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“Beteiligung an Hannover Rück ist in Stein gemeißelt”

12.05.2016 – herbert_k_kaas_talanxFür den Versicherungskonzern Talanx ist und bleibt die Tochter Hannover Rück von großer Bedeutung. Auf der Hauptversammlung des drittgrößten deutschen Versicherers stellte Vorstandschef Herbert K. Haas unmissverständlich klar: “Die 50,2-prozentige Beteiligung an Hannover Rück ist in Stein gemeißelt.” Es sei nichts daran zu deuteln, dass die Talanx eine Holding der Hannover Rück und einer Erstversicherung sei.

Hintergrund dieser klaren Worte war die Frage eines Aktionärsvertreters, ob Talanx bei einer möglichen Kapitalerhöhung der Hannover Rück – entsprechende Vorratsbeschlüsse hatte die HV der Hannover Rück am Vortag gefasst – mitziehen würde oder nicht. Schließlich stammen rund 80 Prozent des Talanx-Gewinnes von der Tochter. Auf diese Gewinnquelle will der Talanx-Chef nicht verzichten. Er verwies auch auf die wichtige Rolle der Tochter für das Industriegeschäft, da sie die notwendigen Kapazitäten biete, so dass man nicht von dritten Rückversicherern abhängig sei. Andererseits sei aber das Rückversicherungsgeschäft sehr volatil, während die Erstversicherungen relativ stabil dastehen.

Kritik kam von Aktionärsseite daran, dass die Talanx auf der Stelle trete und ihre Ziele hinsichtlich Eigenkapitalrendite und Konzernergebnis zu niedrig gesetzt seien. Es fehlten Ambitionen, in die Champions League der Versicherungswirtschaft aufzusteigen. Diese Kritik wies Haas weit von sich. Operativ habe die Talanx 15 Prozent mehr verdient. Was ist gefordert, fragte der Talanx-Chef. Und dass bei den nahe Null liegenden Kapitalmarktzinsen keine zweistellige Eigenkapitalrendite zu erreichen sei, dies belegten auch die Ergebnisse anderer Versicherer. Einstellig werde die Eigenkapitalrendite auch bleiben, weil sich der Niedrigzins immer weiter in die Kapitalanlagen hineinfresse.

Bei der defizitären Dauerbaustelle Privat- und Firmengeschäft Deutschland sieht Haas keine schnelle signifikante Verbesserung. Die Programme für Wachstum und Innovationen sowie für die Erneuerung des veralteten IT-Systems, für Automatisierung und Digitalisierung seien langfristig angelegt und dürften erst 2020 voll zum Tragen kommen. Die derzeitige Kostenquote liege noch bei 33 bis 34 Prozent, während der Markt 25 Prozent aufweise, Tendenz weiter fallend.

Daher müssten bis 2020 Kosten in Höhe von 240 Mio. Euro im Jahr eingespart werden. Zu den Kostensenkungen gehöre auch ein Abbau von insgesamt 900 Stellen. Haas nannte neben dem bereits eingeleiteten Wegfall von 600 Arbeitsplätzen den Abbau von weiteren 330 Vertriebsstellen in den nächsten drei Jahren. Haas hofft, ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen zu können. Das von der Schaden-Unfallsparte getrennte und voll abgeschriebene Lebensgeschäft soll sich künftig vor allem auf Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsversicherungen konzentrieren. Traditionelle Garantieprodukte werden nicht mehr angeboten.

Im Privat- und Firmengeschäft Ausland, auf das bereits 60 Prozent der Beitragseinnahmen entfallen, soll weiter ausgebaut werden und 2019 einen Anteil von 65 Prozent abliefern. Schwerpunkte sind Lateinamerika, insbesondere Brasilien und Mexiko, sowie Polen und die Türkei. In den USA will Haas nicht einsteigen. “Nennen Sie mir einen deutschen Versicherer der dort Geld verdient.” (cs)

Bild: Herbert K. Haas, Vorstandsvorsitzender der Talanx (Quelle: Talanx)

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