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Vorstandsrochade bei der Generali

11.09.2017 – gebaeude_muenchen_generaliEs war eine überraschende Meldung, als die Generali Deutschland im Herbst des letzten Jahres mitteilte, dass die Nummer Eins der Tennisweltrangliste neue Markenbotschafterin wird. Inzwischen nagt Angelique Kerber an ihrem Selbstbewusstsein und stürzte förmlich vom Tennisthron ab. Die Euphorie ob einer neuen Steffi Graf war schnell verflogen.

Erfolge braucht auch der Deutschland-Teil des internationalen italienischen Versicherungs-Konzerns. In den letzten zwei bis drei Jahren aber hört man sehr viel über strategische Neuausrichtungen und seit diesem Wochenende “zukunftsweisende Änderungen im Vorstand”.

Es fällt schwer, sich nicht von Deutschland-Chef Giovanni Liverani beeindrucken zu lassen. Er ist angetreten, so sagt der eloquente Manager selbst, Versicherungen neu zu erfinden. Das Programm “Simpler, smarter for you” und die Vitality-Tarife tragen die Handschrift des Diplom-Ingenieurs aus Mailand.

Umgekrempelt wird so ziemlich alles, was nicht seinen Vorstellungen eines modernen Versicherungsbetriebs entspricht. Das Geschäftsmodell “Neue Normalität” in Leben, so wurde es großspurig verkündet, betraf die geplante Umgestaltung des deutschen Modells des Lebensversicherungs-Geschäfts. Aufhorchen ließ auch die Meldung Mitte des Jahres, dass durch die strategische Neuausrichtung die Generali ihr operatives Ergebnis gegenüber 2015, also in nur zwei Jahren, auf 847 Mio. Euro steigern konnte.

Also alles in Ordnung in der Deutschland-Filiale eines der weltweit größten Versicherungskonzerne, dass auch den Slogan nutzt “Generali bewegt Deutschland”? Wenn man ein wenig hinter die Kulissen schaut, bzw. einige Fakten zusammenträgt, können Zweifel an einer heilen Welt am Münchener Adenauerring in Neuperlach aufkommen.

Gerüchte um “Run-Off” der Generali Leben

Seit der Fusion der Volksfürsorge-Gesellschaften mit denen der Generali zum Jahreswechsel 2008/2009 kommt das Unternehmen nicht mehr aus den Schlagzeilen. Erst wird eine Volksfürsorge Vertriebsgesellschaft gegründet, um den traditionsreichen Namen wenigstens für die Vertriebsakquise weiter zu nutzen und der selbstbewussten Außendienst-Mannschaft eine Heimat zu geben.

Dann schon nach wenigen Jahren wieder eine Rolle rückwärts. Nun wird alles als Exklusivvertrieb neu verpackt und im Ressort Vertrieb mit dem der ehemaligen Generali-Gesellschaften zusammengefasst. Es war dann sogar mal die Rede davon, den kompletten Vertrieb des Unternehmens wieder auszulagern und in einer eigenen Vertriebs AG zusammenzufassen.

Das bis dahin erfolgreiche Maklergeschäft in Leben wanderte bis auf die bAV zur Dialog. Aufhorchen ließ auch vor einiger Zeit die Meldung über die Gründung einer Servicegesellschaft in Leipzig für einfache Verwaltungsaufgaben. Hintergrund: Die nach Versicherungstarif bezahlten Angestellten sind zu teuer. Hinter den Kulissen wurde auch gemunkelt, dass damit das weitere Austrocknen des Verwaltungsstandorts Hamburg eingeleitet werden sollte.

Dieses Jahr machen noch viel weitreichendere Gerüchte die Runde. Die Generali Lebensversicherung, so pfeifen es die Spatzen von den Dächern, soll abgewickelt und in den “Run-Off” geschickt werden. Hintergrund sind risikobehaftete hochverzinsliche Lebensversicherungsprodukte in einer Größenordnung, die Experten auf durchaus vier bis fünf Mrd. Euro schätzen. Die beiden Komposit-Gesellschaften Generali und AachenMünchener sollen verschmolzen werden. LV-Geschäft gibt’s dann über die AachenMüncher Leben, bzw. die Dialog. Zu diesem Deal gehört dann auch, den Exklusivvertrieb an die DVAG zu verkaufen.

