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Allianz fit wie ein Turnschuh

06.05.2016 – Allianz_HV_2016_akEin Umsatzplus von 2,4 Prozent auf über 125 Mrd. Euro, ein operatives Ergebnis von plus 3,2 Prozent, dazu eine Dividendensteigerung um fünf Prozent auf nunmehr 7,50 Euro. “Punktlandung, das haben Sie gut hingekriegt, im 125. Jahr seit Gründung der Allianz”, resümierte Daniela Bergdolt von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz auf der ersten eigenen Hauptversammlung für Oliver Bäte nach einem Jahr an der Spitze des deutschen Versicherungsriesen. Diesen Kurs will Bäte fortführen, allerdings immer “aus einer Position der Stärke heraus”, wie er in seiner Rede vor 3.700 Aktionären in der Münchener Olympiahalle versprach.

Das verblüffend gute Geschäftsergebnis zum Auftakt von 2016 hatte die Allianz ja schon zu Beginn dieser Woche kommuniziert. So konnten sich Aktionäre und Medien auf der gestrigen Jahreshauptversammlung der Allianz SE ganz auf die Worte und Aussichten bezüglich des weiteren Geschäftsjahres konzentrieren. Auf seiner ersten HV als Vorstandsvorsitzender und Nachfolger von Michael Diekmann, der ebenso vor Ort war wie Vor-Vorgänger Henning Schulte-Noelle (Womit schon drei der insgesamt erst zehn Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens anwesend waren), konzentrierte sich Oliver Bäte auf das Thema “Renewal-Agenda”.

Die wichtigsten Ziele bis zum Jahr 2018 lauten: Eine Eigenkapitalquote von 13 Prozent, ein Ergebnis je Aktie von fünf Prozent und im externen Kontakt mit Kunden im Bereich der Sachversicherung alles papierlos und damit online abzuwickeln. Da kommt etwas zu auf die weltweit 85 Mio. Kunden des Hauses, aber auch auf die Mitarbeiter.

Den Finger in die Wunde legte auf der diesjährigen Hauptversammlung, die rund 34 Prozent des Grundkapitals repräsentierte, Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Mit Blick auf die US-Tochter Fireman`s Fund kritisierte Bergdolt die Akquisestrategie der Allianz. Außerdem täten sich in Brasilien mit einer Schaden-Kosten-Quote von 119 Prozent neue Baustellen auf, so Bergdolt weiter. Auch in Asien läuft es nicht richtig, wie der jüngst getätigte Verkauf des südkoreanischen Ablegers zeigte. “Ist der Zug in Asien abgefahren?”, fragte Bergdolt den Vorstand provokativ. Negativ, so die Antwort von hoch oben, Asien geht erst richtig los, wobei Bäte einschränkte: “Man sagt ja immer, China lohnt sich. Ja, für die Chinesen, so Bäte spöttisch. Daneben stellte die Aktionärsvertreterin Bergdolt weitere wichtige Fragen, die wohl erst in naher Zukunft beantwortet werden: Wie revolutionär wird die Digitalisierung? Evolutionär verspricht Bäte. Wieviel Abrieb produziert der Niedrigzins noch und ist bei Pimco jetzt die Fahnenstange erreicht?

Schwer tut sich die Allianz und auch einige ihrer Shareholder mit der Einstufung des Unternehmens als “systemrelevant”. Programme zur eigenen Abwicklung im Falle einer Pleite müssen in der Königinstr. wie eine Zumutung gewirkt haben, hier will man noch nicht klein beigeben. Kritik äußerte Finanzvorstand Dieter Wemmer vor allem am Auswahlverfahren, außerdem wirkten Versicherer als Aufkäufer und Investoren langlebiger Güter und Produkte von Haus aus stabilisierend.

Keine Frage, die Allianz will sich auf keinen Fall auf den Lorbeeren ausruhen und vielmehr noch mehr beschleunigen. Sichtbarer Ausdruck der sportlich-dynamischen Ziele des Unternehmens für das laufende Geschäftsjahr: Erstmals in ihrer Geschichte bestritt ein Vorstandsvorsitzender der altehrwürdigen Allianz die Hauptversammlung doch tatsächlich in Turnschuhen. Wenn das mal kein Mentalitätswechsel ist. (vwh/ak)

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