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bAV: “Anreize auch für geringe und mittlere Einkommen schaffen”

24.06.2015 – Pevelling_Swiss_LifeDen politischen Willen, die bAV als wichtige Säule zu stärken, schätzen die Vermittler, erklärt Andreas Peveling-Schlüter von der Swiss Life im Exklusiv-Interview mit VWheute. Er sieht aber auf Seiten der Arbeitnehmer viel Frust angesichts von Niedrigzinsen, der bis zu einem Komplettverzicht bei der Zusatzvorsorge führt. Daher müssten Anreize geschaffen werden, “um die Attraktivität der bAV weiter zu erhöhen”.

VWheute: Was müssen bAV-Vermittler aktuell wissen?

Andreas Peveling-Schlüter: Aus Kundensicht ist es wegen der Niedrigzinsen fast unmöglich geworden, die Versorgungslücke mit einem Klassikprodukt zu schließen. Eine ergänzende Versorgung für Arbeitnehmer ist mittlerweile nur mit wesentlich höheren Beiträgen darstellbar. Da dies in der Regel nicht finanzierbar ist, verzichten Arbeitnehmer teilweise aus Frust vollständig auf eine Zusatzvorsorge.

Nur mit modernen Garantieprodukten, deren Anlagekonzept höhere Renditechancen bietet, kann Versorgung sinnvoll ergänzt werden. Wichtig dabei ist, dass diese Produktarten mindestens die Garantieleistungen der bisherigen Klassikwelt darstellen. Swiss Life hat ein entsprechendes Tarifpaket entwickelt, dass wir in allen Förderschichten anbieten.

VWheute: Wie bewerten Sie den aktuellen politischen Entwurf des sogenannten Tariffonds aus Vermittlersicht?

Andreas Peveling-Schlüter: Was wir positiv sehen, ist der Wille, die bAV als wichtige Säule neben der GRV weiter zu stärken. Auch der Blick auf kleine und mittelständische Unternehmen ist sicher richtig, muss aber dann auch konsequent erfolgen und darf nicht mit der Situation von Großunternehmen vermengt werden. Anreize müssen insbesondere für geringe und mittlere Einkommen geschaffen werden, um die Attraktivität der bAV weiter zu erhöhen. Denn das verfügbare Einkommen lässt Vorsorge hier nur schwer oder nicht zu.

Mögliche Anreize wären beispielsweise, dass auf die Anrechnung bei der Grundsicherung verzichtet wird oder die Beseitigung der asymmetrischen sozialversicherungsrechtlichen Behandlung von Beitrag und Rente. Außerdem sollte die Direktversicherung als etablierter Weg insbesondere der mitarbeiterfinanzierten bAV zwingend in den Reformvorschlag aufgenommen werden.

VWheute: Wo sehen Sie bei der betrieblichen Altersvorsorge die Ansatzpunkte für nachhaltigen Vertriebserfolg?

Andreas Peveling-Schlüter: Es gibt derzeit eine ganze Reihe von wichtigen Themen, die der Berater mit seinen Kunden besprechen sollte. Zum Beispiel die sogenannte “Zinsschmelze”, die dafür sorgt, dass Versorgungspläne bzw. Direktzusagen in der Handelsbilanz der Arbeitgeber in den nächsten Jahren zu einer Belastung werden.

Ein weiteres Thema ist die Arbeitskraftabsicherung für Belegschaften. Entscheidend ist der intensive Kontakt zum Kunden und zur Firma. Jährliche Gespräche mit den Entscheidern im Unternehmen und das Angebot zu festen Beratungstagen für die Belegschaft sollten für einen bAV-Berater selbstverständlich sein.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Andreas Peveling-Schlüter, Swiss Life, sprach gestern beim Forum betriebliche Vorsorge in Kassel zum Thema. (Quelle: Swiss Life)

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