Personeller Aderlass in der Vorstandsetage

Vor diesem Hintergrund erhalten die Personalien-Meldungen der letzten Monate möglicherweise eine ganz andere Qualität. Erst verabschiedete sich Ende 2016 Monika Sebold-Bender. Im April 2017 ließ die Nachricht aufhorchen, dass der langjährige Finanzchef Torsten Utecht ausscheidet. Die Tonalität der Verlautbarung darüber sprach Bände.

Inzwischen hat auch Personalchef Ulrich C. Nießen die Segel gestrichen, gefolgt vom Bereichsvorstand für die unabhängigen Vertriebspartner, Olaf Engemann. Außerdem ging Risikomanagerin Nora Gürtler als Leiterin der weltweiten Konzernrevision nach Italien.

Auch Claudia Andersch, Chief Insurance Officer, verlässt nun die bayerische Metropole in Richtung Wiesbaden, um dort das gesamte Lebensversicherungsgeschäft der R+V zu verantworten. Damit ist Vorstandschef Norbert Rollinger ein kluger Schachzug gelungen, denn Andersch gilt als ausgewiesene Lebensversicherungs-Expertin.

Diesen Aderlass an leitenden Köpfen in kürzester Zeit zu verkraften, fällt einem Unternehmen, dass sich mittendrin in der strategischen Neuausrichtung befindet, sicher nicht einfach. Umso bewundernswerter wirkt der Optimismus in München, mit dem die “zukunftsweisenden Änderungen im Vorstand” vermeldet werden. Wörtlich heißt es unter anderem: “Das neue Team wird ab sofort alle Geschäftsbereiche in Deutschland steuern”. Der Vorstand werde um zentrale Ressorts ergänzt, wichtige Ressorts würden weiter gestärkt und die Kompetenzzentren der Gruppe enger in die Führung einbezogen.

Künftig zwei Vertriebsressorts

Mit Christoph Schmallenbach (weiterhin VV AachenMünchener) als Chief Business Officer Exklusivvertrieb und David Stachon (weiterhin VV CosmosDirekt Versicherungen), Chef Business Officer Digital und Unabhängige Vertriebe, gibt es künftig zwei Vertriebsressorts.

Jochen Petin (weiterhin VV Central Krankenversicherung) übernimmt das neue Ressort des Chief Insurance Officer Health. Peter Heise (weiterhin Leben-Vorstand der AachenMünchener) wird Chief Insurance Officer Life.

Ulrich Rieger (Komposit-Vorstand der AachenMünchener) ist künftig auch Chief Insurance Officer P&C. Milan Novotny wird neuer Chief Risk Officer. Stefan Lehmann (Chief Financial Officer), Rainer Sommer (Chief Operating Officer) und Robert Wehn (Chief HR-Officer) führen ihre Ressorts wie bisher weiter.

Unter der Führung von Liverani besteht nach wie vor der Anspruch, so wurde es von ihm selbst formuliert, “mit diesem Team die Transformation in Richtung Nummer Eins für die Kunden in Deutschland zu beschleunigen”. Es dürfte als sicher gelten, dass Italien sehr aufmerksam den Weg der Deutschland-Tochter beobachten wird.

Unruhe in einem Unternehmen ist dem Geschäft nie dienlich. Wenn es dem inzwischen neben Englisch auch gut Deutsch sprechenden Liverani gelingt, die Generali Deutschland in der Spur zu halten, und er den möglicherweise kurz bevorstehenden weiteren Umbau hinkriegt, dürfte sich Liverani für höhere Weihen empfehlen. Wenn nicht, könnte er selbst Gegenstand einer Personalinformation werden, in der “ihm für seine Tätigkeit gedankt wird”. (wo)

Bildquelle: Generali

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