Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

Wie Hannover Rück um Akademiker buhlt

06.12.2017 – andrea_imhoff_hannreDas einstige Image, konservativ und leicht angestaubt zu sein, hat die Versicherungsbranche abgelegt. Sie bietet gerade Hochschul-Absolventen gute Karriere-Chancen in den unterschiedlichsten Richtungen an. Der Anteil der Akademiker in der Hannover Rück zum Beispiel beträgt etwa 60 Prozent. Pro Jahr werden 25 Hochschulabsolventen eingestellt, betont Alexandra Imhoff gegenüber VWheute.

VWheute: Bieten Sie Hochschulabsolventen zum Kennenlernen ein Trainee-Programm an und mit welchen Schwerpunkten?

Alexandra Imhoff: Neben dem Direkteinstieg auf offene Positionen bieten wir insgesamt drei Trainee-Programme an, die sich in Schwerpunkten und Zielgruppen unterscheiden. Zwei davon wenden sich konkret an Mathematiker/Wirtschaftsmathematiker. Bei diesen beiden Programmen erfolgen die Stagen in mathematisch ausgerichteten Abteilungen, um die Kompetenzen und Interessen dieser Zielgruppe bestmöglich zu nutzen.

Das dritte Traineeangebot bezeichnen wir als allgemeines Rückversicherungs-Trainee-Programm, das sich an BWLer, VWLer, Wirtschaftsjuristen und Wirtschaftsingenieure richtet. In diesem Programm lernen die Trainees eine große Bandbreite von fachlich sehr unterschiedlichen Abteilungen kennen, vom Underwriting über Finance & Accounting bis zur Unternehmensentwicklung.

Die jeweiligen Stagen in den Fachbereichen sind bei allen drei Programmen drei bis vier Monate lang. Zusätzlich beinhaltet jedes Trainee-Programm auch einen mehrmonatigen Aufenthalt an einem unserer internationalen Standorte. Erwähnenswert ist zudem, dass wir Trainees von vornherein unbefristet einstellen.

VWheute: In welchen Bereichen des Unternehmens haben Hochschulabsolventen die größten Chancen?

Alexandra Imhoff: Wir haben keine definierten Einsteigerbereiche, ein Einstieg als Berufsanfänger ist in fast jedem Bereich möglich – abhängig natürlich von der jeweiligen konkreten Bedarfslage. Die Rückversicherung ist eine sehr spezifische Branche, die so kaum an Hochschulen gelehrt wird. Durch eine strukturierte Einarbeitung und ein vielfältiges Seminarangebot machen wir Absolventen/Berufseinsteiger mit der Materie vertraut. Als größte Bereiche haben die Underwriting-Teams, Risikomanagement, IT und Finance & Accounting immer wieder Bedarf.

VWheute: Mit welchen Argumenten würden Sie anzubietende Arbeitsplätze als attraktiv beschreiben?

Alexandra Imhoff: Die konkreten fachlichen Herausforderungen variieren natürlich von Position zu Position. Gemein ist ihnen aber, dass wir in einem internationalen Umfeld arbeiten mit einer aktiv gelebten Feedbackkultur und kurzen Entscheidungswegen. Letzteres ist schon deshalb notwendig, weil unser Business eng mit dem aktuellen Weltgeschehen verknüpft und deshalb sehr dynamisch ist. Wir arbeiten lösungsorientiert und bieten Raum, eigene Ideen einzubringen und umzusetzen. Flexible Arbeitszeitregelungen, attraktive Angebote zu Fitness und Gesundheit und übertarifliche Benefits bilden den Rahmen.

VWheute: Wenn Sie den Umgangsstil im Unternehmen vor etwa 15-20 Jahren mit dem von heute vergleichen, was hat sich da aus Ihrer Sicht im Wesentlichen geändert?

Alexandra Imhoff: Unser Umgangsstil ist seit jeher geprägt von Freundlichkeit, Offenheit und Hilfsbereitschaft. Daran hat sich auch in den letzten Jahren nichts geändert. Diese Aspekte sind uns so wichtig, dass sie schon im Auswahlprozess eine Rolle spielen und Kriterien der Auswahlentscheidung sind. Ebenso ist es uns wichtig, in Vorstellungsgesprächen eine offene und wertschätzende Atmosphäre zu schaffen. Auch in unseren Führungsgrundsätzen ist Wertschätzung als grundlegende Basis definiert. Natürlich haben sich Kommunikationswege geändert. In Chats, Blogs und Social Media-ähnlichen Anwendungen wird zwar kürzer und lockerer kommuniziert, aber nicht weniger wertschätzend.

VWheute: Anzug und Krawatte waren durchaus in der Vergangenheit Standard. Vollzieht sich da ein Wandel zu mehr Lockerheit, auch in Ihrem Unternehmen?

Alexandra Imhoff: Es gibt in unserem Haus keine Kleidungsvorschriften. Erwartet wird aber, dass ein Mitarbeiter ein Gespür dafür entwickelt bzw. Kollegen fragt, was je nach Situation angemessen ist. Hier gilt es z. B. auch, sich mit den Gepflogenheiten anderer Länder auseinanderzusetzen, so dass man Kunden oder Gäste nicht durch ein unangemessenes Outfit vor den Kopf stößt. Der Business Look mit Anzug ist bei wichtigen Terminen die sicherste Lösung. Ansonsten kann es problemlos ein lässigerer Look sein.

VWheute: Wie würden Sie die Verdienstmöglichkeiten in Ihrem Unternehmen im Vergleich zu anderen Finanzdienstleistungsbereichen beschreiben?

Alexandra Imhoff: Mit einem Einstiegsgehalt von 3.325,00 Euro für Bachelor-Absolventen und von 3.525,00 Euro für Master-Absolventen, 14 Gehältern p.a. und Überstundenvergütung, bieten wir, auch rein monetär gesehen, ein attraktives Paket an. Dazu kommen die Investitionen in Trainings und Seminare, Unterstützungen bei fachlichen Weiterbildungen wie dem Aktuar, Benefits wie Sportkurse sowie eine subventionierte Kantine. Die gehaltliche Weiterentwicklung hängt maßgeblich von der eigenen Leistung ab.

VWheute: Gibt es für Nachwuchskräfte einen Karriereplan?

Alexandra Imhoff: Wir haben keine festgeschriebenen Mehrjahrespläne. Gerade Hochschulabsolventen sollen erst einmal in der Branche und im Unternehmen ankommen. Nach einer fundierten Einarbeitung und den ersten Erfolgen kristallisiert sich dann oft heraus, wohin die Reise gehen soll: Sieht sich der Mitarbeiter eher in einer Generalisten- oder Spezialistenrolle? Reizt ihn oder sie die Zusammenarbeit mit Kunden besonders, was auch einen gewissen Vertriebsaspekt beinhaltet? Liegt ein Faible für IT-Anwendungen vor und möchte sich jemand beim Thema Digitalisierung einbringen? Dreh- und Angelpunkt der Entwicklung ist oft das jährliche Mitarbeitergespräch, in dem genau solche Themen besprochen werden und geschaut wird, wie und wo die Kompetenzen und Interessen eines Mitarbeiters bestmöglich eingesetzt werden können.

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Bild: Alexandra Imhoff ist Senior Manager Employee Relations bei der Hannover Rück. (Quelle: Hannover Rück)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten