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Achillesferse ist die Datensicherheit

07.09.2016 – nikolai_doertrechter_plicendirektVon Nikolai Dördrechter. InsurTechs haben auch das Zeug, die Industrieversicherung ordentlich aufzumischen – selbst wenn es hier noch etwas dauern wird. Die schleppende Entwicklung von INEX24 sollte an dieser Stelle nicht überbewertet werden. Es gibt viele mögliche Ansatzpunkte in der Risikobeurteilung und -prävention, dem Underwriting oder der digitalen Schadenbearbeitung.

Einschränkung: Bei komplexen Risiken wird man auch zukünftig nicht um eine individuelle Schätzung herum kommen. Reine Online-Modelle tun sich hier schwer. Der Versicherungsmarkt ist aufgrund der Anbieter- und Produktvielfalt sehr komplex. Auch haben sich die Marktteilnehmer in der Vergangenheit wenig Mühe gemacht, für den Kunden Leistungs- und Kostentransparenz zu schaffen.

Das galt und gilt im besonderen Maße für die Industrieversicherung. Während etablierte Vergleichsportale wie Check24 und seit einigen Jahren verstärkt auch InsurTechs für deutliche Bewegung im Markt für Privatkunden und Gewerbetreibende gesorgt haben, konnten sich die traditionellen Industrieversicherungsmakler noch entspannt zurücklehnen. “Ohne individuelle Beratung kein Geschäft”, so die einfache Formel.

“Zu komplex und zu individuell sind die Risiken und Bedürfnisse der Kunden, zu groß die Angst, sensible Daten aus der Hand zu geben.” Die nur schleppende Entwicklung von INEX24, die die erste internationale Ausschreibungsplattform für den Industrieversicherungsmarkt werden wollte, schien diese Thesen eindrucksvoll zu untermauern.

Der von den InsurTechs losgetretene Strukturwandel, den Policen Direkt und Oliver Wyman in dem jüngst veröffentlichten InsurTech-Radar ausführlich analysiert haben, wird aber auch vor der Industrieversicherung keinen Halt machen.

Die Achillesferse bei Ausschreibungen ist die Datensicherheit. Ein Makler wird sich schwerlich für die Nutzung einer Plattform begeistern, die von einem starken Konkurrenten betrieben wird. So liegen die Gründe für die Entwicklung bei INEX24 eher in der Gesamtstruktur und den Eigentümerverhältnissen, als in der Idee an sich. Einen neuen Anlauf nimmt das jüngst gestartete Start-up FINLEX.

Ein klarer initialer Produktfokus auf Vermögensschadenversicherungen und eine Ausschreibungsplattform für Makler sollen für den Markterfolg sorgen. Perspektivisch ist nicht auszuschließen, dass auch Gewerbemakler wie Finanzchef24 oder Gewerbeversicherung24 in das Segment der mittleren Unternehmenskunden vorstoßen, die auch für Industrieversicherungsmakler im Fokus sind. Allerdings sind die etablierten Industrieversicherungsmakler wie Aon oder Marsh auf die Entwicklungen im Vertriebsbereich erheblich besser vorbereitet, als es die Privatkundenmakler waren. Beide versuchen, ihren Kunden Lösungen für die fortschreitende Digitalisierung zu bieten.

Im Bereich Angebot sind zwei InsurTech-Trends zu beobachten:

  • Neue Risiken durch Digitalisierung erfordern neue Produkte, vor allem in den Bereichen Cyber und Managerhaftung. Eigentlich wären hier die Versicherer in der Pole Position, allerdings könnten InsurTechs zusammen mit Rückversicherern oder anderen Risikoträgern hier Agilitätsvorteile nutzen.
  • Industrie 4.0 bietet auch für die Versicherungswirtschaft ganz neue Möglichkeiten bei Angeboten der Risikobeurteilung und -prävention. Logistik- und Produktionsstrecken werden zunehmend vernetzt und liefern Daten in Echtzeit. Mit diesen Daten können nicht nur Unternehmen ihre Abläufe optimieren, sondern auch Versicherer ihre Produkte. So können beispielsweise Wartungsintervalle kontinuierlich überwacht werden – die Transparenz für den Versicherer wird sich in sinkenden Versicherungsbeiträgen für die Kunden auszahlen.

Werden dem Versicherer weitere Messdaten geliefert, könnte sich der Versicherer als Partner zur Risikoprävention positionieren, wenn etwa kritische Messwertkonstellationen auftreten, die – statistisch belegt – auf einen baldigen Schaden hindeuten. Voraussetzung neben der sicheren Bereitstellung der sensiblen Daten durch den Kunden ist die Kapazität beim Versicherer, die Echtzeitdaten auch zu verarbeiten. Ob das allen gelingt, ist fraglich. Das Potenzial jedoch ist grundsätzlich riesig und wird auch InsurTechs anziehen.

Bild: Nikolai Dördrechter ist CFO und COO bei Policen Direkt. Die Frankfurter Versicherungsmakler sind Spezialisten für den Lebensversicherungszweitmarkt, bieten Nachfolgelösungen für etablierte Makler und sind als Inkubator für InsurTechs tätig.

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