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Warum Versicherer Dublin meiden und Lloyd’s zerbricht

12.06.2017 – Irland Dublin Bier by_Enrico Fischer_pixelio.deIm Rennen um den neuen europäischen Sitz zahlreicher Versicherer und Banken zieht Dublin gegenüber Brüssel, Luxemburg und Frankfurt überraschend den Kürzeren. Das liege nach einem Zeitungsbericht vor allem an der mangelnden Bereitschaft der irischen Regierung, aktiv um den Standort Dublin zu werben. Derweil könnte der Umzug von Hiscox nach Luxemburg der Versicherungsbörse Lloyd’s große Probleme bereiten.

Versicherer und Banken brauchen nach dem britischen EU-Austritt einen Standort auf dem Kontinent, um einen sogenannten “Passport” zu behalten, der ihnen erlaubt weiter ihre Produkte in der EU zu verkaufen. Der australische Industrieversicherer QBE hat kürzlich Brüssel als neuen Ausweichstandort ausgesucht. Bereits Ende März hatte sich auch die Londoner Versicherungsbörse Lloyd’s of London für die belgische Hauptstadt entschieden. Neben der Nähe zu den EU-Institutionen und der höheren Beliebtheit von Brüssel bei den dorthin zu entsendenden Expats spielte auch die ausgezeichnete Verkehrsverbindung durch den Eurostar eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung. Hinzu kommt die größere Respektabilität der belgischen Aufsichtsbehörde.

Doch viele Syndikatsgruppen, die über eine Bruttoprämie von über eine Mrd. Pfund und ein eigenen Rating aufweisen, haben sich nicht für Brüssel, sondern für Ausweichstandorte in Luxemburg, Paris oder Frankfurt entschieden. Werden solche Groß-Syndikate einmal einige Jahre in der Rest-EU unter eigener Flagge auftreten und womöglich das auch auf andere Gebiete ausweiten, dann könnten sich diese von Lloyd’s emanzipieren. Kritisch sind in diesem Zusammenhang die bereits von japanischen Versicherern kontrollierten Syndikate. Das britische Königreich war bislang die europäische Werkbank der japanischen Autoindustrie und 80 Prozent der dort montierten Toyotas, Hondas und Nissans werden in die EU exportiert.

Dass Dublin immer noch kein Kapital aus den Brexit-Flüchtlingen schlägt, ist verwunderlich. Irland ist das einzige englischsprachige Land in der Eurozone. Das erleichtert natürlich die Arbeit für globale Konzerne. Tech-Giganten wie Google, Apple, Facebook, Twitter und Amazon haben in Dublin ihre Europazentralen. Die Körperschaftssteuer beträgt nur 12,5 Prozent. All das zieht bislang erstaunlich wenig Banken und Versicherer aus London an. Laut der Irish Times sind die Politiker daran schuld. “Versicherer haben in Luxemburg und Brüssel das Gefühl, dass für sie der rote Teppich ausgerollt wird. In Dublin verspüren sie das nicht”, zitiert die Zeitung einen Insider.

Für Luxemburg haben sich zuletzt die US-Versicherer AIG und FM Global sowie die die britischen Assekuranzhäuser RSA und Hiscox entschieden. Ab März 2019 soll dort das komplette europäische Retail-Geschäft von Hiscox durchgeführt werden. Ausschlaggebend für die Wahl des Standorts seien u.a. die Nähe zu den Kernmärkten sowie Regulierungsgründe. Auch Blackstone und Liberty Specialty Markets, das dem US-Konzern Liberty Mutual gehört, wählten das Großherzogtum. Irland hat sich sogar offiziell bei der EU-Kommission beschwert. (dg/cpt)

Bildquelle: Enrico Fischer / PIXELIO / www.pixelio.de

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