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Betriebsrisiko Versicherer-IT

11.07.2016 – Moritz_AfbZwar laufen viele Altsysteme stabil, stellt IT-Experte Enrico Moritz fest. “Nicht selten kommen gar verschiedene Systeme zur Verwaltung unterschiedlicher Produkte zum Einsatz, so dass der 360-Grad-Blick auf den Kunden fehlt”, warnt er. Im Interview mit VWheute weist der Consulting-Manager der Afb-Application Services auf weitere Hürden im Digitalisierungswettlauf hin.

VWheute: Welches Potenzial kann durch Erneuerung der Versicherer-IT freigesetzt werden?

Enrico Moritz: Die historisch gewachsenen Systeme sind zwar stabil und auf Sicherheit ausgelegt. Jedoch verschlingen alte Back-End-Systeme einen Großteil der IT-Budgets und verhindern flexible Weiterentwicklungen. Nicht selten werden 90 Prozent der IT-Kosten in Wartung und Instandhaltung investiert.

Neben den hohen Wartungskosten finden sich zudem keine Spezialisten mehr, um Änderungen an der Konfiguration vorzunehmen bzw. geänderte Funktionen bereitzustellen. Daher stellen diese heterogenen Umgebungen auch ein nicht zu unterschätzendes Betriebsrisiko dar. Um diese „Applikationszoos“ abzulösen, müssten Großprojekte aufgesetzt werden. In Anbetracht der geringen Erfolgsquote solcher Großprojekte werden Investitionen nur zögerlich freigegeben bzw. die Gesellschaften finden kaum noch Projektleiter, die sich einer solchen Herausforderung stellen. Insofern ließen sich zwar die Verwaltungskosten alleine dadurch reduzieren, dass moderne Systeme mit umfangreichen, innovativen Funktionen zum Einsatz kommen, die in den Legacy-Systemen oft nur durch einen hohen Integrationsaufwand implementiert werden können.

Aktuell beobachten wir trotzdem Initiativen im Rahmen der Digitalisierung, bei der fehlende oder übergreifende Funktionalitäten durch intelligente, in sich gekapselte Funktions- bzw. Prozessbausteine ergänzt werden. In diesem Zusammenhang bleiben Kernsysteme weiter erhalten, werden jedoch um Business Services ergänzt, welche die Lücken in der Digitalen Customer Journey bzw. Prozesskette schließen. Mit diesen Funktionsergänzungen lassen sich beispielsweise die Daten der (Alt-) Bestände konsolidieren, um auf Basis einer ganzheitlichen Betrachtung der Geschäftspartner risikoorientierte Entscheidungen zu treffen, Ergänzungsprodukte zu identifizieren bzw. gezieltes One-to-One Marketing abseits des Gießkannenprinzips zu realisieren. Umfassende CRM-Funktionen und Datenanalysen können dann genutzt werden, um kundenindividuelle Produktangebote / Loyality-Vorteile zu generieren.

VWheute: Welche Bedeutung bekommt in diesem Zusammenhang der gezielte Run-Off von Altbeständen?

Enrico Moritz: Die Einnahmen aus Altbeständen bescheren den Unternehmen in der Regel zwar ein stabiles Fundament, doch kann dieses sehr schnell brüchig werden, wenn nicht mehr in ausreichendem Maße auf Kunden- und Marktbedürfnisse reagiert werden kann. Eine langfristig ausgelegte Geschäftsstrategie berücksichtigt daher auch die IT-Perspektive und deren kontinuierliche Erneuerung in Abwägung der Investitionskosten vs. der Einnahmen aus Altbeständen. Sinken die Margen aufgrund erhöhter Verwaltungs- bzw. Wartungskosten helfen spezifische Business-Case-Analysen, um eine fundierte Entscheidung für einen gezielten Run-Off zu treffen, wobei in diesem Zusammenhang die Betrachtung verschiedener Migrationsstrategien einen großen Einflussfaktor darstellt.

VWheute: Wie kommen Sie hier ins Spiel?

Enrico Moritz: Wir verstehen uns als Vermittler zwischen der alten Welt und der Digitalen Transformation. Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir Konzepte, um im Rahmen einer Digitalisierungs-Roadmap nicht nur die IT-Landschaft zu modernisieren bzw. durch den Einsatz von Fast Integration Business Services zu ergänzen, sondern auch die End-to-End Prozesse zu harmonisieren und zu digitalisieren. Hierbei werden regelmäßig althergebrachte Arbeitsweisen und Geschäftsmodelle in Frage gestellt. Auch wenn es nicht den einen Königsweg gibt, den alle Unternehmen beschreiten können, nutzen wir Best Practices um bestehende Prozesse gegen einen Benchmark zu prüfen. Wir versetzen uns dabei mit Empathie und großem Engagement in die jeweilige Interessenlage und Problemstellung, um gemeinsam Antworten auf eine kunden- sowie service-orientierte Ausrichtung der Geschäftsfelder zu finden. Dies erfordert nicht nur ein ganzheitliches Umdenken, sondern insbesondere Querdenken. So injizieren wir keine neuen Standards oder Normen, sondern das Unternehmen ist aktiv an deren Entwicklung und der Gestaltung seiner Zukunft beteiligt.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Enrico Moritz, Manager Business Development und Consulting bei der Afb Application Services AG (Quelle: Afb)

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