinz Ohnmacht BGV - quelle BGVOhne einen Sondereffekt würde der Gewinn auf Vorjahresniveau von 5,2 Mio. Euro verharren. Doch dank der Verschmelzung zweier Tochtergesellschaften hat der Regionalversicherer BGV ein Rekordergebnis von 8,2 Mio. Euro erwirtschaftet. Während Kunden sich auf Beitragsrückerstattungen freuen, hadert BGV-Chef Heinz Ohmacht mit Bafin-Auflagen und Niedrigzinsen. Letzteres zwingt die Badener viel in Aktien zu investieren.

“Trotz der Niedrigzinsen und einer noch nie zuvor dagewesenen Regulierungsdynamik im Versicherungs-und Bankensektor entwickeln wir uns weit besser als der Markt”, teilte Heinz Ohmacht auf der Bilanzpressekonferenz mit. Der Vorstandsvorsitzende der Versicherungsgruppe BGV / Badische Versicherungen bezeichnet die Regulierungsanforderungen der Bafin als “belastend”. Das Risikomanagement sei vor einigen Jahren noch eine leichte Aufgabe gewesen, jetzt müsse man aber diversifizieren. “Unser Engagement in Aktien liegt im zweistelligen Bereich und damit weit über dem Branchendurchschnitt. Ebenso setzen wir viel auf Immobilien und regionale Mittelstandsfonds. Wir sind jedoch in keinem Projekt mit über 20 Mio. investiert”, erklärt der BGV-Chef.

Trotz des schwierigen Umfelds konnte der Regionalversicherer mit Sitz in Karlsruhe die Zahl der Versicherungsverträge im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf 1,67 Mio. Verträge (2014: 1,63 Mio.) steigern. Die gebuchten Beiträge überstiegen erstmals die 300-Millionen-Marke und lagen bei 315,9 Mio. Euro (2014: 299,0 Mio. Euro). Das entspricht einer Beitragssteigerung von 5,7 Prozent. Der Gewinnsprung resultierte jedoch aus der Verschmelzung der beiden Tochterunternehmen Badische Allgemeine Versicherung AG und BGV-Versicherung. Dadurch konnte der BGV das versicherungstechnische Vorsorgekapital bei der Badischen Allgemeinen Versicherung AG senken und im Gegenzug das Eigenkapital durch eine hohe Zuführung in die Gewinnrücklagen stärken.

Im Gewerbegeschäft stammen zwei Drittel des Beitragsvolumens aus der Kfz-Versicherung im Flottengeschäft. Zukünftig wolle man die Tarife für Gaststätten, Hotels und Apotheker weiter ausbauen, erklärt Vorstandsmitglied Edgar Bohn. Bei der Einführung von Telematiktarifen zeigen sich die Badener indes zurückhaltend. “Das ist vom Datenschutz her nicht ganz trivial”, sagt Bohn. “Allerdings werden bei uns bereits Fahrerassistenz-Systeme beitragsmindernd in den Tarifen berücksichtigt.” Für den Regionalversicherer ist vielmehr das Carsharing ein zentrales Zukunftsthema, “gerade weil die Autobauer mit eigenen Versicherungsprodukten immer stärker werden”, betont Ohnmacht. Deswegen versucht auch der BGV mit Autohäusern zu kooperieren, die ihre Kfz-Police mit dem Autoverkauf verknüpfen.

Nach dem guten Schadenjahr 2014 stiegen die Aufwendungen für Versicherungsfälle im vergangenen Jahr moderat auf 192,9 Mio. Euro (2014: 184,8 Mio.). Das entspricht 79,2 Prozent der verdienten Beiträge (2014: 81,4%). Die Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb stiegen ebenfalls auf knapp 36 Mio. Euro (2014: 32 Mio. Euro). Das entspricht 14,8 Prozent der verdienten Beiträge (2014: 14,1 Prozent). Mit 94 Prozent kann der BGV für 2015 die beste Combined Ratio der vergangenen Jahre ausweisen. Der Brand des Schwaketenbads in Konstanz war mit 17 Mio. Euro der größte Schadensfall im vergangenen Jahr.

Dank des guten Geschäftsverlaufs schüttet der BGV in diesem Jahr die Rekordsumme von 6,0 Mio. Euro (2014: 5,7 Mio. Euro) aus. Für die Zukunft sind die Badener zuversichtlich, das Rekordergebnis sei kein Luftschloss. Die Bestandsbeiträge stiegen im ersten Quartal 2016 zum Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent auf 317,9 Mio. Euro (Q 1 2015: 306,6 Mio.). Der BGV investiert in ein neues Kundencenter in Pforzheim und plant dieses Jahr noch ein Büro in Rastatt zu eröffnen.

Denn die Kunden würden sich zwar online informieren, aber tätigen den Abschluss beim Vertreter, stellt BGV-Chef Ohnmacht fest. “Für die Kunden ist nur wichtig, dass der Direkttarif sich nicht von dem in einem Beratungsgespräch unterscheidet. 20 Prozent des Geschäfts erfolgt über Internet oder Telefon. Daher ist es gerade eine Voraussetzung, dass wir auch im Netz erreichbar sind, um weiterhin Geschäfte auf allen Kanälen zu machen”, betont Ohnmacht.

Als Regionalversicherer sieht sich der BGV auch nicht im Visier der Fintechs. “Einige Fintechs wollten mit uns Kooperationen eingehen, aber dann stellte sich heraus, dass sie nur normale Makler sind. Die Fintechs sind bereits am Sterben”, stellt Vorstandsmitglied Raimund Herrmann klar. (dg)

Bild: Heinz Ohnmacht, Vorsitzender des Vorstands Badischer Gemeinde-Versicherungs-Verband, BGV-Versicherung AG, Badische Allgemeine Versicherung AG (Quelle: BGV)

Report: “Beim Versicherungsschutz zählen vor allem Service und Nähe”, in Value 02/16. (Einzelbeitrag)

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